Persönlichkeitstests: 5 Verfahren und die jeweilige Methodologie

18 Februar, 2021
Persönlichkeitstests gehören zu den in der psychologischen Praxis am häufigsten verwendeten Instrumenten. Wir stellen dir heute 5 verschiedene Tests vor und sagen dir, wie sie funktionieren und welche Methodologie sie jeweils anwenden.

Persönlichkeitstests gehören zu den in der psychologischen Praxis am häufigsten verwendeten Instrumenten. Obwohl die Persönlichkeit sicherlich schwer messbar ist und es zudem Dynamiken gibt, die jedes Individuum einzigartig machen, sind Persönlichkeitstests hilfreicher als du glauben magst. Daher wollen wir dir heute aufzeigen, welche Tests es gibt, was sie messen und welche Methodologie sie anwenden.

Vermutlich hast du selber schon an einem Persönlichkeitstest teilgenommen. Vielleicht während eines Bewerbungsprozesses für einen Job, für klinische Zwecke oder einfach nur aus reiner Neugier. Allerdings solltest du wissen, dass einige Tests validere Ergebnisse liefern als andere. Wenn du also eine verlässliche Information erhalten möchtest, solltest du bei der Auswahl eines Testverfahrens etwas Sorgfalt walten lassen.

Darüber hinaus finden sich in der psychologischen Praxis normalerweise zwei spezifische Arten von Tests. Die erste ist der klassische psychometrische Test. Diese Persönlichkeitstests gehen von einer kognitiv-verhaltensbezogenen Perspektive und der Annahme aus, dass Menschen bei der Beantwortung der Fragen ehrlich sind.

Die zweite Art sind projektive Testverfahren. Dabei handelt es sich um Persönlichkeitstests, bei denen der Proband Dinge aus seinem Unterbewusstsein, die normalerweise unbemerkt bleiben, mittels kreativer oder introspektiver Übungen projiziert. Insbesondere in der klinischen Praxis, Forensik und bei der Arbeit mit Kindern sind derartige Verfahren sehr hilfreich. In unserem heutigen Artikel stellen wir dir fünf häufig angewendete Persönlichkeitstests vor, mit denen die Persönlichkeit eines Menschen definiert, erfasst und beschrieben werden kann.

Persönlichkeitstests - farbiger Kopf

1. Das Fünf-Faktoren-Modell (FFM)

Obwohl das Fünf-Faktoren-Modell (auch “Big Five” genannt) kein Persönlichkeitstest im eigentlichen Sinne ist, ist dieses Modell dennoch das bekannteste. Darüber hinaus legte es den Grundstein für eine Vielzahl von Persönlichkeitstests, um das menschliche Verhalten zu verstehen und zu messen. Dieses Modell unterscheidet fünf Hauptdimensionen der menschlichen Persönlichkeit, die auch unter dem Akronym OCEAN (für die englischen Begriffe Openness, Conscientiousness, Extraversion,  Agreeableness, Neuroticism) bekannt sind:

  • Offenheit für Erfahrungen (Aufgeschlossenheit)
  • Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus)
  • Extraversion (Geselligkeit)
  • Verträglichkeit (Rücksichtnahme, Kooperationsbereitschaft, Empathie)
  • Neurotizismus (emotionale Labilität und Verletzlichkeit)

Der Test wird in verschiedenen Kontexten sehr erfolgreich angewendet: von Arztpraxen über Vorstellungsgespräche bis hin zu Berufs- und Bildungsberatern. Viele Fachleute in diesen Bereichen schätzen das Fünf-Faktoren-Modell als sehr hilfreiches Instrument.

2. Persönlichkeitstests: Der 16-Persönlichkeits-Faktoren-Test (16 PF)

Der 16-Persönlichkeits-Faktoren-Test gehört zu den angesehensten Testverfahren. Er ist das Resultat der jahrzehntelangen Arbeit und Analyse von Raymond B. Cattell, einem britischen Psychologen, der für seine wichtigen Beiträge in den Bereichen Persönlichkeit und Intelligenz bekannt ist. So war er es, der beispielsweise die Existenz einer fluiden und einer kristallisierten Intelligenz einführte.

