Persönlichkeitsmerkmale: Big Five

· 30. April 2019

Die Big Five der Persönlichkeitsmerkmale, die auch das Fünf-Faktoren-Modell genannt werden, sind das Fundament einer bedeutenden Hypothese zur Struktur der Persönlichkeit. Viele Experten wenden es an, wenn sie Studien durchführen. Aber was genau sind die Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale?

Dieses Modell basiert auf der Annahme, dass die Persönlichkeit in fünf unabhängige Merkmale unterteilt werden könne. Zu diesen Merkmalen gehören Offenheit gegenüber neuen Erfahrung, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Wenn wir wissen, wie sich jeder dieser Parameter in einem Individuum manifestiert, können wir Rückschlüsse auf dessen Persönlichkeit ziehen.

Um das Big-Five-Modell besser zu verstehen, müssen wir zwei Aspekte berücksichtigen. Erstens müssen wir wissen, was die einzelnen Persönlichkeitsmerkmale bedeuten. Zweitens müssen wir bedenken, wo die Grenzen dieser Theorie verlaufen und warum sie von der Fachwelt kritisiert wurde.

Die Big Five der Persönlichkeitsmerkmale

Offenheit für Erfahrungen

Dieses Merkmal bewertet, inwieweit eine Person aktiv nach neuen Erfahrungen sucht und die Teilnahme an Aktivitäten genießt. Grundsätzlich misst es Toleranz und die Neigung zur Erkundung unbekannter Situationen.

Menschen mit einer hohen Offenheit für Erfahrungen sind neugierig, einfallsreich, kreativ, originell, nicht traditionell und haben viele Interessen. Im Gegensatz dazu sind Menschen, die in dieser Eigenschaftskategorie schlecht abschneiden, eher konservativ, pragmatisch, realistisch und haben wenig Interessen.

Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus)

Diese Eigenschaft bewertet das Talent zur Organisation, Ausdauer, Motivation und zielorientiertes Verhalten. Es zeigt den Unterschied zwischen Personen, die sich für ihre Leistung interessieren, und jenen, die dies nicht tun.

Gewissenhafte Frau am Rechner

Wenn ein Mensch hohe Werte in der Kategorie der Gewissenhaftigkeit erzielt, ist er gut organisiert, fleißig, pünktlich, ordentlich, ehrgeizig und ausdauernd. Diejenigen mit niedrigen Bewertungen scheinen jedoch eher informell, faul, nachlässig und undiszipliniert zu sein.

Extraversion

Dieser Faktor bewertet die Disposition eines Individuums in zwischenmenschlichen Beziehungen, bezieht sich auf den Grad der Aktivität einer Person, wenn sie mit anderen interagiert. Er ist auch eng mit dem Grad der Freude verbunden, welcher durch soziale Beziehungen erreicht wird.

Ein Individuum mit hohem Level der Extraversion ist gesellig, gesprächig, menschenorientiert, optimistisch, lebenslustig und anhänglich. Auf der anderen Seite bedeutet eine niedrige Extraversion, dass eine Person eher zurückhaltend, sachlich, ruhig oder auftritt.

Verträglichkeit

Dieser Faktor hilft uns zu verstehen, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Die Verträglichkeit manifestiert sich entlang eines Kontinuums, welches von Mitgefühl bis zu Antagonismus in Gedanken, Gefühlen und Verhalten reicht. Mit anderen Worten, sie hat damit zu tun, inwieweit eine Person in der Lage ist, sich in die Lage einer anderen zu versetzen und entsprechend derer Emotionen und Sorgen zu handeln.

Gruppe von Freunden auf der Wiese

Wenn ein Individuum hohe Stufen der Verträglichkeit erreicht, wirkt es mitfühlend, aufmerksam, freundlich, zuversichtlich und nicht boshaft. Auf der anderen Seite neigen Menschen mit geringer Verträglichkeit dazu, zynisch, rachsüchtig, rücksichtslos, unhöflich, misstrauisch, konkurrierend, reizbar und manipulativ zu sein.

Neurotizismus

Die Kategorie des Neurotizismus versucht, die Anpassung des Individuums an die Instabilität der Welt, die eine Instabilität der Emotionen mit sich bringt, zu bewerten. Dieser Faktor identifiziert Personen mit einer Tendenz zu psychischem Stress, übermäßigem Nachdenken und Zögern, unpassenden Bewältigungsstrategien und Angstzuständen.

Personen mit einem höheren Grad an Neurotizität neigen dazu, besorgt, nervös, emotional unsicher oder gar hypochondrisch zu sein. Menschen mit niedrigen Neurotizitätswerten hingegen sind entspannt, belastbar, selbstzufrieden und haben ein hohes Selbstwertgefühl.

Kritik an den Big Five

Obwohl das Modell der Big Five in der Psychologie viel Zuspruch gefunden hat, ist zu bedenken, dass die Persönlichkeit schwer zu messen ist. Auch das Big-Five-Modell weist durchaus einige Mängel auf.

Der erste mögliche Fehler betrifft die Selbstkontrolle. Das sogenannte Self-Reporting ist eine Art Test, bei dem der Proband eigenständige Antworten gibt. Daher ist es leicht, zu lügen und entsprechend dem (vermeintlichen) sozialen Wunsch zu antworten.

Ein weiterer möglicher Fehler ist das Vorhandensein von Vorurteilen, wenn die getestete Person sich selbst beurteilt. Aus sozialpsychologischen Studien wissen wir, dass wir tendenziell voreingenommen sind, wenn wir uns selbst bewerten. Auch das macht die Antworten im Big-Five-Modell wenig objektiv.

Möglicherweise ist der größte Mangel, dass das Modell auf der Persönlichkeit als intrinsischer Eigenschaft beruht. Dies ist ein interessanter Ansatz, der die Interaktion des Einzelnen mit seiner Umgebung jedoch nicht berücksichtigt. Denn nach dem Verständnis dieses Modells bleibt die Persönlichkeit in allen Situationen stabil. Studien deuten jedoch darauf hin, dass die Persönlichkeit instabil ist und durch Interaktionen zwischen dem Individuum und seiner Umgebung stets verändert wird.

Trotzdem kann dieses Modell in bestimmten Kontexten sehr nützlich sein, wenn seine Einschränkungen berücksichtigt werden. Darüber hinaus kann es sogar andere Zwecke erfüllen und z. B. das Selbstverständnis einer Person zu messen helfen.