Die 90/10-Regel: Die Veränderung beginnt bei dir

14. Juli 2017 en Psychologie 0 Geteilt

In der Psychologie gibt es die sogenannte „90/10-Regel”, die besagt, dass unsere Reaktion auf Ereignisse uns viel mehr beeinflusst als die Ereignisse selbst. In der Tat werden gerade einmal 10% unseres Lebens durch das bestimmt, was uns passiert: ein begangener Fehler, die Verspätung des Flugzeugs oder der Stau, was uns zu spät zur Arbeit kommen lässt. Andererseits hängen 90% direkt davon ab, wie wir auf diese Situationen reagieren, die eben jene 10% ausmachen. Es ist bewiesen, dass Individuen in derselben Lage auf sehr unterschiedliche Weise reagieren. Unsere erste Reaktion gegenüber eines gerade stattgefunden unschönen Ereignisses entscheidet darüber, ob wir einem mehr oder weniger angenehmen Tag etwas Positives abgewinnen können.

Es ist wichtig, diese Regel zu berücksichtigen, da wir uns so bewusst werden können, dass wir den Großteil unseres Lebens kontrollieren: nämlich 90%. Wenn uns klar wird, dass es nur 10% gibt, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, befreit uns das auch von unnützen Gefühlen, in die wir sonst jede Menge Energie stecken.

Unsere Reaktion gegenüber einem unglücklichen Umstand kann den Rest unseres Tages, unserer Woche oder sogar unseres Jahres positiv oder negativ beeinflussen. Es hängt von uns ab.

Wenn wir dazu in der Lage sind, in Anbetracht dieses Umstandes unsere Willenskraft für uns sprechen zu lassen, kann etwas sehr Negatives uns nur momentan bremsen oder sogar motivieren, wenn wir die positive Seite an ihm sehen. Möchtest du wissen, wie uns das gelingen kann? Dann lies weiter.

Ein Beispiel für 10% und 90%

Um zu verdeutlichen, wie wir diese wunderbare Regel in die Praxis umsetzen können, werden wir ein Beispiel anführen, mit dem wir uns wohl alle identifizieren können:

Stell dir vor, dass du den ganzen Sonntag an einem Projekt gearbeitet hast, das dir dein Chef aufgetragen hat. Du musst es bald abgeben, und endlich verfasst du die letzten Zeilen. Gerade als du es abspeichern willst, wird der Bildschirm schwarz und dein Computer stürzt ab. Es stellt sich dann heraus, dass deine Frau den Ofen angemacht hat, obwohl sie weiß, dass das immer dazu führt, dass die Sicherung auslöst. Du bist außer dir vor Zorn, bekommst Angst und bist überzeugt, dass die Welt gerade untergegangen ist. Du wendest dich deiner Frau zu und streitest dich schließlich mit ihr.

Weil du angespannt bist, gehst du in die Küche und wirfst die auf der Arbeitsfläche stehenden Tassen zu Boden. Leider war auch deine Lieblingstasse dabei, aus der du jeden Morgen deinen Kaffee trinkst, welche jetzt aber in Scherben liegt. Das führt dazu, dass du dich noch mehr ärgerst. Du schiebst die Schuld deinem Sohn in die Schuhe, der die Tasse an diesem Nachmittag benutzt und wieder in der Küche stehen gelassen hat. Nach einigen Minuten setzt du dich dann hin, um deine Arbeit wiederherzustellen, aber es gelingt dir nicht. Alles ist weg. Du gehst an die Decke, verfluchst sämtliche Götter und gehst schließlich vor die Tür, um ein bisschen frische Luft zu schnappen. Als du wieder zurückkommst, bist du böse auf deinen Sohn, deine Frau, hast deine Lieblingstasse zerbrochen und kein Projekt vorzuweisen: der Inbegriff eines schlechten Tages.

Was ist passiert? Wie wir sehen können, gibt es einen Auslöser, der diese 10% ausmacht, was in diesem Fall der angemachte Ofen ist. Das ist ein Ereignis, das nicht dir abhing, etwas Unkontrollierbares, das eine andere Person ohne böse Absicht getan hat, ein menschlicher Fehler. Was allerdings von dir abhing, ist all das, was danach passiert ist. Das sind diese 90%, die aus einem normalen einen grauenvollen Tag gemacht haben. Aus einem Problem hast du – hat unser Protagonist – gleich mehrere gemacht.

Anstatt seine Energie darauf zu verwenden, das Projekt neu zu schreiben oder den Chef anzurufen, um zu erklären, was passiert ist, damit dieser ihm eine neue Deadline setzen kann, hat er sich für eine wenig effiziente Reaktion entschieden. Die ganze Familie streitet nun wegen eines unkontrollierbaren punktuellen Ereignisses. Ist es das wirklich wert?

Wann kann ich die 90/10-Regel anwenden?

Es gibt unzählige Situationen, die Auslöser für Reaktionen sind, die alles noch schlimmer machen. Genau in solchen Momenten können wir diese Regel gut in die Praxis umsetzen und unseren Willen für uns arbeiten lassen, damit uns unsere Gefühle nicht kontrollieren. Der Schlüssel liegt darin, Frustration als einen Teil des Spiel des Lebens zu akzeptieren.

  • Wenn wir verurteilt werden: Verurteilungen und Kritik durch andere kannst du nicht kontrollieren, denn sie haben das Recht, zu denken, was sie wollen. Doch du kannst den Wert kontrollieren, den du diesen Urteilen beimisst. Wenn wir nicht kontrollieren können, was sie über uns denken, wieso sollten wir dann deswegen unser Energie vergeuden?
  • Wenn wir einen Fehler machen: Du kannst Fehler nicht immer vermeiden, aber du kannst aus ihnen lernen, auch wenn du weiterhin Fehler machen wirst, weil das in der Natur des Menschen liegt. Du kannst deine Reaktion in Bezug auf diese Fehler nur kontrollieren, wenn du dich akzeptierst oder dich nicht selbst maßlos tadelst, wenn du dazu in der Lage bist, sie zu tolerieren.
  • Wenn andere nicht so handeln, wie du es gern hättest: Die Reaktionen unserer Mitmenschen sind unsererseits unkontrollierbar. Von jemandem zu verlangen, dass er anders handeln müsse, als er nun mal tut, ist unrealistisch, und dadurch erreichen wir nur, dass wir noch mehr frustriert sind und unsere Beziehung zu dieser Person leidet.

Wenn dir ein Unglück passiert: Das Leben bringt uns immer wieder in unglückliche Situationen. Studien besagen, dass jedem Mensch im Laufe seines Lebens etwa 20.000 Unglücke geschähen. Das reiche von kleinen Unglücken, wie in Hundekot zu treten, bis hin zu großen Unglücksmomenten, wie einen geliebten Menschen zu verlieren. So sie nun mal das Leben und das ist unmöglich zu kontrollieren. Es liegt aber allein an uns, inwieweit wir uns von diesen Situationen vom Weg abbringen lassen.

Wenn du dich also mit einem Ereignis herumschlagen musst, das du nicht kontrollieren konntest, wende die 90/10-Regel an. Du weißt jetzt, dass 90% allein von dir abhängen und dass das, was dir widerfährt, nur halb so schlimm ist, wenn du dich von dieser Last aus negativen Gefühlen befreist, wenn du dir nicht von diesen 10% das Leben schwer machen lässt.

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