Effektiver Altruismus: Was ist das?

Wenn wir die verfügbaren Ressourcen optimieren, können wir mehr Menschen effizienter helfen.
Effektiver Altruismus: Was ist das?
Sergio De Dios González

Geprüft und freigegeben von dem Psychologen Sergio De Dios González.

Geschrieben von Edith Sánchez

Letzte Aktualisierung: 14. Dezember 2022

Effektiver Altruismus (EA) ist eine Philosophie und eine soziale Bewegung. Es handelt sich um eine Denkschule, die darauf abzielt, Ressourcen wie Zeit und Geld optimal zu nutzen, um möglichst vielen Lebewesen effektiv zu helfen. Bekannte Befürworter dieser Bewegung sind William MacAskill, Toby Ord, Peter Singer und Thomas Pogge. Auch Persönlichkeiten aus der Geschäftswelt, wie die Mitbegründer von PayPal, Skype und Facebook (Peter Thiel, Jaan Tallinn bzw. Dustin Moskovitz.) unterstützen den effektiven Altruismus.

Sie alle teilen die Idee, dass bei humanitären Projekten zu wenige umfassende Analysen für eine effiziente Umsetzung durchgeführt werden. Deshalb können die zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht optimal genutzt werden. Beim effektiven Altruismus geht es deshalb darum, bessere Methoden zu finden, um anderen zu helfen.

“Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir hätten verhindern können.”

Peter Singer

Effektiver Altruismus

Effektiver Altruismus könnte als ein Trend definiert werden, der darauf abzielt, die Wirkung von Wohltätigkeitsprojekten zu maximieren. Das Konzept des Gebens umfasst Geld, aber auch andere, oft weniger geschätzte Güter und Ressourcen wie Zeit. Es dreht sich alles um die Frage: Wie können die Ressourcen optimiert werden, um effektiver zu helfen?

Diese Bewegung hat ihren Ursprung in einer von dem Philosophen Toby Ord (University of Oxford, 2009) gegründeten Gemeinschaft namens “Giving What We Can”. Im Jahr 2011 wurde schließlich das “Center for Effective Altruism” gegründet. Eine Einrichtung, die dank einer TED-Konferenz des Philosophen Peter Singer einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde und über diesen Kanal das Interesse verschiedener Persönlichkeiten und kapitalkräftiger Unternehmen auf sich zog. Seitdem erfreut sich diese Bewegung zunehmender gesellschaftlicher Unterstützung.

Das Ziel der Bewegung und die ihr zugrunde liegende Philosophie: durch gegenseitige Hilfe den Aufbau von echter Gerechtigkeit in der Welt zu fördern. Die Befürworter erklären, dass hohe Mächte und große Konzerne angesichts von Ungerechtigkeit nur oberflächlich handeln. Deshalb gehen sie davon aus, dass der Weg zu einer gleicheren und gerechteren Welt kürzer wird, wenn sich die Gesellschaft dazu verpflichten, anderen zu helfen.

Effektiver Altruismus: prioritäre Ziele

Im Allgemeinen zielt der effektive Altruismus darauf ab, das gespendete Gut zu maximieren und das Leiden anderer zu beenden oder zu lindern. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden vier Schwerpunktbereiche festgelegt:

  • Die extreme Armut in der Welt beenden. Armut führt in einen Kreislauf des Leidens und ist ein Auslöser für andere ernsthafte Probleme wie Gesetzlosigkeit und Gewalt. Extreme Armut ist unerträglich, wenn es auf der Erde Ressourcen gibt, die die Grundbedürfnisse der gesamten Bevölkerung decken können.
  • Das Leid der Tiere reduzieren. Tiere sind extrem wichtige, fühlende Wesen, die auch leiden. Menschen müssen Mitgefühl mit anderen Lebensformen zeigen.
  • Den Planeten vor katastrophalen Risiken schützen. Zu den katastrophalen Risiken gehören künstliche Intelligenz, Klimawandel, biotechnologische Unfälle und der nukleare Winter. Es müssen Maßnahmen ergriffen werden, um sie zu verhindern.
  • Den Meta-Aktivismus fördern. Darunter versteht man die konzertierte und koordinierte Aktion verschiedener Bewegungen und Aktivisten auf der ganzen Welt. Je größer ihr Zusammenhalt, desto größer ihre Wirksamkeit.
Effektiver Altruismus: Gemeinsame Aktionen sind effektiver.
Effektiver Altruismus setzt sich für sichtbare und positive Hilfe ein.

Die grundlegende Methode für effektive Hilfe ist eine gründliche Analyse der Problemsituation, die in einem dieser Schwerpunktbereiche festgestellt wurde. Danach entscheidet sich, wie Geld und Ressourcen eingesetzt werden. Bei der Entscheidung müssen folgende drei Variablen berücksichtigt werden:

  • Ausmaß: Wie viele Menschen können ihr Leben drastisch verbessern, wenn sie Unterstützung erhalten?
  • Nachvollziehbarkeit: Ist die Wirkung der Investition messbar? Auf welche Weise?
  • Vernachlässigung: Wie sehr wurde das Projekt oder die Organisation vernachlässigt?

Jeder kann helfen

Effektiver Altruismus ist nicht nur eine Domäne großer Unternehmen oder öffentlicher Persönlichkeiten. Jeder, der daran interessiert ist, eine bessere Welt zu schaffen, kann sich der Initiative anschließen und bedürftigen Menschen nach besten Kräften helfen.

Es gibt oft eine falsche Vorstellung von den Bedingungen der Armut. Eine Person mit einem geringen Einkommen in einem Industrieland kann in einem Schwellenland als wirtschaftlich mächtig gelten. Die Stiftung Ayuda Efectiva hat einen Rechner entwickelt, mit dem jeder Mensch messen kann, wie reich er ist. Viele werden überrascht sein, wenn sie feststellen, dass ihr Einkommen weit über dem der Mehrheit liegt.

Die Bewegung Effektiver Altruismus richtet sich an alle, die helfen wollen und glauben, dass sie es können. Es ist eine Initiative, um den Geist der Solidarität zu bewahren und zu stärken und gleichzeitig die verfügbaren Ressourcen zu optimieren.

Niemand ist so arm, dass er nicht etwas für andere tun könnte. Es muss nicht unbedingt Geld sein. Es kann auch Zeit und Arbeit sein. Das Wichtigste im Hinblick auf effektiven Altruismus ist, dass diese echte Hilfe eine sichtbare und positive Wirkung auf andere Menschen hat – hoffentlich langfristig.

Literaturempfehlung:

Effektiver Altruismus: Eine Anleitung zum ethischen Leben, Peter Singer, Suhrkamp 2016

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  • Fernández, C. M. (2018). Singer, Peter (2017). Vivir éticamente: Cómo el altruismo eficaz nos hace mejores personas. Enrahonar: an international journal of theoretical and practical reason, 60, 152-155.
  • MacAskill, W. (2017). Effective altruism: introduction. Essays in Philosophy18(1), 1-5.

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