Myers-Briggs-Typenindikator und Jung

09 Juni, 2020
INTJ, ESTP, INFJ... Diese rätselhaften Codes beschreiben unterschiedliche Persönlichkeitsprofile, die sich aus dem bekannten Myers-Briggs-Persönlichkeitstest ergeben. Er wurde auf der Basis einer der interessantesten Theorien Carl Jungs, den Persönlichkeitstypen, entwickelt. Erfahre heute mehr darüber!
 

Der Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI) ist einer der bekanntesten Persönlichkeitstests. Allerdings ist er in der wissenschaftlichen Welt durchaus umstritten. Denn der Test erfüllt nicht alle Standards in Bezug auf Reliabilität und Validität. Dennoch ist dieses Verfahren nach wie vor ausgesprochen beliebt.

Wer hat nicht schon von der INFJ-Persönlichkeit gehört? Dieses Profil ist gekennzeichnet durch Introversion, Intuition, Fühlen und Entscheidung. Darüber hinaus kennst du vermutlich auch die INFP-Persönlichkeit. Carl Jung hat diesen Typ als “Heiler” bezeichnet. Auf jeden Fall ist eines ganz offensichtlich: Diese Buchstaben, aus denen sich Bezeichnungen wie INTJ, ESTP usw. bilden, erwecken die Neugier und das Interesse vieler Menschen.

Obwohl der Myers-Briggs-Typenindikator gewisse Einschränkungen hat, ist er zweifelsohne nach wie vor eines der am meisten genutzten Verfahren zur Persönlichkeitsbestimmung. Es handelt sich um eine Art Inventar in Form eines Selbst-Berichtes. Mit anderen Worten, du kannst den Test online durchführen und herausfinden, welcher Persönlichkeitstyp du bist. Der MBTI folgt den Standards, die Katherine Briggs und ihre Tochter Isabel Briggs-Myers im Jahr 1942 definiert haben.

Dieses Instrument basiert auf Carl Jungs bekanntem Buch Psychologische Typen. Obwohl dir das vielleicht nicht bekannt ist, war Jung der erste, der das Konzept der Intro- und Extraversion eingeführt hat. Darüber hinaus hat er aus dieser Dichotomie acht Persönlichkeitstypen definiert. Der Myers-Briggs-Persönlichkeitstest nutzt diese Typologie und hat sie noch etwas verfeinert und erweitert. Lies einfach weiter und erfahre mehr über diesen Persönlichkeitstest.

 

“Man wird nicht erleuchtet, wenn man sich Lichtfiguren vorstellt, sondern indem man sich die Dunkelheit bewusst macht.”

-Carl Jung-

Myers-Briggs-Typenindikator - Kreisdiagramm

Der Myers-Briggs-Persönlichkeitstest – Zweck, Merkmale und Reliabilität

Isabel Myers und ihre Mutter Katherine waren fasziniert von Jungs Theorie. Daher beschlossen sie, diese Theorie praktisch anzuwenden, um Menschen zu helfen, individuelle Unterschiede besser zu verstehen. Ihr Ziel war es, das Wissen über die menschliche Persönlichkeit zu vertiefen und damit einen Ansatz für das menschliche Potential und seine Beschränkungen zu ermöglichen.

Sie begannen während des Zweiten Weltkrieges damit, diesen Indikator zu entwickeln. Zuvor hatten sie bereits einige viel beachtete Artikel wie beispielsweise “Lerne dich selber kennen: Wie du dich mit der Persönlichkeitsbox finden kannst” veröffentlicht.

Als sie den Myers-Briggs-Persönlichkeitstest erstmals vorstellten, wollten sie ein Instrument zur Verfügung stellen, um Menschen die Berufsauswahl zu erleichtern. Das Ziel war es, Menschen dabei zu helfen, den Job auszuwählen, der ihnen die meiste Zufriedenheit und persönliche Erfüllung bringen würde.

 

Dann, zwei Jahre später, verbesserten sie dieses Instrument und veröffentlichten ein Handbuch, um die Anwendung genauer zu erläutern. Im Jahr 1956 erhielt der MBTI dann seinen heute nach wie vor bestehenden Namen: Myers-Briggs-Typenindikator.

Welche Informationen liefert der Myers-Briggs-Typenindikator?

Der Myers-Briggs-Typenindikator, kurz MBTI, sagt dir, welcher Persönlichkeitstyp du bist. Er unterscheidet dabei 16 spezifische Typen.

Das Ziel des MBTI ist es, dir dabei zu helfen, dich selber besser kennenzulernen. Du wirst erfahren, auf welche Art und Weise du die Welt verarbeitest, wie du dich verhältst und Beziehungen mit anderen Menschen gestaltest.

Außerdem wirst du mehr über deine Stärken erfahren. Dies wird dir helfen, deine Berufsauswahl noch besser auf deine persönlichen Präferenzen abzustimmen. Darüber hinaus erhältst du auch Informationen darüber, wie kompatibel du mit anderen Menschen bist.

