Wir alle haben Erinnerungen, die unsere Seele zum Lachen bringen

28. Oktober 2017 en Psychologie 0 Geteilt
Die Seele zum Lachen bringen - Mädchen mit einem Buch, aus dem zahlreiche Schmetterlinge emporfliegen

Es gibt Erinnerungen, die uns eine Gänsehaut bereiten, und solche, die unsere Seele zum Lachen bringen und die so einen therapeutischen Effekt haben. Denn in schwierigen Zeiten gibt es nichts Schöneres als den Schlüssel zu unserem Gedächtnis zu finden und uns nach und nach von der Essenz des gestrigen Glücks einhüllen zu lassen, um so Kraft für die Gegenwart zu finden.

Oft hört man, dass das Erinnerungsvermögen wunderschöne Momente abspeichere, die kein Foto dieser Welt einfangen könne. Denn kein elektronisches Gerät ruft uns Gerüche ins Gedächtnis, lässt uns den Geschmack eines Kusses schmecken oder die sanfte Brise eines neuen Tages spüren.

Einzigartige Momente hinterlassen unvergessliche Erinnerungen, die unsere Seele zum Lachen bringen, sie streicheln und uns zeigen, dass alles, was einst Teil unseres Verstandes war, nun in unserem Herzen weiterlebt.

Eine Sache, die wir in Bezug auf Erinnerungen und das Gedächtnis bedenken sollten, ist, dass es entgegengesetzt der allgemeinen Meinung keine große Schatztruhe ist. Es ist kein unendlich großer Raum, in dem wir Daten, Bilder und Erfahrungen ablegen können, die absolut der Realität entsprechen, um sie dort zu verwahren. Das Gedächtnis ist eher eine Leinwand, auf der wir immer wieder neue Schattierungen hinzufügen, etwas ändern und sogar auslöschen können.

Frau bemalt eine Leinwand

Unsere Erinnerungen sind der Schlüssel und unser Bewusstsein das Schloss

Für William James, den berühmten Philosophen, Psychologen und Bruder Henry James‘, sind das Gedächtnis und das Bewusstsein wie Schlüssel und Schloss. Hier ein Beispiel: Wenn wir eine Melodie hören, reist unser Gedächtnis zu einem Moment in der Vergangenheit. Dafür brauchen wir keine Zeitmaschine. Es ist eine unfreiwillige Erinnerung, eine von vielen, die uns im Laufe des Tages in den Kopf kommt. Für ein paar Sekunden verweilen wir dann in diesem Nebel der Erinnerung, in diesem Augenblick, der eine positive oder negative Konnotation für uns haben kann, bis uns langsam unser Bewusstsein ruft und sich das Schloss wieder schließt. Diese augenblickliche und intensive Reise ist weder eine vollkommene Abnabelung von der Realität, noch total unnütz, sondern ist Teil unseres Bewusstseins.

Wir Menschen verbringen einen Großteil unseres Lebens damit, uns an etwas zu erinnern und somit unsere Vergangenheit aufleben zu lassen. Und das tun wir, weil laut der Neurowissenschaft das Gedächtnis dieser ewig Reisende sei, der uns auf seine große Insel einlade, um die Vergangenheit Revue passieren zu lassen, um in der Gegenwart zu handeln und unsere Zukunft planen zu können. All das findet in unserem Bewusstsein statt, in diesem blühenden und chaotischen Ganzen, das jeden von uns auf eine ganz eigene Weise formt.

Goldene Taschenuhr

Wir müssen unsere Gegenwart erschaffen, um positive Erinnerungen zu erzeugen

Positive Erfahrungen erzeugen glückliche Erinnerungen. Das wissen wir natürlich alle, denn es liegt auf der Hand, und darüber hinaus wissen wir auch, dass es nicht immer in unserer Macht steht, glückliche, fröhliche und schöne Erfahrungen zu machen. Manchmal ist das Glück nicht auf unserer Seite, wir erleben Enttäuschungen, nehmen falsche Abzweigungen auf unserem Weg, machen traumatische Erfahrungen und erleben sehr düstere Tage.

„Wer ein Gedächtnis hat, erinnert sich leicht. Wer ein Herz hat, vergisst nur schwer.“

Gabriel García Márquez

Am Anfang haben wir erwähnt, dass das Gedächtnis wie eine Leinwand ist und wir uns nicht immer auf das verlassen können, woran wir uns erinnern. Eine von zwei Menschen erlebte Realität kann unterschiedlich erinnert werden, weil jeder von uns anders wahrnimmt und interpretiert, und hierin liegt die Magie und das Geheimnis des menschlichen Gedächtnisses. Das Gehirn ist keine Kamera, auch kein Kopierer, es ist ein großartiger Interpret. Und das macht es zu etwas so Faszinierendem.

Frau mit rosa Schmetterlingen im Haar und einem Vogel auf der Hand

Das Gedächtnis und die Gefühle

Wir alle können unsere eigene Realität erschaffen und von unserem Gedächtnis und Gefühlen Gebrauch machen, um auf unseren Lebenswegen motivierter und gestärkter voranzuschreiten. Dafür müssen wir diese Strategien verfolgen:

  • Das selektive Gedächtnis, mit dem wir unsere Wunden heilen können. Du hast vielleicht gerade die Beziehung zu einem Menschen beendet. Eine Möglichkeit, mit dem Schmerz umzugehen, ist, unseren Fokus von negativen oder gar traumatischen Ereignisse abzuwenden. Andernfalls können wir nicht weiterkommen und werden zu Gefangenen des Leids. Es geht darum, zu akzeptieren, dazu in der Lage zu sein, einen Kreis zu schließen und sich selbst zu erlauben, sich gemeinsam Erlebtes ins Gedächtnis zu rufen und es zu genießen. Nur dann können wir das Leben als ein Leben sehen, das es wert war, gelebt zu werden.
  • Erinnerungen können im Fall einer Depression ein zweischneidiges Schwert sein. Laut einer in der Zeitschrift Frontiers in Psychology  veröffentlichten Studie könne es kontraproduktiv sein, einen an einer Depression leidenden Patienten dazu einzuladen, sich an glückliche Momente in seiner Vergangenheit zu erinnern. Denn man konnte beobachten, dass das Gehirn des Betroffenen unfähig dazu ist, sein Belohnungssystem zu aktivieren, da sich depressive Menschen dadurch auszeichnen, dass sie keine Freude empfinden können, weshalb sie sich nicht an positiven Erinnerungen oder Erfahrungen erfreuen können.

Ballerina mit Schmetterlingen

Wenn wir also dunkle Momente in unserem Leben durchmachen, ist es ratsam, die Gegenwart bewusst zu erschaffen, uns mit dem Hier und Jetzt zu verbinden, um uns selbst daran zu erinnern, dass es manchmal schon ausreicht, unsere Gedanken zu verändern, um neue, unsere Realität verschönernde Gefühle zu erzeugen, anstatt uns an unser Gedächtnis zu wenden, um uns an Vergangenes zu erinnern, das nicht mehr sein kann. Hin und wieder braucht der Motor der Veränderung nur diesen kleinen wichtigen Anstoß: ein positives Gefühl voller Hoffnung.

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