Prosoziale Emotionen für ein bereicherndes Zusammenleben

Für ein bereicherndes Zusammenleben müssen wir prosoziale Emotionen entwickeln, die uns gleichzeitig zu besseren Menschen machen.
Prosoziale Emotionen für ein bereicherndes Zusammenleben
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 28. Januar 2023

Wie sieht es mit deinen Beziehungen und sozialen Bindungen aus? Genießt du deine Freundschaften, deine Familie und den Alltag mit deinen Arbeitskollegen? Bist du mit deinem Partner glücklich? Wenn ja, bist du höchstwahrscheinlich ein geschickter Mensch, wenn es darum geht, deine Gefühle zu verstehen und zu regulieren. Wir sind soziale Wesen, die emotional miteinander verbunden sind und für ein bereicherndes Zusammenleben prosoziale Emotionen entwickeln und effektiv steuern müssen.

Einfühlungsvermögen, Kooperationsfähigkeit, Verständnis und Altruismus helfen auch, die Herausforderungen des Lebens besser zu bewältigen. Diese und andere prosoziale Emotionen und Verhaltensweisen stehen im Mittelpunkt unseres heutigen Beitrags.

Viele Kinder erhalten nicht die Chance, prosoziale Fähigkeiten zu entwickeln und tun sich deshlab auch im Erwachsenenalter schwer, gesunde Beziehungen aufzubauen.

Menschenkette symbolisiert prosoziale Emotionen
Prosoziale Emotionen ermöglichen es uns, respektvolle und solidarische Gemeinschaften zu schaffen.

Was sind prosoziale Emotionen?

Emotionen sollen nicht nur das Überleben und die Anpassung erleichtern, sie haben sich auch entwickelt, um das Zusammenleben und die menschliche Verbindung zu fördern. Schließlich brauchen wir einander, wir verlassen uns auf unsere Bindungen, um uns zu entwickeln, unsere Persönlichkeit aufzubauen, uns zu bestätigen, uns geschützt zu fühlen und uns affektiv und intellektuell zu nähren.

Wir verstehen prosoziale Emotionen als Zustände, die uns auf Fürsorge und Pflege unserer sozialen Bindungen ausrichten. Da wir Menschen stark auf prosoziales Verhalten angewiesen sind, um das Zusammenleben zu erleichtern, ist es wichtig, diese Art von emotionalen Zuständen zu verstehen.

Eine Studie der Universität von Virginia zeigt einen interessanten Punkt auf: Diese Art von Emotionen ist auch entstanden, um den individuellen Egoismus zu hemmen und uns an anderen zu orientieren. Deshalb ist es ratsam, das Verständnis und die Regulierung der folgenden Dimensionen zu fördern.

Prosoziale Emotionen erleichtern das Zusammenleben.

1. Dankbarkeit und Wertschätzung

Dankbarkeit entsteht durch Güte und Wärme. Sie drückt Anerkennung und Wertschätzung anderen gegenüber aus. Dieser soziale Klebstoff hat viele Vorteile: Er hebt die Stimmung, stärkt Bindungen und ermöglicht eine positive und emotional bereichernde Sicht auf die Welt.

2. Schuld und der Wunsch nach Wiedergutmachung

Schuldgefühle sind stark belastend und unangenehm. Was haben sie mit prosozialen Emotionen zu tun? Sie sind grundlegend, denn eine Person, die ein schlechtes Gewissen bekommt, da sie jemandem Unrecht getan hat, wird versuchen, ihre Tat wiedergutzumachen. Wer hingegen selten Schuldgefühle entwickelt, wird auch nicht um Vergebung bitten oder den angerichteten Schaden reparieren.

Der Wunsch nach Wiedergutmachung fördert zwischenmenschliche Beziehungen und macht uns zu besseren Menschen. Schuldgefühle bezwecken, uns für unsere Taten verantwortlich zu fühlen und auf persönlicher Ebene zu wachsen.

3. Scham und der Wunsch nach sozialer Anpassung

Scham wird oft als hemmende, starre Emotion definiert. Das ist richtig, doch in ihrer adaptiven Form handelt es sich auch um eine sehr starke prosoziale Emotion. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass das Schamgefühl der sozialen Regulierung dient. Die meisten von uns haben das Bedürfnis, akzeptiert zu werden, Teil einer Gemeinschaft zu sein, in der es Codes gibt, die wir alle einhalten müssen. Nicht zu können, nicht zu wissen oder sich nicht zu trauen, erzeugt ein Unbehagen, das wir früher oder später zu überwinden versuchen.

Kleine Kinder neigen dazu, spontaner und weniger konditioniert zu sein, bis sie in einem bestimmten Alter verstehen, dass von ihnen erwartet wird, dass sie sich an implizite Normen, Erwartungen und Modelle halten. Wenn sie nicht dazugehören, fühlen sie sich beobachtet, verurteilt und beschämt. Das versuchen sie zu vermeiden, um Teil dieses sozialen Bezugsrahmens zu werden.

4. Freude und die Kunst des Teilens

Freude ist ein überschwängliches, überwältigendes und flüchtiges Grundgefühl. In Gesellschaft erleben wir Freude viel häufiger als in der Einsamkeit. Sie belohnt uns mit einem angenehmen Zustand, den wir erleben, wenn durch Lachen im Organismus Endorphine freigesetzt werden. Wir stärken damit unsere Bindungen, entspannen uns und finden Motivation, um uns schwierigen Herausforderungen zu stellen.

Wir lassen den Egoismus in dem Moment zurück, in dem wir Gefühle wie Dankbarkeit oder Mitgefühl mit anderen Menschen teilen.

5. Mitgefühl, der Motor des Altruismus

Mitgefühl setzt sich aus zwei außergewöhnlichen Elementen zusammen: Empathie und Altruismus. Diese Emotion hilft uns, andere zu verstehen und ihre Realität zu verbessern. Nützlich zu sein, sich zu kümmern, zuzuhören und Verhaltensweisen an den Tag zu legen, die das Leid anderer lindern – all dies hilft uns, als Spezies voranzukommen und das Zusammenleben zu verbessern.

Kinder lernen, prosoziale Emotionen zu entwickeln
Es ist ratsam, Kinder schon früh zu prosozialem Verhalten und richtigem Umgang mit Emotionen zu erziehen.

Fazit

Die amerikanische Zeitschrift für Psychiatrie spricht in verschiedenen Büchern und Untersuchungen eine Realität an, die wir nicht übersehen können: Es gibt Kinder und Jugendliche, die Verhaltensstörungen zeigen, die durch eine deutliche Einschränkung ihrer prosozialen Emotionen gekennzeichnet sind. Sie fühlen sie nicht, drücken sie nicht aus und verstehen sie nicht, was zu ernsthaften Verhaltensproblemen führt.

Die Unfähigkeit, Schuld zu empfinden, Mitleid zu haben, Scham oder Empathie zu entwickeln oder die emotionale Verbindung mit anderen Menschen zu genießen, macht nicht nur das Zusammenleben schwierig. Dieser Zustand trägt zu ihrer sozialen Ausgrenzung und zu ihrem Leid und dem anderer bei. Daher sollten in allen Schulen prosoziale Fähigkeiten von klein auf gelehrt werden. Damit können wir zusammenhängende und respektvolle Gesellschaften fördern, von denen wir alle als Menschheit profitieren.

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  • Bowles, Samuel & Gintis, Herbert. (2005). Prosocial Emotions. 10.1093/acprof:oso/9780195162592.003.0014.

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