Psychologische Aspekte im Zusammenhang mit Dysautonomie

Dysautonomie manifestiert sich auf verschiedenen Ebenen, eine der wichtigsten ist die psychologische. Wir sprechen über die emotionalen Faktoren, die dabei eine Rolle spielen, und über Strategien, mit denen die Lebensqualität betroffener Personen verbessert werden kann.
Psychologische Aspekte im Zusammenhang mit Dysautonomie
Elena Sanz

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz.

Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2023

Die Dysautonomie ist eine relativ häufige, aber schwer zu diagnostizierende Erkrankung. Betroffene leiden unter Schwindel, Müdigkeit, Herzrasen, Kopfschmerzen oder Ohnmachtsanfällen, werden aber nicht immer ernst genommen. Diese Symptome haben einen erheblichen Einfluss auf ihre Lebensqualität. Deshalb ist es wichtig, psychologische Aspekte zu berücksichtigen, um Betroffenen zu helfen.

Die Prävalenz dieser Krankheit ist nicht genau bekannt. 

Was hat Dysautonomie mit dem Nervensystem zu tun?
Die Häufigkeit von Dysautonomie ist bei Frauen und im Jugend- und frühen Erwachsenenalter höher.

Was ist Dysautonomie?

Der Begriff Dysautonomie beschreibt verschiedene Krankheiten, welche die Funktion des autonomen Nervensystems (ANS) beeinträchtigen. Das ANS steuert bekanntlich unwillkürliche Körperfunktionen, die überlebenswichtig sind (Temperatur, Blutdruck, Darmtätigkeit usw.). Dies geschieht durch die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zwischen Sympathikus (aktiviert körperliche und geistige Leistung) und Parasympathikus (ist für die Organaktivität im Ruhezustand verantwortlich). Eine Störung kann zu einer Dysautonomie führen.

Die Symptome können sehr vielfältig sein und sich von Fall zu Fall unterschiedlich äußern. Häufige Anzeichen sind Müdigkeit, Atemnot, präkordiale Schmerzen, verschwommenes Sehen, Schwindel und Synkopen oder Ohnmachtsanfälle. Außerdem kann es zur orthostatischen Hypotonie (plötzlicher Blutdruckabfall) kommen, wenn sich die Person vom Sitzen oder Liegen in eine aufrechte Position begibt.

Psychologische Aspekte im Zusammenhang mit Dysautonomie

Seit dem frühen 20. Jahrhundert wurden für diese Krankheit verschiedene Definitionen verwendet. Sie wurde früher als Neurasthenie oder autonome Neurose bezeichnet, da verschiedene psychologische Faktoren eine wesentliche Rolle spielen und eine physiologische Reaktion auslösen können. Wenn diese Faktoren erkannt werden, kann der Dysautonomie vorgebeugt werden.

Nach der Erkrankung sind die psychologischen Konsequenzen oft erheblich: Einerseits ist es für Patienten schwierig, eine genaue Diagnose zu erhalten. Sie müssen häufig verschiedene Fachärzte aufsuchen, bis die Krankheit schließlich diagnostiziert wird. Andererseits führt die fehlende Diagnose und die Unsicherheit zu Angst und Frustration. 

Die Krankheit beeinträchtigt die Lebensqualität stark, da Betroffene kaum stehen können und zum Teil schwere und behindernde Symptome aufzeigen. Dies schränkt ihr soziales Leben ein, auch gute Beziehungen leiden daran. Zusätzlich ist die berufliche Situation kompliziert, da sie häufig nicht in der Lage sind, zur Arbeit zu gehen. Auch ihre privaten Alltagsaktivitäten sind sehr eingeschränkt.

All diese Auswirkungen führen zu einem hohen Maß an Angst und Depression, die wiederum die Symptome der Dysautonomie verstärken und verschlimmern.

Frau leidet an Dysautonomie und ist bereits nach dem Aufwachen müde
Im Allgemeinen sind Patienten mit Dysautonomie isoliert, apathisch oder erleben oft große Verzweiflung.

Welche psychologischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Primäre Dysautonomien sind schwierig in der Behandlung, da die Ursachen meistens unklar sind. Bei einer sekundären Dysautonomie muss die Grunderkrankung behandelt werden. Die psychologische Intervention bezweckt, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. 

  • Psychoedukation, um Patienten über ihren Zustand und den Einfluss psychosomatischer Faktoren zu informieren. Betroffene lernen, Stressfaktoren zu erkennen, die zum Auftreten der Symptome beitragen können.
  • Förderung der intelligenten Regulierung von Emotionen. Die Grundlage ist die emotionale Selbsterkenntnis, die es der Person ermöglicht, ihre Gefühle zu erkennen, sie zu benennen und sich ihrer Konsequenzen bewusst zu werden. Ebenso werden Betroffene angeleitet, Tugenden, Ressourcen und Werkzeuge zu erkennen, die ihnen zur Verfügung stehen, um widrige Situationen zu bewältigen und Erfahrungen des Wohlbefindens zu fördern.
  • Training von Entspannungs- und Atemtechniken, um körperliche und psychische Aspekte zu regulieren.
  • Der Person dabei helfen, ein soziales Netzwerk aufzubauen, das Unterstützung bietet und ihr Selbstwertgefühl fördert. Das verhindert die Isolation und fördert die Teilnahme an lohnenden Aktivitäten.
  • Arbeit an möglichen kognitiven Fehlern bei der Interpretation physiologischer Reaktionen. Damit können die Patienten Ängste und Phobien verhindern, die ihr Leben konditionieren.
  • Beratung zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Die betroffene Person muss Möglichkeiten kennen, einer Beschäftigung nachzugehen, ohne dadurch an übermäßiger Erschöpfung zu leiden.

Kurz gesagt, die psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit Dysautonomie müssen in einem ganzheitlichen und umfassenden Ansatz betrachtet werden. Da Geist und Körper nicht getrennt sind, interagieren und beeinflussen sie sich gegenseitig, was sich sowohl in den Ursachen und Folgen der Krankheit als auch in ihrer möglichen Behandlung widerspiegelt.

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