Die Neurose, das Gefängnis der emotionalen Instabilität

24. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Frau mit fröhlicher und trauriger Maske als Symbol für Neurose

Die Neurose definiert ein Krankheitsbild, das unter anderem durch emotionale Instabilität, eine Tendenz zu Depressionen, Angstzustände sowie übermäßiges Wiederkäuen von Schuldgefühlen gekennzeichnet ist. Menschen mit Neurotizismus sind Fabriken ständiger Besorgnis, sehr anfällige Profile, die jedoch sehr gut auf psychologische Therapien ansprechen.

Es ist gut möglich, dass für viele der Begriff „Neurose“ Erinnerungen an die Vergangenheit weckt, an jene Tage, als Sigmund Freud sich auf die Psychoneurose konzentrierte. Dies ist eine klassische psychologische Dimension, die 1769 vom schottischen Arzt William Cullen definiert wurde, als man versuchte, all jene Störungen unter dem gleichen Label zu klassifizieren, die das, was als rationales Denken galt, verzerrt haben.

Neurose oder Neurotizismus ist eine psychologische Tendenz, die durch ein schlechtes emotionales Management und eine klare Schwierigkeit bei der Aufrechterhaltung der Kontrolle gekennzeichnet ist.

Die Psychologie hat den Neurosebegriff inzwischen durch eine andere Nomenklatur ersetzt. So wurde er bereits in der vorherigen Ausgabe des DSM-5 in eine ganze Reihe von Erkrankungen, klinische Aspekte, die diese Patienten normalerweise betreffen, wie somatoforme Störungen, Angststörungen, depressive, dissoziative Störungen usw., zerlegt.

Fragmente eines Gesichts in verschiedenen Farben

Neurose im Laufe der Geschichte

Heute haben wir mehrere Möglichkeiten, um die Eigenschaften des Neurotizismus besser zu verstehen und so jedem Menschen einen geeigneten Therapieansatz zu bieten. Vor einigen Jahren war die Neurose jedoch kaum mehr als eine „Katastrophenschublade“, in die jeder hineingesteckt wurde, der eine anderweite nicht einzuordnende psychische Störung aufzeigte.

Hippokrates legte bereits zu seiner Zeit den Grundstein für dieses Verständnis, als er vom melancholischen Temperament sprach. Bei Melancholikern handelte sich seiner Meinung nach um Menschen mit chronisch gestörtem Gleichgewicht zwischen den „Körperflüssigkeiten“. Irgendwie und seit Tausenden von Jahren ist man zudem der Ansicht, dass jene Verhaltensprofile, die ängstlicher, nervöser, anfälliger für Depressionen oder übermäßige Sorgen sind, nicht nur dazu verurteilt seien, keine Kontrolle über ihr Leben zu haben, sondern auch dazu, das Leben anderer zu sabotieren.

Das Wort Neurotiker an sich hat eine negative Konnotation und das müssen wir korrigieren. Daher waren die Psychologen gezwungen, den Begriff zu verbannen, um einen breiteren, logischeren und integrativeren therapeutischen (und sozialen) Ansatz als Antwort auf eine Krankheit zu entwickeln, die beherrschbar ist.

Merkmale der Neurose

Der Neurotizismus umfasst ein Spektrum. Das heißt, es gibt diejenigen, die in dieser psychologischen Dimension eine höhere Punktzahl erreichen, und diejenigen, die ihrerseits nur wenige „neurotische“ Eigenschaften haben. So, und obwohl die meisten von uns die Vorstellung haben, dass jede Neurose grundsätzlich emotionale Instabilität bedeute, kann man sagen, dass sich komplexere und zugleich interessantere Ursachen hinter ihr verbergen.

Frau mit verschmiertem Gesicht

Um diesen psychischen Zustand etwas besser zu verstehen, können wir auf eine kuriose Geschichte verweisen, die Paul Watzlawick als die Geschichte des Hammers erzählte. Stellen wir uns zum Beispiel vor, dass unser Nachbar einen Hammer braucht, um einen Nagel in die Wand zu schlagen und ein Bild aufzuhängen, und uns deshalb um einen Hammer möchte. Doch der gute Mann ist etwas pessimistisch und denkt, dass wir ihn ihm nicht überlassen würden. Er stellt sich nicht eine, sondern Dutzende von zunehmend verworrenen Situationen vor, in denen die Antwort immer die gleiche ist, eine negative.

Am Ende staut er so viel Frustration und Wut an, dass er zu unserer Tür kommt und einfach sagt: „Du kannst deinen verdammten Hammer behalten!“  Es ist klar, dass wir angesichts dieses Verhaltens sprachlos und sogar halb verängstigt sein werden. Bevor wir jedoch feststellen können, dass es unserem Nachbarn „nicht gut geht“, müssen wir dieser Realität ein wenig näherkommen. Schauen wir uns einige Charakteristika von Neurosen an.

  • Es sind Profile, die sich durch ein hohes Maß an Negativität, durch katastrophale Gedanken auszeichnen.
  • Ständiges Gefühl von Traurigkeit und Hilflosigkeit
  • Ängstlichkeit und Phobien
  • Emotionale Höhen und Tiefen
  • Zeiten der sozialen Isolation
  • Apathie, häufige Müdigkeit, Schlaflosigkeit
  • Komplexe emotionale und familiäre Beziehungen. Das Zusammenleben mit „neurotischen“ Menschen ist oft sehr kompliziert.
  • Neurotizismus wird oft mit Zwangsstörungen verwechselt.
  • Somatisierung (Muskelschmerzen, Hauterkrankungen, etc.)

Wie lässt sich eine Neurose behandeln?

Das erste, was wir bei Neurosen beachten sollten, ist, dass wir alle irgendwann einmal ein Verhalten an den Tag legen können, das durch übermäßige Sorgen, Rumination und Anfälligkeit gekennzeichnet ist. Laut Historikern waren Menschen wie Newton oder Charles Darwin sehr empfindlich, instabil, launisch und immer besorgt. Aber sie hatten etwas Großartiges an sich, etwas, das es ihnen ermöglichte, ihre ganze mentale Energie wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Deshalb müssen wir, bevor wir die Neurose als etwas rein Pathologisches betrachten, verstehen, dass es ausreicht, der Person Werkzeuge anzubieten, mit denen sie ihr emotionales Universum besser managen kann, um angemessene Veränderungen zu sehen. Das eigentliche Problem mit dem früher so genannten neurotischen Profil ist, dass wir einen Patienten vor uns haben, der seinen Alltag nicht bewältigen kann, der von seinen Ängsten und Sorgen in der Einsamkeit seines Hauses gefangen ist, ohne es zu wagen, Beziehungen einzugehen, zu arbeiten, ein funktionierendes Leben zu führen.

Psychologin, die in einer Klinik arbeitet

Die Neurose wird mit Psychotherapie behandelt und die kognitive Verhaltenstherapie ist einer der am meisten empfohlenen Ansätze. Wie wir bereits erwähnt haben, ist die Reaktion auf diese Art der psychologischen Behandlung in der Regel sehr gut. In dem Moment, in dem es dem Menschen gelingt, seine Emotionen durch geeignete Steuerungstechniken wieder in den Griff zu bekommen, verlieren die meisten der oben genannten Merkmale an Intensität, bis sie verschwinden.

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