Sport und Depression – emotionale Heilung

25. Oktober 2015 en Emotionen 237 Geteilt

Die Depression zeigt sich als die Krankheit des 21. Jahrhunderts: Sie ist die häufigste Ursache für krankheitsbedingten Arbeitsausfall in den verschiedensten Teilen der westlichen Welt und steht in engem Bezug zu einem hohen Stresslevel, an dem wir leiden.

Die Frage, die ich dir stellen möchte, soll dich zum Nachdenken anregen: Welche Strategie erscheint dir sinnvoller, um ein emotionales Tief zu überwinden – Adidas oder Prozac (ein Antidepressivum)?

Diese Frage ist eine Kapitelüberschrift des Buchs „Die Neue Medizin der Emotionen“ von David Sevan-Schreiber. In diesem Kapitel werden einige Fakten aufgeworfen, die uns zu den effektivsten Wegen zur Heilung von Depression führen sollen.

Eine neue Studie, die im Journal of Clinical Psychiatry  erschienen ist, berichtet allerdings, dass 69% der Personen, die selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), die wichtigste Art der Antidepressiva, nehmen, niemals einen größeren Depressionsanfall bekommen hätten.

Gedopter Arm

Was ist der Grund für diese Übermedikamentierung?

  • Die Menschen suchen schnelle und effektive Lösungen.
  • Verschrieben werden die Medikamente hauptsächlich durch Hausärzte, die sich bei einem Mangel an Psychologen und Psychiatern überfordert fühlen, psychologische Fälle zu behandeln.
  • Es besteht ein Mangel an Organisation und Flexibilität, und die aktuelle Situation lässt nicht zu, dass Psychologen und Psychiater gemeinsam an einem Fall arbeiten.

In Wirklichkeit gibt es unzählige Mittel, um Depressionen zu bekämpfen, aber in diesem Artikel wollen wir uns auf den Vergleich zwischen der medizinischen Behandlung und dem Behandlungsweg über den Sport konzentrieren.

Kann man sie vergleichen? Glaubt ihr, dass die Wirkung des Sports bis an die Grenzen der menschlichen Traurigkeit reichen kann, nicht nur als Balsam, sondern als Heilmittel?

psychischeKrankheiten

Sport kann einigen Symptomen der Depression entgegenwirken: Sport hilft, das Gewicht zu kontrollieren, die Libido zu steigern, den Schlaf zu verbessern, den Blutdruck zu verringern, das Immunsystem zu stärken, und Sport kann vor Herzkrankheiten und sogar vor einigen Krebsarten schützen.

Auch wenn es unbestreitbar ist, dass die Verschreibung von Medikamenten in einigen Fällen sinnvoll sein kann, gibt es andere Fälle, in denen man vorerst versuchen sollte, darauf zu verzichten. Dies gilt zum Beispiel für Personen, die quasi jegliche Aktivität aufgegeben haben. Diese sollten nur in schwerwiegenden Fällen von Depression auf Medikamentierung zurückgreifen, um ins Leben zurückzukehren. Denn medikamentöse Behandlungen mögen kurz- bis mittelfristig sinnvoll sein, aber langfristig erzielen sie die gleiche Wirkung wie nicht-medikamentöse Behandlungen.

Im Hinblick auf diese Fakten ist fallabhängig und je nach Schwere der Depression eine rein psychologische Behandlung, eine Kombination aus Gesprächen und Arzneimitteln oder eine rein medikamentöse Behandlung angezeigt.

Wenn jemand über die Art der Behandlung entscheiden muss, sollte er sich bewusst sein, dass Sport in folgenden Fällen helfen kann: wenn keine Symptome einer Depression vorliegen (als Prophylaxe), bei leichter Depression, bei Dysthymie oder anderen wenig ausgeprägten Stimmungsschwankungen (prämenstruelles Syndrom, saisonale Depression, Traurigkeit, Beklemmung, Angst, Stress).

Die Haupteffekte von Sport (bevor du dich für die Medikamentierung entscheidest)

  • Mit seiner verlängerten physischen Anstrengung hält das Laufen den Fluss negativer Gedanken auf, was ein Charakteristikum der Depression ist.
  • Nach 30 Minuten andauernder Anstrengung tritt man in einen Zustand voller kreativer und positiver Gedanken ein. Diese Gedanken treten eher unbewusst auf und lassen sich vom Rhythmus der Anstrengung leiten.
  • Mihály Csíkszentmihályi, führender Forscher des „Flow-Erlebens“, behauptet, dieser Zustand setze dadurch ein, dass wir beim Laufen unsere Kräfte bis an das Limit ausreizen, jedoch nicht darüber hinaus.
  • Man muss nicht jung sein, um von den Effekten körperlicher Betätigung zu profitieren. Depressive Personen zwischen 50 und 67 Jahren erreichen bereits durch 30 Minuten Gehen am Tag eine therapeutische Wirkung.
  • Die Betätigung hat einen Effekt auf das emotionale Gehirn und auf die Endorphine. Sofort setzt ein Wohlgefühl ein, aber ohne die unangenehmen Nebenwirkungen von Substanzen wie Opium, Morphium und Heroin.
  • Wenn das emotionale Gehirn angeregt wird, wird auch das Immunsystem angeregt.

Damit der Sport diese therapeutischen Wirkungen erzielt, ist Folgendes notwendig:

  • Er muss regelmäßig ausgeübt werden.
  • Man muss nicht zwingend viel Sport auf einmal machen.
  • Andauernde Anstrengung.
  • Achte auf einen sanften Einstieg und lass dich von deinem Körper leiten, bleib immer am Limit, aber überschreite es nicht.
  • In Begleitung anderer ist Sport immer wirksamer.
  • Wähle eine Sportart und einen Ort, der dir gefällt.

Wenn du also in einem Moment Traurigkeit verspürst oder an leichter Depression leidest, versuch es nicht sofort mit Medikamenten, sondern such lieber therapeutische Hilfe und… zieh deine Adidas an!

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