Depression – Wie können wir einem erkrankten Menschen helfen?

22. Oktober 2015 en Psychologie 883 Geteilt

Jede Depression ist anders.

Eine Depression ist wie eine Schneeflocke, jede ist einzigartig, und auch wenn anfangs die gleichen Symptome auftreten, zeigt sich schnell, dass jede Depression einmalig komplex ist.

Andrew Solomon

Wenn jemand an einer Depression leidet, hat er das Gefühl, von niemandem verstanden zu werden. Um diesen Zustand zu überstehen, ist die Hilfe der Personen, die dem Betroffenen am nächsten stehen, unglaublich wichtig. Denn Familie und Freunde können durch ihre Art, wie sie mit dem Betroffenen umgehen, seinen Heilungsprozess beschleunigen.

Wie fühlt sich ein Mensch, der an einer Depression leidet?

Hast du dich jemals gefragt, wie sich diese Person fühlt, dein Freund, Familienangehöriger, Bekannter, der dir mitgeteilt hat, dass er an einer Depression leidet?

Es ist wichtig, nachzuempfinden, wie sich ein depressiv kranker Mensch fühlt, da man durch Verständnis eine festere Bindung zu ihm schaffen kann. Der Versuch, den Erkrankten zu verstehen, ist hilfreicher als das Bestreben, etwas zu tun, damit er sich nicht mehr schlecht fühlt.

Jeder von uns hat bereits einmal in kleinerem oder größerem Ausmaß viele der Symptome, die bei einer Depression auftreten, erlebt: Unwissenheit darüber, wieso man traurig ist; Antriebslosigkeit; Gleichgültigkeit gegenüber unseren früheren Interessen; Unzufriedenheit über die Dinge, die wir tun; Reizbarkeit; Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, etc.

Ein an einer Depression erkrankter Mensch verspürt diese Gefühle über einen längeren Zeitraum hinweg, was es ihm schwer macht, das Leben zu leben, das er gerne leben möchte. Er empfindet eine Zwiespältigkeit zwischen dem, was er gerne tun möchte, und dem, was er wirklich zu tun vermag.

Zu den häufigsten Symptomen einer Depression gehört das Gefühl, zu glauben, dass es auf der Welt niemanden gibt, der wirklich verstehen kann, was man gerade durchlebt, man fühlt sich körperlich und geistig leer und frustriert fühlt.

Wie können wir also jemandem helfen, der an einer Depression leidet?

Allein die Absicht einem geliebten, depressiven Mitmenschen helfen zu wollen, reicht nicht aus. Es ist unabdingbar, in Erfahrung zu bringen, welche Dinge wir falsch machen. Die soziale Unterstützung ist für eine depressive Person unheimlich wichtig. Eine falsche Hilfestellung kann die Situation allerdings auch verschlimmern.

Was machen wir als Erstes, wenn wir einen geliebten Menschen leiden sehen? Im Normalfall möchten wir ihn aufmuntern und versuchen ihm zu zeigen, wie wir die Welt sehen. Dieses Verhalten sollte vermieden werden und wir müssen uns immer wieder selbst daran erinnern, nicht so zu handeln.

Wir möchten nur helfen, aber wenn wir nicht auf die richtige Art und Weise helfen, können wir dem Betroffenen schaden, anstatt seine Situation zu verbessern.

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Deshalb ist es sehr wichtig, eine Reihe von Anweisungen zu befolgen, wie wir einem depressiv erkranktem Menschen richtig helfen können. Vor allen Dingen muss man wissen, was man nicht tun sollte:

Ganz wichtig ist, dass sich die Person, die an einer Depression leidet, wertgeschätzt fühlt. Es kann vorkommen, dass man Vorwürfe ausspricht, weil die Situation uns selbst frustriert, während Geduld und Taktgefühl erforderlich sind. Teile dem Betroffenen mit, wie sehr du ihn schätzt und wie wichtig er für dich ist. Das ist nötig, um sein Selbstbewusstsein zu stärken und ihn von der Überzeugung abzubringen, er sei eine Last für seine Umwelt.

Gut gemeinte, aufbauende Ratschläge können bei einer Depression genau das Gegenteil auslösen. Die Heilung eines Menschen, der auf nichts Lust hat, wird durch animierende Worte eher verzögert. Die Tatsache, dass er trotz der aufbauenden Worte weder Energie noch Motivation in sich finden kann, löst Schuldgefühle aus.

Denn mit Sätzen wie: Auf geht’s!, Los, das ist doch ganz einfach, das machst du gleich!, Denk positiv! Ich verstehe sehr gut, wie du dich fühlst., etc. erreichen wir nur, dass sich der andere noch trauriger und frustrierter fühlt. Wir vermitteln ihm dadurch das Gefühl, dass er schwach ist, weil er nicht die nötige Kraft aufbringen kann, und dass er schuldig ist, weil er derjenige ist, der der Depression nicht entkommen kann.

Es ist wichtig, das Problem zu akzeptieren und seine Bedeutung zu erkennen, denn wenn es nicht erkannt oder sogar schöngeredet wird, fühlt sich der an der Depression Erkrankte nur noch orientierungsloser. Er wird allein kaum in der Lage sein, seine Situation zu erkennen und zu akzeptieren, dass er ein Problem hat und Hilfe benötigt, um dieses zu lösen. Die Depression nimmt dem Betroffenen seinen Willen, weshalb es umso wichtiger ist, dass seine Umwelt der Erkrankung die entsprechende Bedeutung beimisst.

Wenn wir uns auf den Betroffenen konzentrieren und anfangen, uns zu sehr zu kümmern, gewinnt er an anderer Stelle: an Aufmerksamkeit, Zuspruch, Zeit. Das kann dazu führen, dass der Erkrankte seine Absicht, gesund zu werden, verliert. Aber darauf kommen wir im nächsten Punkt zu sprechen.

Versuch nicht, der Psychologe des Betroffenen zu sein. Oftmals begehen wir den Fehler, dass wir denken, das momentane Problem lösen zu können. Doch das ist wesentlich schwieriger als es scheint und bedarf professioneller Hilfe.

Auch wenn die Unterstützung von geliebten Mitmenschen bedeutend ist und auch der Betroffene selbst etwas tun muss, um die Depression zu bekämpfen, reicht das in den meisten Fällen nicht aus. Professionelle Hilfe ist unverzichtbar bei der Diagnosestellung und bei der Wahl der Therapie. Der Psychologe hilft nicht nur dem Betroffenen, sondern weiß auch, inwiefern sich dessen Mitmenschen in ihrem Verhalten anpassen müssen, um eine baldige Heilung zu erzielen.

Dem Betroffenen zu vermitteln, dass er nicht alleine und man für ihn da ist, egal, was er braucht, ist eine große Hilfe. Lass ihn deine Unterstützung spüren und zeig ihm, dass du wirklich da bist, wenn er dich braucht. Das gibt ihm ein Gefühl von Sicherheit, und motiviert, sein momentane Hilflosigkeit zu überwinden.

Es ist immer ratsam, baldmöglichst einen Psychologen aufzusuchen, in seiner Betreuung verläuft die Krankheit weniger schwer und er ist in der Lage, Lösungsansätze für die bestehenden Probleme zu schaffen.

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