Die 12 Archetypen nach Carl Gustav Jung

· 29. März 2019

Carl Gustav Jung ist vielleicht der berühmteste Dissident der klassischen Psychoanalyse. Er entfernte sich von Freuds Ideen und entwickelte stattdessen eigene Vorstellungen über das kollektive Unbewusste. Und die waren zum Teil revolutionär. Eine seiner Theorien betraf die zwölf Archetypen der Persönlichkeit.

Um diese zwölf Persönlichkeitstypen zu definieren, studierte Jung die Symbole und Mythen vieler verschiedener Kulturen. Diese Archetypen repräsentieren Verhaltensmuster, die unterschiedliche Seinsformen ausmachen. Sie sind auch kulturelle Symbole und Bilder, die im kollektiven Unbewussten existieren.

„Man wird nicht erleuchtet, indem man sich Lichtfiguren vorstellt, sondern indem man sich die Dunkelheit bewusst macht. Das letztere Verfahren ist jedoch unangenehm und daher nicht sonderlich beliebt.“

Carl Gustav Jung

Jung definierte die zwölf Archetypen als angeborene Tendenz, Bilder mit intensiver emotionaler Bedeutung zu schaffen, die den Vorrang des menschlichen Lebens zum Ausdruck bringen. Die Archetypen seien demzufolge Abdrücke, die aus unserem Unbewussten gespeist werden. Diese Typen definieren die besonderen Eigenschaften, die alle Menschen besitzen.

Die 12 Archetypen nach Carl Gustav Jung

1. Der Weise

Der Weise ist ein Freidenker. Sein Verstand und sein Wissen sind sein Lebensgrund, seine Essenz. Von dieser Basis aus versucht er, die Welt und sein Sein zu verstehen, indem er seine Intelligenz und seine analytischen Fähigkeiten nutzt. Er hat immer eine interessante Gegebenheit, ein Zitat oder ein logisches Argument parat.

Alte Augen haben viel gesehen.

2. Der Unschuldige

Der Unschuldige scheint jedes Selbsthilfebuch der Welt gelesen und aufgesogen zu haben, denn dieser Typ ist optimistisch und immer auf der Suche nach Glück. Der Unschuldige sieht das Gute in allem. Er möchte sich in seiner Umwelt wohlfühlen. Aber der Unschuldige möchte auch seinen Mitmenschen gefallen und sich fühlen, als ob er dazugehöre.

3. Der Entdecker

Der Entdecker ist ein kühner Reisender. Er geht ohne klares Ziel seinen Weg und ist immer offen für Neues und Abenteuer. Der Entdecker liebt es, neue Orte zu erkunden und Dinge über sich selbst in Erfahrung zu bringen. Der Nachteil des Entdecker-Archetyps besteht darin, dass er nach Perfektion strebt und deshalb nie zufrieden ist.

4. Der Herrscher

Der Herrscher ist ein klassischer Anführer. Er glaubt, dass er derjenige sein sollte, der in jeder Situation die Führung übernehme. Der Herrscher ist standfest, strebt nach Exzellenz und möchte, dass jeder seinem Beispiel folgt. Er sieht viele Gründe, warum jeder ihm zuhören sollte.

Dies ist eine der 12 Jung’schen Archetypen, die sich im Feld der Macht verorten. In seiner Begierde, seinen Mitmenschen seinen Willen aufzuerlegen, kann der Herrscher schnell zu einem Tyrannen werden.

5. Der Schöpfer

Der Schöpfer hat ein tiefes Verlangen nach Freiheit, weil er das Neue liebt. Er liebt es, Dinge zu verändern, um etwas völlig Neues zu schaffen. Der Schöpfer ist klug, nicht konformistisch und autark. Außerdem ist er einfallsreich und gut gelaunt. Gelegentlich handelt er aber inkonsistent und es wäre besser für ihn, etwas mehr nachzudenken, bevor er aktiv wird.

Eine Glühbirne und verschieden farbige Papiere liegen auf einem Tisch.

6. Der Pfleger

Der Pfleger fühlt sich im Vergleich mit seinen Mitmenschen mental stärker. Folglich bietet er seinem Umfeld mütterlichen Schutz. Er möchte seine Mitmenschen vor Schaden bewahren und versucht, zu verhindern, dass Gefahren oder Risiken andere beeinträchtigen. In extremen Fällen verwandelt sich der Pfleger in einen Märtyrer, der alle ständig an seine Opfer erinnert.

7. Der Magier

Der Magier denkt wie ein großer Revolutionär. Er zaubert und erneuert sein Umfeld nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. Er wächst und verändert sich ständig. Die negative Seite des Magier-Archetyps ist, dass seine eigene Stimmung leicht auf seine Mitmenschen abfärben kann. Das heißt, wenn er schlechte Laune hat, wirkt sich das oft negativ auf sein Umfeld aus.

8. Der Held

Das Leben eines Helden ist auf Macht ausgerichtet. Der Held hat eine ungewöhnliche Vitalität und Widerstandskraft, mit der er um Macht oder Ehre kämpft. Er wird alles tun, um nicht zu verlieren. Tatsächlich verliert er nicht, weil er niemals aufgibt. Doch manchmal kann der Held zu ehrgeizig und kontrollierend sein.

9. Der Rebell

Der Rebell überschreitet immer wieder Grenzen. Er provoziert Menschen und interessiert sich nicht für die Meinung anderer. Deshalb schwimmt er oft gegen den Strom. Er möchte nicht unter Druck gesetzt oder beeinflusst werden. Die negative Seite des Rebellen-Archetyps besteht darin, dass er selbstzerstörerisch werden kann.

10. Der Liebhaber

Der Liebhaber ist Herz und Sensibilität. Er liebt die Liebe und überschüttet auch andere Menschen mit seiner Zuneigung. Sein größtes Glück ist, sich geliebt fühlen. Er genießt alles, was seinen Sinnen gefällt, und legt vor allen Dingen Wert auf Schönheit in jeglicher Form.

Ein Herz in offenen Händen

11. Der Narr

Der Narr lacht gern über sich selbst. Er trägt keine Masken und neigt dazu, die Fassade seiner Mitmenschen einzureißen. Er nimmt sich nie ernst, weil es sein Ziel ist, sein Leben zu genießen. Die negative Seite des Narrs ist, dass er obszön, faul und gierig sein kann.

12. Die Waise

Der Archetyp des Waisen hat viele offene Wunden. Er fühlt sich betrogen und ist enttäuscht. Er möchte, dass andere Menschen sein Leben in die Hand nehmen. Wenn sich niemand um ihn kümmert, zieht er sich zurück. Er neigt dazu, Zeit mit Menschen zu verbringen, die sich genauso fühlen wie er. Der Waise spielt oft das Opfer. Er gibt vor, unschuldig zu sein. Trotzdem hat er auch eine zynische Seite und ein manipulatives Talent.

Die zwölf Jung’schen Archetypen, die wir hier beschrieben haben, waren nicht die einzigen, die Jung beschrieben hat. In anderen Schriften entwickelte er weitere Archetypen. Im Wesentlichen gleichen diese Archetypen den hier beschriebenen, nur haben sie etwas andere Namen. Das Wissen um Archetypen kann in vielen Bereichen zum Einsatz kommen, einschließlich Psychotherapie, Marketing und Kunst.