Geordneter Schrank, geordneter Geist

06 April, 2018

Jeder kennt die erschreckende, anstrengende und zeitraubende Aufgabe, die die Reinigung des eigenen Schrankes bedeutet. Das Organisieren, Kategorisieren und Ordnen von Objekten und Kleidung ist deshalb so anstrengend, weil es auch eine Menge geistiger Anstrengung erfordert. Du ordnest nicht nur deinen Schrank, sondern auch deinen Geist: Wenn du einen Raum oder einen Schrank ordnest, sortierst du nicht nur Gegenstände und Kleidung und wirfst deine alten, unbenutzten Sachen weg, sondern organisierst auch deine Ideen. Das liegt daran, dass dein Unterbewusstsein Erinnerungen verarbeitet, die mit diesen Gegenständen und Kleidungsstücken verbundenen sind. Es entscheidet auch anhand dieser Erinnerungen, ob sie nützlich sind oder nicht.

Laut Marie Kondo, einer Expertin in Sachen Ordnung und Autorin des Buches Wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert, beginnt das Ordnen mit der Beseitigung überschüssiger Gegenstände aus dem Leben. Sie sagt, dass die Leute so viel Zeug in ihren Häusern und Büros anhäufen, weil sie gewöhnlich alles aufbewahren und nichts wegwerfen wollen. Deshalb sie es wichtig, zu wissen, wie man sich von Dingen trennen könne. Das ist eine Herausforderung, die bei vielen Menschen Angst hervorruft, die man sich mit der Konmari-Methode aber ein wenig einfacher machen kann.

„Du denkst vielleicht, dass das eine Geldverschwendung sei, aber deine Bestände zu reduzieren und dich von der Last des Überflusses zu befreien, ist der schnellste und effektivste Weg, dein Leben in Ordnung zu bringen.”

Marie Kondo

Ideen organisieren

Halte deinen Raum in Ordnung, ob zu Hause oder bei der Arbeit – es wird dir deinen Frieden und Glück bringen. Ordnung im Alltag erleichtert die Ordnung im Kopf und schafft effizientere, praktischere Beziehungen zwischen Gedanken und Ideen. Ordnung ist viel wichtiger als die meisten Menschen denken: Wenn du dich entscheidest, ein Objekt zu behalten, dann deshalb, weil du es mit bestimmten Gefühlen verbindest. Sie mögen glücklich, traurig oder bittersüß sein. Aber wenn du es loslässt, schaffst du Raum für etwas Neues.

Das Freimachen von Raum in deinem Schrank ist wie das Freimachen von Raum in deinem Leben.

Laptop steht auf dem Tisch

Wir sagen nicht, dass du alles wegwerfen solltest. Wir meinen nur, dass es nicht gut sei, sich bis ans Ende der Zeit und darüber hinaus an etwas Materielles zu binden, auch wenn damit positive Erinnerungen verbunden sind. Wir müssen weiterziehen und Raum für etwas Neues schaffen, auch wenn es uns Angst macht. Es scheint paradox, aber die meisten Menschen fürchten die unbekannte Zukunft, ein Geschenk, das sie nicht zu schätzen wissen.

Glücksbringer und Kleidungsstücke

Wir alle hatten dieses Kleidungsstück, das wir so lange trugen, bis es Löcher hatte und wir es nicht mehr tragen konnten, und dennoch weigerten wir uns, es wegzuwerfen. Vielleicht war es mit dir in bestimmten Momenten unterwegs, wie z. B. auf deinem Lieblingskonzert, bei einem Treffen mit einer besonderen Person oder in einer unvergesslichen Nacht mit Freunden. Die meisten von uns haben auch Glücksbringer gehabt, die uns bei einer Prüfung oder einem Interview geholfen haben, wie ein kleines Plüschtier, ein Glücksklee oder sogar ein Schlüsselanhänger, der von einem geliebten Menschen geschenkt wurde.

An diesen Erinnerungen, Gegenständen und Kleidungsstücke hängen Emotionen. Doch auch sie werden alt, nutzen sich ab, und es wird Zeit, sich von ihnen zu verabschieden. Es ist nicht immer einfach, aber es ist notwendig, wenn wir Raum für neue Erfahrungen und frische Erinnerungen schaffen wollen.

Wenn wir keinen Raum für Neues lassen, laufen wir Gefahr, uns dauerhaft in der Vergangenheit zu verankern.

