Warum haben wir Gruppennormen?

7. Oktober 2018

Wenn man verschiedene soziale Gruppen betrachtet, haben sie alle ihre eigenen Gruppennormen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um formelle oder informelle Gruppen handelt. Diese Normen sind Teil unseres gesellschaftlichen Lebens und wir akzeptieren die überwiegende Mehrheit von ihnen als fair und wesentlich. Dennoch lohnt es sich, die Frage zu stellen – wie kommen Gruppen auf diese Normen? Welchem Zweck dienen sie innerhalb der Gruppe?

Bevor wir auf diese beiden Fragen antworten, sollten wir eine Definition von „Normen“ festlegen. Das ist wichtig, um ihre Herkunft und Funktion zu verstehen. Homans definierte „Norm“ als eine Idee, die den Geist der Gruppenmitglieder beschäftigt. Sie dient als Bezugspunkt, wenn die Realität unklar ist, und bewirkt eine Regulierung von Einstellungen und Verhalten. Es gibt zwei Arten von Normen:

  • Beschreibende Normen: Das sind Normen, die dem entsprechen, was die Gruppenmitglieder in einer bestimmten Situation tun sollten. Sie bilden ein Verhaltensmodell, dem die Mitglieder der Gruppe zu folgen haben. Sie dienen als Bezugspunkt, wenn die Realität unklar ist.
  • Vorschreibende Normen: Diese Normen teilen mit, was die Gruppenmitglieder akzeptieren und was sie ablehnen. Sie repräsentieren die Moral der Gruppe und dienen als Regulationsmechanismus für Haltung und Verhalten.
Leute lösen gemeinsam ein Puzzle

Der Zweck von Gruppennormen

Wir wissen, dass alle Gruppen Normen gestalten. So können wir ableiten, dass sie bezüglich der Gruppendynamik eine Funktion erfüllen müssen oder zumindest Konsequenzen haben. Sonst wäre ihre Existenz sinnlos. Diese Funktionen können individuell oder sozial sein. Sie sind individuell, wenn ihre Befolgung oder ein Verstoß das Mitglied an sich betreffen. Wenn sie die Bedürfnisse der Gruppe auf sozialer oder intergruppenspezifischer Ebene befriedigen, sind sie hingegen sozial. In den meisten Fällen erfüllt eine Norm beide Arten von Funktionen.

Die primäre Funktion von Gruppennormen auf individueller Ebene ist es, als Bezugspunkt zu dienen. Dank der Normen weiß der Einzelne, wie er die Realität zu interpretieren und zu gestalten hat. Diese Funktion passt perfekt in bestimmte sozial-konstruktivistische Paradigmen. Diese Paradigmen schlagen vor, dass wir die Realität durch eine Kultur der Gesellschaft und Kultur konstruieren. Gruppen und ihre Normen sind die Wirkstoffe dieses Prozesses.

Auf sozialer Ebene haben Gruppennormen folgenden Zweck:

  • Die Regelung und Koordination der Interaktionen und Aktivitäten der Gruppenmitglieder. Die Normen tragen dazu bei, dass diese Interaktionen und Aktivitäten geordnet ablaufen. Sie helfen, Chaos und Konflikte zu vermeiden. Folglich vermeiden Gruppen Zerstörung oder Verfall.
  • Das Erreichen der Gruppenziele. Wenn Gruppen Normen erstellen, schaffen sie auch eine Einheitlichkeit des Verhaltens gegenüber einem gemeinsamen Ziel. Das trägt wesentlich dazu bei, die Effektivität der Annäherung an Gruppenziele zu verbessern.
  • Die Aufrechterhaltung der Gruppenidentität. Eine Reihe von Normen, die den Mitgliedern sagen, wie sie sein sollen und wie sie sich verhalten sollen, wird ihnen helfen, sich von anderen zu unterscheiden. Dies ist Teil des Ursprungs der Gruppenidentität, die sie als Teil einer bestimmten Gruppe kategorisiert.
Gruppe von Freunden

Wie schaffen Gruppen Normen?

Die Entwicklung von Normen ist eine Frage, die viele Sozialpsychologen beschäftigt. Eine Analyse von Levine und Moreland beispielsweise befasst sich mit einer Vielzahl von Theorien und experimentellen Untersuchungen dazu, wie Gruppen Normen erzeugen. Dank ihnr können wir sagen, dass Gruppennormen zwei verschiedene Ursprünge haben können: einen internen Ursprung oder einen externen Ursprung.

Unter den internen Ursprungsfaktoren finden wir:

  • Skripte oder Richtlinien von Mitgliedern über das Verhalten in einer bestimmten Situation. Je mehr Mitglieder diese Richtlinie teilen, desto schneller wird die Norm festgelegt.
  • Verhandlung zwischen den Mitgliedern während der Lösung eines Konflikts
  • Die Imitation des Verhaltens eines anderen Mitglieds macht es dem Rest der Gruppe verstärkt bewusst.
  • Autokategorisierung. Dieser Faktor wirkt, wenn eine Norm aufgrund der in der Gruppenidentität verfügbaren Informationen entsteht.

Der häufigste und bemerkenswerteste Faktor in Bezug auf die externe Herkunft ist, dass eine Institution oder ein Leiter eine Norm vorschreibt. Derartige Normen kommen also von außerhalb der Gruppe oder von einem einzelnen Mitglied der Gruppe. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Rest der Gruppe sie ablehnt, viel größer, als wenn sie einen internen Ursprung hätte. Aber das hängt letztendlich auch von der Übereinstimmung und Kompatibilität der Norm mit den Zielen der Gruppe ab.

Gruppennormen sind Teil unseres täglichen Lebens. Sie beeinflussen alles, davon, wie wir unsere Arbeit verrichten, bis hin zur Art und Weise, wie wir uns für eine Party kleiden. Ihr Einfluss ist in unserem Verhalten spürbar, meist wirkt er aber implizit und unbewusst. Deshalb ist es wichtig, die Normen und ihre Funktion zu verstehen, denen wir folgen. Das wird uns helfen, sie kritisch zu hinterfragen und nicht gegen unsere Moral oder unsere persönliche Identität zu handeln.