Myers-Briggs-Typenindikator - Beschreibung der Typen

Was genau misst der Myers-Briggs-Typenindikator?

Dieser Persönlichkeitstest untersucht vier Indikatoren in Bezug auf deine persönlichen Präferenzen:

Extraversion (E) – Introversion (I)

 

Jeder Mensch hat sowohl eine Außenorientierung (Extraversion) als auch eine Innenorientierung (Introversion). Dennoch gibt es stets eine dominierende Präferenz.

Sensorik (S) – Intuition (N)

Diese Dimension beschreibt zwei Arten der Interaktion mit deinem Umfeld. Daher neigen sensorische Menschen dazu, sehr genau auf die Realität zu achten. Dies tun sie durch ihre Sinne.

Demgegenüber werden intuitive Menschen stärker von abstrakteren Faktoren wie Emotionen, Mustern und Eindrücken geleitet. Darüber hinaus sind diese Menschen einfallsreicher und bedachter.

Denken (T) – Fühlen (F)

Diese Dimension liefert Informationen darüber, wie du Entscheidungen triffst. Einige Menschen entscheiden logischer und objektiver (Denken) und andere lassen sich überwiegend von ihren Emotionen leiten.

Beurteilung, Entscheidung (J) – Wahrnehmung (P)

Diese letzte Dimension sagt dir, wie du dein Umfeld interpretierst und wie du entscheidest. Es gibt diejenigen, die beurteilen und bewerten und immer klare Entscheidungen treffen. Demgegenüber stehen jene Menschen, die flexibler, einfühlsamer, sensibler und anpassungsfähiger sind.

Je nachdem, welche Ergebnisse du in den einzelnen Kategorien erreicht hast, ergibt sich daraus ein Code, der aus vier Buchstaben gebildet wird. Dieser beschreibt deinen Persönlichkeitstyp:

  • ISTJ – Verantwortungsvoller Realist
  • ISTP – Logischer Pragmatiker
  • ISFJ – Praktischer Helfer
  • ISFP – Vielseitiger Unterstützer
  • INFJ – Tiefgründiger Visionär
 
  • INFP – Fürsorglicher Idealist
  • INTJ – Konzeptioneller Planer
  • INTP – Objektiver Analyst
  • ESTP – Energischer Problemlöser
  • ESTJ – Effizienter Organisator
  • ESFP – Begeisterter Improvisierer
  • ESFJ – Unterstützender Mitspieler
  • ENFP – Einfallsreicher Motivator
  • ENFJ – Mitfühlender Vermittler
  • ENTP – Unternehmerischer Erforscher
  • ENTJ – Entscheidungsfreudiger Stratege
Myers-Briggs-Typenindikator - Frau

Anwendung und Reliabilität des MBTI

Wie wir bereits eingangs erwähnt haben, ist der Myers-Briggs-Typenindikator kein Instrument, das von Experten vollkommen akzeptiert wird. Es handelt sich vielmehr um einen sehr verbreiteten und gleichfalls kontrovers diskutierten Persönlichkeitstest. Zunächst einmal sind die Beschreibungen des Verhaltens etwas diffus.

Aus diesem Grund weisen Wissenschaftler darauf hin, dass bei diesem Test der sogenannte Forer-Effekt auftreten kann. Das bedeutet, es handelt sich um allgemeinere Beschreibungen, die dazu führen, dass sich Menschen schnell damit identifizieren können.

Darüber hinaus solltest du wissen, dass dieses Instrument trotz aller Kritik und seiner geringen Reliabilität und Validität dennoch sehr häufig im beruflichen Umfeld eingesetzt wird.

 

Wie eine Allan Hammer-Forschungsstudie erklärt, wird er in vielen Schulen angewendet, um Schülern bei der Berufswahl zu helfen. Außerdem wird der MBTI häufig für die Persönlichkeitsentwicklung eingesetzt und viele Menschen führen ihn online durch, um mehr über sich selbst zu erfahren.

Allerdings sind die Testergebnisse wesentlich hilfreicher, wenn ein spezialisierter Fachmann sie erläutert und dir eine Anleitung gibt, wie du sie interpretieren und anwenden kannst. Trotz aller Kritik ist der MBTI dennoch eine sehr attraktive und informative Informationsquelle.

 
  • Fairfield, KD (2012). Indicador de tipo Myers-briggs (MBTI). En Casos y ejercicios de desarrollo y cambio organizacional (págs. 309–312). SAGE Publications Inc. https://doi.org/10.4135/9781483387444.n39
  • Greenhaus, J., Callanan, G. y Hammer, AL (2013). Indicador Myers-Briggs. En Enciclopedia del desarrollo profesional . SAGE Publications, Inc. https://doi.org/10.4135/9781412952675.n185