Sage niemals „weine nicht“ zu einem Kind

10, August 2017 en Emotionen 532 Geteilt

Wenn wir ein bestürztes Kind nach einem Sturz oder einem Gefühlsausbruch trösten wollen, dann sagen wir oft Dinge wie „weine nicht“, „sei stark“ oder „denkst du, dass es besser wird, wenn du weinst?“

Aber halten wir jemals inne, um darüber nachzudenken, was diese Sätze eigentlich erreichen? Wir lehnen nicht nur das Verhalten des Kindes ab, wir sagen auch zum Ausdruck seiner Emotionen. Wir bringen ihm bei, seine Emotionen zu unterdrücken, statt sie äußern. Das hat einen ernsten Einfluss auf ihre Entwicklung und die Entwicklung der Gesellschaft im Allgemeinen.

Es ist nicht verwunderlich, dass wir sie so aufziehen, denn wir wiederholen die Nachricht, die den meisten von uns vermittelt wurde. Das Gleiche gilt, wenn wir diese Dinge zu Erwachsenen sagen. Warum wollte wir als Erwachsene aber nicht weinen, wenn es wehtut?  Weinen ist eine natürliche Bewältigungsstrategie, die wir ausnutzen sollten.

Wenn wir wollen, dass unsere Kinder ihre Emotionen verstehen und lernen, mit ihnen umzugehen, dann sollten wir gewisse Sätze aus unserem Repertoire entfernen und ihnen ein Beispiel sein. Wir müssen gegen unsere Angewohnheit kämpfen, unsere Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen zu unterdrücken.

„Lass sie gehen, Luise“, sagte die Großmutter.
„Wen?“
Deine Tränen! Manchmal scheint es, als gäbe es so viele, dass du in ihnen ertrinken müsstest, aber das stimmt nicht.“
Glaubst du, dass sie eines Tages aufhören werden, zu rollen?“
Natürlich!“, sagte die Großmutter mit einem lieben Lächeln. „Tränen bleiben nicht allzu lange. Sie tun ihre Arbeit und gehen dann weiter.“
Und was ist ihre Arbeit?“
Sie gießen, Luise. Sie säubern und klären… genauso wie der Regen. Alles sieht anders aus, nachdem es geregnet hat.“

Aus: Der Regen weiß warum (María Fernanda Heredia)

Wenn wir Kindern Liebe geben, dann verschwinden ihre Ängste

Wenn wir ihnen helfen, zu erkennen, warum sie weinen, und ihre Emotionen zu kanalisieren, dann fördern wir ihre emotionale Intelligenz. Glücklicherweise ist die Natur weise und kämpft gegen das gegenwärtige Erziehungsmodell, indem sie Traurigkeit zu einer der empathischsten Emotionen gemacht hat. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Traurigkeit Aufmerksamkeit zu schenken, mitzufühlen und der Person Komfort zu geben, die sie erfährt.

Jahrelange Erziehung in einem unkorrekten Modell hat uns dazu gebracht, negative und doch gesunde Emotionen zu unterdrücken und nur die unterworfenste Version unseres selbst für gültig zu erklären.

Wir sollten unseren Kindern beibringen, dass Traurigkeit viele Gründe hat, dass sie eine natürliche Antwort auf etwas ist, was uns bestürzt, und dass sie kanalisiert werden kann. Wir sollten ihnen angemessene Modelle der Selbstregulation mit auf den Weg geben. Außerdem wäre es gut, mit ihnen darüber zu reflektieren, was Traurigkeit und Unwohlsein für den Menschen tun können.

Wenn wir Kindern beibringen, ihre Emotionen zu unterdrücken, indem wir Dinge wie „weine nicht“ sagen, dann fördern wir Bewältigungsstrategien, die auf Angst und Verneinung basieren. Aber negative Emotionen zu spüren, ist vollkommen normal.

Wir haben die Pflicht, unseren Kindern dabei zu helfen, sich besser zu fühlen und den Teufelskreis der unterdrückten Emotionen zu verlassen. Es ist wichtig, zu bemerken, dass der Grund des Weinens normalerweise eine Art von Ärgernis ist und dass wir deshalb gegen die allgemeine Erwartung, Wutausbrüche nicht zuzulassen, ankämpfen. Wutausbrüche kommen häufig bei Kindern vor, besonders im Alter von 2 bis 6 Jahren. Uns sie sind wichtig. Sie sollten nicht generell unterdrückt werden. Stattdessen sollte man ihre Dauer und ihren Zweck in Betracht ziehen.

Wenn das Kind einen Wutausbruch hat, ist es wichtig, dass unsere Worte die Nachricht vermitteln, dass wir „ja“ zum Kind und seinen Gefühlen sagen und „nein“ zum unangebrachten Verhalten. Wir können seine Emotionen für gültig erklären und dennoch zeigen, dass bestimmte Verhaltensweisen nicht angemessen sind.

Was auch immer der Grund für die Tränen ist, wir sollten das Kind dazu animieren, sie zu analysieren und seine Gefühle in Worten auszudrücken. So können wir Regulation und Reflektion erleichtern, wenn seine Gedanken noch nicht organisiert sind und es nicht mit ihnen umzugehen weiß.

Demjenigen, der mehr zum Thema erfahren will, empfehlen wir die Lektüre des Buches Disziplin ohne Drama  von Daniel J. Siegel und Tina Payne Bryson.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Karin Taylor

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