REM-Phase: die wichtigste Phase des Schlafes

7. Dezember 2018

Neunzig Minuten nach dem Einschlafen treten wir in die REM-Phase ein: Die Atmung beschleunigt sich, schnelle Augenbewegungen treten auf und auch die lebhaftesten Albträume entstehen jetzt. In diesem Stadium zeigt das Gehirn seltsamerweise die gleiche Aktivität, als ob es wach wäre: Der Grund? Es ist dabei, eine seiner wichtigsten Aufgaben zu erfüllen.

Diese Phase des Traumes wurde bereits vor mehreren Jahrzehnten beschrieben. Allerdings birgt die Schlafphase der schnellen Augenbewegungen (in Englisch „rapid eye movement“, daher REM) noch viele Rätsel. So sind sich die Wissenschaftler zwar einig, dass das Gehirn in dieser Ruhephase neue Erinnerungen in unserem Langzeitgedächtnis fixiert. Und wir wissen auch, dass es als authentischer Bildhauer agiert und das, was es für irrelevant oder nutzlos hält, verwirft, um jene Daten, die es für bedeutsam erachtet, besser zu erhalten. Auf diese Weise modelliert es einen Teil dessen, was wir sind, erleichtert das Lernen, integriert Erfahrungen und schafft so die Grundlagen für unsere Reifung, für unsere kognitive, sensorische und auch emotionale Entwicklung.

Allerdings wissen Experten beispielsweise nicht, welche Mechanismen das Gehirn dazu bringen, plötzlich in diese REM-Phase einzutreten, die so erstaunlich, so hyperaktiv und voller Möglichkeiten ist. So erzählen uns Studien, wie jene in der Zeitschrift Nature und von den Neurologen Jon Lu und David Sherman durchgeführte, von einer Art „Schalter“ im Hirnstamm. Hierbei handele es sich eher um eine Reihe von spezialisierten Neuronen, die es uns ermöglichen, diese Schwelle zu überschreiten und in jene Welt überzugehen, in der unsere Träume lebendiger sind, in der einige Menschen schlafwandeln können und in der unser Gehirn all die Erinnerungen, die es während des Tages kodiert hat, neu organisiert.

„Wir sind aus dem gleichen Material, aus dem die Träume gemacht sind.“

William Shakespeare

Schwebendes, schlafendes Mädchen

Die REM-Phase und die Grundlagen des Schlafes

Als Sherlock Holmes zu Dr. Watson sagte, dass das beste Mittel gegen alle Probleme der Schlaf sei, lag er nicht falsch. Wenn unser Körper ruht, gewinnen wir Energie und Gesundheit zurück. Eine erholsame Nachtruhe ist ein idealer Mechanismus, um Stress abzubauen, die Realität aus anderen Perspektiven zu sehen und zu reflektieren.

Schlafen ist eine biologische Notwendigkeit und dieser Übergang, die Vertiefung und Übernahme der Kontrolle in der REM-Phase ist für die meisten Lebewesen unerlässlich. Wir wissen, dass alle Säugetiere und Vögel träumen und REM-Phasen durchlaufen. Interessanterweise gilt das nicht für Fische, Eidechsen und Schildkröten.

Nun, was den Menschen betrifft, ist bekannt, dass wir normalerweise zwischen 4 und 9 Schlafzyklen durchlaufen, die jeweils in 5 Phasen unterteilt sind. Eine dieser Phasen ist eben jene REM-Phase, wo der paradoxe Traum uns eine erholsame Ruhe vermittelt und unser Gehirn unentbehrliche Aufgaben erfüllen kann.

Es ist auch beschrieben, dass Neugeborene und jüngere Kinder den größten Teil ihres Schlafzyklus in der REM-Phase verbringen und so jede Erfahrung besser in die zweifellos wichtigste Phase ihrer Entwicklung integrieren. Ab einem Alter von 6 Jahren nimmt die Länge dieser Phase deutlich ab.

Darüber hinaus, wie uns die Wissenschaftler Karni und Rubenstein in einer in der Zeitschrift Science  veröffentlichten Studie erklären, ist der REM-Traum der Schlüssel zu unserer Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, unserer Reaktion auf Reize, um von unserer Umwelt lernen und in ihr überleben zu können.

Schlafender Hund. Alle Säugetiere durchlaufen eine REM-Phase.

Was passiert während der REM-Phase in unserem Gehirn und Körper?

Der REM-Schlaf wird auch als „paradox“ bezeichnet, weil die Gehirnströme, die in dieser Ruhephase auftreten, eine Besonderheit aufweisen: Sie sind desynchronisiert, sehr schnell und von niedriger Spannung.

Andererseits ist der Hirnbereich, der nach Expertenmeinung diese Schlafphase reguliert, der Hirnstamm. Kortikale und thalamische Neurone sind in diesem Stadium stärker depolarisiert, und es findet eine vermehrte Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin statt. Außerdem, wenn wir die REM-Phase erreichen, erleben wir oft folgendes:

  • Schnelles Atmen
  • Augenbewegungen
  • Muskelentspannung
  • Sexuelle Erregung
  • Das Erscheinen von lebhaften Träumen

Um besser zu verstehen, wie die REM-Phase funktioniert und abläuft, betrachten wir nun kurz die einzelnen Schlafphasen.

Phase 1

Aus dieser ersten Phase erwachen wir leicht, ebenso wie wir häufig das Gefühl eines Sturzes verspüren. Der Muskeltonus nimmt nach und nach ab und Alpha- und Thetawellen dominieren.

Phase 2

Der Schlaf wird tiefer, die Herzfrequenz sinkt, ebenso wie die Körpertemperatur. Nun bereitet sich der Körper auf den Eintritt in die wichtigsten Ruhephasen vor.

Phase 3 und 4

In diesen Phasen ist der Schlaf tief. Es dominieren die Deltawellen und es können bereits Schlafstörungen wie Nachtschrecken und Schlafwandeln auftreten.

In dieser Phase des Nicht-REM-Schlafes wird der Körper repariert, Gewebe regeneriert, nicht mehr benötigte Zellen werden eliminiert und das Immunsystem ist aktiv. Im Falle von Kindern wird das Wachstum von Knochen, Muskeln und weiteren Geweben stimuliert.

Hirn und Hirnwellen

REM-Phase

Es sind etwa anderthalb Stunden vergangen, seit wir eingeschlafen sind, und wir haben endlich die REM-Phase erreicht. Unsere Gehirnwellen zeigen die gleiche Aktivität an, als ob wir wach wären, unsere Träume geben eine aussagekräftige Geschichte wieder, aber der Muskeltonus bleibt gering. Die Thetawellen dominieren und das Gehirn beginnt, Erfahrungen in das Langzeitgedächtnis zu integrieren.

Dieser beschriebene Zyklus wird in der Nacht bis zu fünfmal durchlaufen. Und von Zyklus zu Zyklus dauert die REM-Phase länger an.

Wie wir sehen können, ist die Bedeutung einer guten Schlafhygiene nicht nur für die Rückgewinnung von Energie entscheidend. Gut zu schlafen und die REM-Phase zu erreichen, ist der Schlüssel zur Pflege unserer kognitiven Prozesse, des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, der Fähigkeit, effektiver auf die Reize des täglichen Lebens zu reagieren.

Shakespeare sagte einmal, dass der Mann, der sich nicht von seinen Träumen ernähre, bald alt würde. Wir könnten dem hinzufügen, dass die Person, die nicht schläft, auch nicht träumt, und diejenigen, die ohne Träume leben, nicht so leben, wie sie es verdienen.