Psychologische Vorteile von Weihnachtstraditionen

· 11. März 2019

Mit Weihnachten verbinden wir Ruhe, Entspannung und Frieden. Der Advent ist eine Jahreszeit voller Traditionen, die wir jedes Jahr aufs Neue begehen. Für viele Menschen ist Weihnachten kein richtiges Weihnachten, wenn sie nicht am traditionellen Festessen teilnehmen können oder während der Bescherung nicht zu Hause sind. Die Feiertage scheinen an Bedeutung zu verlieren, wenn wir unsere Weihnachtstraditionen nicht pflegen können – ganz gleich, wie die in unserer Familie aussehen.

Weihnachten ist ein Geschenk für die Sinne, wenn wir es zu genießen verstehen: die Lichter, die Fenster und Straßen erleuchten, die Farben von Weihnachtsschmuck und buntem Geschenkpapier, der Geruch nach Glühwein und der Geschmack von Kräppelchen, auf die wir uns das ganze Jahr freuen. Es ist diese Mischung aus Sinneseindrücken und Empfindungen, die wir nur im Advent erleben. Sicher können die meisten unserer Leser dieser Liste von Eindrücken noch jede Menge weihnachtlicher Reize hinzufügen, die sie im Kreise ihrer Familie sammeln. Denn vor allem anderen, vor dem Geschenkeregen, der uns manchmal zu ersticken droht, ist Weihnachten doch nach wie vor ein Fest der Familie. Es ist eine Zeit, in der wir unsere Routine verlassen, um uns mit unseren Lieben zu treffen.

Eine willkommene Pause in der Alltagsroutine

Tagtäglich müssen wir uns Herausforderungen stellen, der Alltagsstress zehrt an unseren Nerven und sorgt dafür, dass wir erschöpft in der Adventszeit ankommen. Das Leid, das aus Stress und Erschöpfung hervorgeht, kann chronisch werden, wenn man sich nicht darum kümmert. Und es wird noch gestärkt, wenn in ständiger Unsicherheit leben, denn die ist der beste Nährstoff für negative Gedanken und Katastrophendenken.

Da kommen Adventszeit und Weihnachtstraditionen genau richtig. Tatsächlich stellen sie für viele Menschen eine wertvolle Auszeit dar, in der sie von ihren Alltagssorgen Abstand nehmen können. Weihnachten bedeutet viel. Es bedeutet die Möglichkeit, zurück in die eigene Kindheit zu reisen, Zeit mit denen zu verbringen, die wir das ganze Jahr über nicht sehen, weil sie zu weit weg wohnen. Es bedeutet auch, um diejenigen zu trauern, die nicht mehr bei uns sind, und uns bewusst zu werden, wie wertvoll die Zeit ist, die wir heute mit unserer Familie haben. Weihnachten ist mehr als Geschenke öffnen; es ist vor allem eine Zeit, in der wir unsere Arme öffnen und mit Umarmungen nicht geizen sollten.

Wunderkerzen brennen

Die Weihnachtstraditionen, die jede Familie pflegt, können sich ganz unterschiedlich gestalten. Manche bedanken sich ganz traditionell für ihr täglich Brot, andere stoßen gemeinsam auf ihr Wiedersehen an. Bei den einen gibt es immer Ente, bei den anderen Karpfen. Das sind Rituale, und sowohl Experimente im Labor als auch Feldstudien haben gezeigt, dass derart strukturierte und repetitive Handlungen die Angst zu dämpfen vermögen. Das hängt damit zusammen, dass unsere weihnachtliche, von Ritualen geprägte Welt viel besser vorhersehbar ist als die Realität.

Natürlich könnten wir solche Rituale auch außerhalb der Adventszeit pflegen. Es spricht nichts dagegen, schon im Herbst Plätzchen zu backen oder das Wohnzimmer im Februar zu schmücken. Aber während der Weihnachtszeit erlangen diese Taten eine besondere Bedeutung. Sie werden an einem besonderen Ort begangen, meist zu Hause, von einer ganz besonderen Gruppe Menschen wertgeschätzt, nämlich von unseren Verwandten und engsten Freunden.

Wegen all der Gefühle, die aufkommen, während wir unsere Weihnachtsrituale pflegen, verreisen in der Adventszeit besonders viele Menschen. Die Ankunft geliebter Personen von weit her wird sehnsüchtig erwartet und wenn wir sie einmal in unseren Armen halten, vergessen wir unsere Sorgen. Stattdessen lenken wir unseren Fokus darauf, uns wieder mit ihnen zu verbinden.