Obwohl der 16 PF fortlaufend revidiert und aktualisiert wurde, ist das Wesentliche dennoch unverändert geblieben: 16 Faktoren und fünf sekundäre Faktoren.

  • A Wärme (z. B. Wohlfühlen in Gesellschaft)
  • B Logisches Schlussfolgern
  • C Emotionale Stabilität
  • E Dominanz
  • F Lebhaftigkeit
  • G Regelbewusstsein
  • H Soziale Kompetenz (z. B. Kontaktfreude)
  • I Empfindsamkeit
  • L Wachsamkeit (z. B. Misstrauen)
  • M Abgehobenheit (z. B. Realitätsnähe)
  • N Privatheit
  • O Besorgtheit
  • Q1 Offenheit für Veränderungen
  • Q2 Selbstgenügsamkeit
  • Q3 Perfektionismus
  • Q4 Anspannung
Persönlichkeitstests - Skyline und Menschen

3. Persönlichkeitstests: Der Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI)

Der Myers-Briggs-Typenindikator ist ein Persönlichkeitstest, der bekanntermaßen auf der Arbeit von Carl Jung basiert. Der Test selber wurde von Katharine Cook Briggs und ihrer Tochter Isabel Briggs Myers entwickelt. Obwohl dieser Test sehr populär ist, kommt er in der klinischen Praxis nicht häufig zur Anwendung.

Da der MBTI im klinischen und forensischen Bereich nicht hilfreich ist, wird er hauptsächlich für das Persönlichkeitswachstum und manchmal auch in Schulen und in Unternehmen eingesetzt. Die Informationen, die der Myers-Briggs-Typenindikator liefern kann, sind folgende:

  • 1. Wie du deine Aufmerksamkeit fokussierst und deine Energie erhältst (Extraversion oder Introversion).
  • 2. Wie du Informationen wahrnimmst und verarbeitest (Empfindung oder Intuition).
  • 3. Darüber hinaus gibt der MBTI Aufschluss darüber, wie du Entscheidungen triffst (Denken oder Fühlen).
  • 4. Außerdem misst er, wie du dich an der Außenwelt orientierst (durch logisch-rationale Urteile oder emotionalere Wahrnehmungen).

4. Das Minnesota Multiphasic Personality Inventory (MMPI)

Das MMPI ist einer der beliebtesten Persönlichkeitstests und zwar sowohl für klinische und forensische als auch für persönliche Zwecke. Dieses Persönlichkeitsinventar liefert ein ziemlich treffendes Profil über die Persönlichkeit eines Probanden. Infolgedessen eignet es sich außerdem auch zur Erkennung verschiedenartiger psychischer Störungen. Das MMPI bewertet Menschen anhand vielfältiger Skalen. Dazu gehören Depressionen, Zynismus, Schizophrenie, Angstzustände, asoziales Verhalten, Manie und Paranoia usw.

5. Der Rorschachtest

Sicherlich hast du auch schon einmal vom Rorschach-Test gehört. In vielen Filmen entsteht der Eindruck, dass ein Psychologe jedes Mal dieses Verfahren anwendet, wenn ein Patient in seine Praxis kommt. Allerdings entspricht das nicht wirklich der Realität. Nachdem Hermann Rorschach den Test im Jahr 1921 veröffentlicht hatte, verbreitete sich dieser sofort in der psychoanalytischen Gemeinschaft. Dennoch handelt es sich nach wie vor um ein projektives Testverfahren, genau wie der Baumtest oder der thematische Bewertungstest (TAT).

Persönlichkeitstests - Rorschach-Test

Allerdings können diese projektiven Persönlichkeitstest nur von einem Experten ausgewertet werden. Dabei achtet der Fachmann unter anderem auch darauf, wie lange der Proband braucht, um jedem einzelnen Bild verschiedene Bedeutungen und Inhalte zuzuschreiben.

Der Rorschachtest verfolgt den Zweck, die Form und die “Spur” zu verfolgen, die eine Persönlichkeit hinterlässt. Daher werden die gewonnenen Ergebnisse keine schlüssigen Resultate liefern, wenn nur dieses eine Verfahren angewendet wird. Idealerweise wird dieser Test in Kombination mit anderen Persönlichkeitstests durchgeführt, um eine größere Perspektive und präzisere Informationen zu erhalten.