Die Vergangenheit hinter sich lassen

Bestimmte Erinnerungen können stärker sein als andere, und du musst vielleicht einen Schritt zurückgehen, um die notwendige Energie aufzubringen, um vorwärtszukommen. Andererseits hast du bis auf wenige Ausnahmen nur dann genügend Raum für neue Erfahrungen, wenn du den Mut hast, dich von der Vergangenheit in Dankbarkeit und entsprechender Haltung zu verabschieden. So kannst du deine Gedanken klären und organisieren, die Gegenwart intensiver leben und eine hoffnungsvollere Zukunft aufbauen.

Marie Kondo schreibt, dass der, der Dinge wie CDs, Elektronik und getragene Kleidung behalte, sich an die Vergangenheit klammere. Der Raum, in dem du lebst, sollte für die Person, zu der du wirst, eingerichtet sein. Nicht für die Person, die du in der Vergangenheit warst.

Das Ordnen deines Schranks sowie deiner Emotionen und Erinnerungen ist noch notwendiger, wenn du trauerst. Wenn du durch Tod oder Trennung einen geliebten Menschen verlierst oder aus anderen Gründen trauerst, wird dir das Loslassen deiner Habseligkeiten helfen, diese Trauer zu überwinden. Natürlich braucht das Zeit, und das muss respektiert werden. Du musst nicht alles auf einmal loswerden. Tatsächlich hilft es nicht, es zu abrupt zu tun, ohne darauf vorbereitet zu sein. Im Gegenteil, urplötzliche Entscheidungen können den Schmerz verschlimmern. Du bist der Einzige, der weiß, wann du bereit bist, deine Sachen loszulassen. Du musst dazu auf dein Herz hören.

Ordne deinen Schrank, um deinen Geist zu organisieren.

Aufgestapelte Bücher vor einem Fenster

Die Konmari-Methode

Marie Kondo gibt Tipps, wie du mit deiner Konmari-Methode Ordnung halten kannst, besonders in deinem Schrank. Hier sind einige der wichtigsten, die auch bei der Organisation deiner Ideen helfen:

  • Es ist viel einfacher, zu sehen und zu wählen, was du tragen möchtest, wenn du deine Kleidung faltest, anstatt sie aufzuhängen. Auch der Platzbedarf ist geringer. Marie Kondo rät, alles zu falten, was du kannst, und nur das aufzuhängen, was sonst Schaden nimmt, wie Blusen und Jacken.
  • Wenn du Kleidung zu hoch stapelst, verlierst du den Überblick. Du vergisst die hinteren oder unteren.
  • Lerne, wie du Dinge loswirst, die du nicht mehr brauchst. Marie Kondo schlägt vor, alle Objekte einzeln durchzugehen. Um herauszufinden, ob du es behalten willst oder nicht, denke darüber nach, ob es dich glücklich macht, wenn du es benutzt, wie oft du es benutzt, etc. Wenn du dich dazu entschließt, dich von ihm zu trennen, verabschiede dich mit Dankbarkeit für all die Zeiten, die du mit ihm geteilt hast.
  • Es ist nicht nötig, die Kleidung nach den Jahreszeiten zu trennen. Es ist besser, alles vor sich zu haben und diejenigen Stücke auszusortieren, von denen du weißt, dass du sie nächstes Jahr nicht benutzen wirst. Laut Marie Kondo sollte man, wenn man seinen Schrank erstmalig aufräumt, nicht mehr als ein Drittel von dem behalten, was man ursprünglich hatte.
  • Es werden keine Lagercontainer oder Schließfächer benötigt. Sie machen die Organisation nur komplizierter.

„Mit der Konmari-Methode lernt man, seine Habseligkeiten zu organisieren und nicht mehr Benötigtes wegzuwerfen. Auch weggeben oder spenden oder recyceln ist erlaubt. Die Trennung ist wichtig. Denn um dein Haus in Ordnung zu bringen, musst du zuerst viele Dinge loswerden, auch wenn es wehtut.”

Celi Colomer

Frau ordnet ihre Kleidung

Ordnung und Glück

Kurz gesagt, die Reinigung ist notwendig, wenn du gesünder und glücklicher leben willst. Deinen Lebensraum zu reinigen bedeutet, Raum in deinem Leben zu schaffen, dich für neue Erfahrungen zu öffnen und aus deiner Komfortzone herauszukommen. Dabei geht es darum, Emotionen, Erinnerungen und Ideen loszuwerden, die vertraut und überschaubar sind. Aber Raum zu lassen, um die Gegenwart zu genießen und eine noch schönere Zukunft aufzubauen.