Das traditionelle Weihnachtsessen

Was wären unsere Weihnachtstraditionen ohne ein besonderes Essen. In vielen Familien wird gemeinsam gekocht und die in der Küche geteilte Zeit, in der immer wieder gekostet wird, was man dort Leckeres zaubert, ist ein sozial ebenso bereicherndes Erlebnis wie das Essen selbst. Wenn den Köchen dann noch jede Menge Lob zuteil wird – oder man zusammen über den gescheiterten Versuch lacht, werden die zwischenmenschlichen Beziehungen weiter gefestigt.

Warum sollte der Versuch scheitern? Weihnachten verlangt in der Regel nach einem besonderen Essen. Das ist nichts, was man jeden Tag zubereitet. Und nicht selten kennen unsere Großmütter, und nur sie, die geheime Zutat, damit es gelingt. Über geheime Zutaten wie besondere Gewürze wollen wir an dieser Stelle nicht spekulieren, wohl aber über die Prise Liebe, ohne die ein Weihnachtsessen nicht gelingen kann.

Wenn wir alle gemeinsam am Tisch sitzen, macht sich ein Gefühl der Zugehörigkeit breit, dass alle Familienmitglieder erfasst und den Weg zu Verbindung und Kommunikation ebnet. Es konnte übrigens gezeigt werden, dass die Pflege von Ritualen vor dem Essen dazu führt, dass wir selbiges mehr genießen und seinen Geschmack intensiver wahrnehmen. Ein ähnlicher Effekt wurde für die Teilnahme an der Zubereitung des Essens beschrieben, was insbesondere für Kinder gilt: Sind sie dabei, wenn in der Küche gewerkelt wird, schmeckt ihnen das Essen besser. Zeit und Mühe, die wir in das Weihnachtsessen stecken, zahlen sich also in einem fantastischen gastronomischen Erlebnis aus.

Die Bescherung

Eine der weitverbreitetsten Weihnachtstraditionen ist der Austausch von Geschenken. Von einem rein rationalen Standpunkt aus betrachtet, macht der überhaupt keinen Sinn. Im Wesentlichen investieren wir in einen konsumsorientierten Kreislauf, recyceln unser Geld: In der Regel geben wir in etwa so viel Geld für Geschenke aus, wie diejenigen wert sind, die wir von anderen erhalten.

Austausch von Geschenken

Wäre es also sinnvoller, würden wir uns selbst kaufen, was wir uns wünschen? Dann hätte es wenigstens die richtige Farbe und Größe. Aber der Akt des Schenkens geht weit über den Konsum hinaus: Die Geschenke, die wir erhalten, stärken  unsere Bindung zu dem, der sie uns überreicht. Wir denken an ihn –  für ein paar Minuten, Stunden, immer dann, wenn wir auf das Geschenk blicken.

Ja, Weihnachten bedeutet Konsum und Geldrecycling, aber die Befriedigung, die wir erfahren, wenn wir Geschenke machen oder erhalten, ist mit Geld nicht zu bezahlen. Sie ist es, die uns während der Bescherung so glücklich macht. Abschließend sei noch gesagt, dass die größten und teuersten Weihnachtsgeschenke in der Regel langfristig geplant werden. Die Beschenkten erleben keine Überraschung und sind oft selbst diejenigen, die das Produkt besorgt haben. Kleine Gesten hingegen, die überhaupt nichts kosten müssen, erreichen unser Herz.

Der Sinn für Familie und weitere Vorteile von Weihnachtstraditionen

Ohne Zweifel ist die wichtigste Funktion von Weihnachtstraditionen, die Verbindungen zwischen Verwandten, Freunden, Kollegen und Nachbarn zu stärken. Diejenigen Beziehungen, die das Jahr über von geografischer Distanz geprägt sind, blühen regelrecht auf, wenn man sich zu Weihnachten sieht. Die weihnachtlichen Rituale, die wir gemeinsam begehen, könnten der als der Kitt betrachtet werden, der die Verbindung zusammenhält. Das gilt übrigens für Menschen allen Alters. Schon Kinder, die an Weihnachtstraditionen teilhaben, entwickeln stärkere Beziehungen zu ihrer Familie. Und wenn wir uns alle ein paar positive Momente gönnen, generieren wir angenehme Erinnerungen, die das Zusammenleben weit ins neue Jahr hinaus verbessern können.

Weihnachtstraditionen und -rituale sind also Indikatoren von Identität und Gruppenzugehörigkeit. Genau deshalb schaffen sie dieses Gefühl, dass man einer besonderen Familie angehöre, und dieses Glücksgefühl macht uns großzügiger. Über den Sinn und Unsinn von Weihnachten lässt sich streiten, über die angenehmen Momente, die wir in der Weihnachtszeit erleben, nicht.