Schlaflähmung: Wenn Albträume zum Leben erwachen

· 14. Juni 2017

Hast du dir jemals vorgestellt, wie es wäre, wenn du mitten in der Nacht aufwachst und dich wie gelähmt fühlst? Du kannst deinen Körper nicht bewegen, du spürst einen Druck auf deiner Brust und das allerschlimmste ist, dass du fühlst, dass etwas oder jemand Boshaftes in deiner Nähe ist. Es wirkt alles wie ein Horrorfilm. Aber tatsächlich passiert genau das den Menschen, die unter der Erkrankung Schlaflähmung leiden.

Was ist Schlaflähmung?

Es handelt sich um eine Störung, bei der der Patient die Schlafphasen nicht in ihrer natürlichen Ordnung erlebt. Vereinfacht gesagt wacht sein Geist auf, bevor sein Körper das tut.

Normalerweise schläfst du zuerst ein, wenn du ins Bett gehst. Und danach sorgen Neurotransmitter in deinem Gehirn dafür, dass dein Körper auf Stand-by geschalten wird. Du beginnst, zu träumen und auch wenn du in deinen Träumen rennst, springst oder tanzt, sorgen diese Mediatoren dafür, dass du unbeweglich in deinem Bett liegen bleibst. Wenn der Tag anbricht, hörst du auf zu träumen und die Beweglichkeit kehrt in deinen Körper zurück. Schließlich wachst du auf.

Stell dir jetzt vor, dass dieser ganze Prozess in alterierter Reihenfolge stattfindet. Was passiert, wenn dein Körper weiterhin Glycin und GABA (die zwei Neurotransmitter, die deinen Körper paralysieren) produziert, auch wenn du schon aufgewacht bist? Was, wenn sich einige Merkmale aus deinen Träumen mit deinem bewussten Geisteszustand vermischen? Die Kombination kann zu einer wirklich angsteinflößenden Erfahrung werden.

Vorstellungen und Symptome

Die Lähmung vermittelt ein Gefühl der Wehrlosigkeit. Wir können nicht weinen oder unserem Instinkt, uns zu beschützen, folgen. Wenn sich jemand in solch einem verletzlichen Zustand befindet, dann können sich seine tiefsten Ängste zeigen und die Kontrolle übernehmen.

Ist es also angemessen zu denken: „Wenn ich keine Kontrolle über meinen Körper habe, wer kontrolliert ihn dann?“  Viele Menschen, die schon einmal eine Schlaflähmung erfahren haben, kamen zu dem Entschluss, dass sie von einer bösartigen Kraft angegriffen wurden. Diese Ideen werden von religiösen und kulturellen Vorstellungen beeinflusst. Je nachdem, was es für Anlässe gab, mag ein Mensch denken, dass er von Geistern, Aliens, Dämonen oder anderen mystischen Kreaturen besessen ist.

Aber abgesehen davon, wie ein Individuum diese Erfahrung erlebt, gibt es einige Symptome, die bei allen Menschen gleich sind: Druck auf der Brust und Atemnot, fehlende Beweglichkeit trotz der Fähigkeit, die Umgebung klar wahrzunehmen (beispielsweise das Bett, den Nachttisch, den Wecker). Meistens tritt eine Schlaflähmung auf, wenn die Person auf dem Rücken schläft.

Vor dem Schlafengehen

Täglich Sport zu treiben ist förderlich für einen friedlichen Schlaf in der Nacht. Dir wird es auch helfen, wenn du regelmäßig Pausen von der Arbeit machst, deine Augen schließt, dich entspannst und tief durchatmest.

Ein weiterer Rat ist, exzessiven Koffeinkonsum zu vermeiden und jeden Abend für mindestens eine halbe Stunde an die frische Luft zu gehen. Außerdem solltest du dich darum bemühen, deine Zeit gut zu planen, sodass du jede Nacht genügend Schlaf bekommst.

Was man während einer Episode tun kann

Manche Menschen erzielen gute Ergebnisse, wenn sie sich darauf konzentrieren, kleine Muskeln zu bewegen (z.B. ihren Finger oder ihren Hals). Im Grunde genommen können sie so ihren Körper „aufwecken“. Andere konzentrieren sich darauf, ruhig zu atmen, bis ihr Körper wieder seine normale Aktivität erreicht. Versuche in jedem Fall ruhig zu bleiben und nutze deinen Verstand, um zu interpretieren, was passiert.

Carla MacKinnon*, die seit ihrer Kindheit an an dieser Störung leidet, hat sich ausgiebig mit diesem Thema beschäftigt und meint: „Ich habe herausgefunden, dass ich meinen Geist vom Empfinden von Angst und Gefahr ablenken kann, wenn ich mich auf die Details der Erfahrung konzentriere und sie mit meinen Studien vergleiche. So kann ich die dunkle, übermannende Kraft, die in solchen Erfahrungen normalerweise dominiert, vertreiben.“ 

Carla MacKinnon koordiniert übrigens das Projekt Schlaflähmung und hat einen Kurzfilm mit dem Titel Devil in the Room  entwickelt, der im Mai 2013 fertiggestellt wurde. Der Film nutzt Techniken wie Stop-Motion, Realfilm und Projektionsmapping, um die Welten, die zwischen Bewusstsein und Schlaf erlebt werden, darzustellen. Der Film ist die Abschlussarbeit Carla MacKinnons, um einen Master am Royal College of Art’s Animation zu erhalten, und wurde in Zusammenarbeit mit den Seeper Studios realisiert.

Ist dir schon Mal was Ähnliches passiert? Nimm deinen Mut zusammen, du bist nicht allein und du kannst diese beängstigende Störung bekämpfen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Gabriele Negri