Optimismus und Gesundheit – Hängen sie zusammen?

· 16. Oktober 2018

Optimistische Menschen neigen dazu, ihren Problemen effektiver zu begegnen. Sie glauben fest daran, dass sie trotz der Widrigkeiten des Lebens alles erreichen können, was sie wollen. Sie geben seltener auf und ihre Herangehensweise ist in der Regel proaktiv. Diejenigen, die optimistisch eingestellt sind, konzentrieren sich auf das, was sie gewinnen können, anstatt auf das, was sie verlieren könnten. Hat diese Sichtweise auf das Leben etwas mit der Beziehung zwischen Optimismus und Gesundheit zu tun?

In zahlreichen Studien (Selbsteinschätzungen, Bewertungen durch Experten, statistische Daten zur Zahl der Arztbesuche oder Messung der Überlebenszeit nach Herzinfarkten) hat sich der Optimismus als ein Prädiktor für eine gute Gesundheit erwiesen. Darauf wollen wir etwas genauer eingehen.

Arten von Optimismus

Wenn wir „Optimismus“ hören, denken wir normalerweise an eine positive Lebenseinstellung und günstige Ergebnisse, welche eng mit dem psychischen und physischen Wohlbefinden der Menschen verbunden sind. Es gibt jedoch zwei verschiedene Arten von Optimismus:

  • Geplant: Dies ist der Optimismus, auf den wir uns normalerweise beziehen. Er umfasst konstante und generalisierte Erwartungen, gute Ergebnisse zu erzielen. Diese Art von Optimismus gilt als relativ stabil.
  • Situationsbezogen: Diese Form des Optimismus umfasst konkrete Erwartungen, gute Ergebnisse in einem bestimmten Kontext, unter bestimmten Umständen, bei stressigen Ereignissen usw. zu erzielen.

Eine junge und glückliche Frau liegt im Gras und genießt ihr Leben.

Wissenschaftliche Studien konzentrieren sich in der Regel auf den geplanten Optimismus und versuchen, herauszufinden, wie man Menschen einen solchen generalisierten Optimismus beibringen kann. Sheier und Carver entwickelten dazu den Life Orientation Test. Dieser Test misst generalisierte Erwartungen.

Faktoren, die unser Wohlbefinden beeinflussen

Optimismus, Positivismus und Wohlbefinden stehen in direktem Zusammenhang zueinander. Es gibt mehrere Faktoren, die bestimmen, ob sie sich auf einem höheren oder niedrigeren Level befinden:

  • Persönlichkeit: Laut Myers werde ein großer Teil unseres subjektiven Wohlbefindens durch unsere Persönlichkeit bestimmt. Genauer betrachtet bedeutet das, dass genetische Faktoren zu 50 % die Varianz unseres Glücks erklären können. Aus diesem Grund ist es auch über längere Zeit relativ stabil.
  • Reichtum: Geld ist nicht gleich Glück. Auf der persönlichen Ebene ist Reichtum nicht mit Freude verbunden. In der Tat ist es so, dass diejenigen, die sich ständig mehr Geld wünschen, in der Regel unglücklicher sind, als diejenigen, die dieses Ziel nicht anstreben.
  • Zwischenmenschliche Beziehungen: Mit anderen Menschen eng verbunden zu sein, ist ein grundlegendes und essenzielles menschliches Bedürfnis. Die meisten Menschen fühlen sich glücklicher, wenn sie bereichernde Beziehungen haben, als wenn das nicht der Fall ist.
  • Erreichung der eigenen Ziele: Das Erreichen von Zielen erhöht definitiv das Wohlbefinden der Menschen.

Optimismus, Verhaltensweisen, positive Emotionen und körperliche Gesundheit

Optimistische Menschen verwenden oft Strategien, die darauf abzielen, Probleme direkt zu lösen. Das gilt besonders, wenn sie dadurch das Gefühl haben, die jeweilige Situation unter Kontrolle zu haben. Sie nehmen dann an, dass sie in der Lage seien, die Situation auch zu ändern. Sie handeln erst und bewerten dann das Geschehene. Bei Pessimisten ist das anders: Sie bewerten die Situation zunächst und dann, wenn das zu erwartende Ergebnis sie überzeugt, handeln sie.

Positive Emotionen werden mit einem Anstieg von Immunglobulin A in Verbindung gebracht. Diese Antikörper gelten als erste Verteidigungslinie gegen Krankheiten. Es sind allerdings nicht nur messbare Effekte durch diese Emotionen zu erwarten, sondern auch subjektive. Menschen, die sich glücklich fühlen:

  • Zeigen weniger körperliche Symptome als diejenigen, die traurig sind. Traurige Menschen neigen dazu, sich eher unwohl zu fühlen.
  • Betrachten sich selbst als weniger verletzlich, sodass es einfacher für sie ist, mit ihrer Gesundheit Schritt zu halten.
  • Sehen sich selbst eher in der Lage, gesundheitsfördernde Verhaltensweisen zu entwickeln und haben mehr Selbstvertrauen darin, dass sie eine eventuelle Krankheit überwinden können.

„Schon ein positiver Gedanke am Morgen kann den ganzen Tag verändern.“

Dalai Lama

Post It's, auf denen glückliche und unglückliche Gesichter gezeichnet sind

Erklärung der Beziehung zwischen Optimismus und Gesundheit

Es gibt drei Mechanismen, die darauf abzielen, die Korrelation zwischen diesen beiden Aspekten zu verstehen:

  • Physiologischer Mechanismus: Optimisten haben eine geringere kardiovaskuläre Reaktivität gegenüber Stress und einen höheren immunologischen Status. Das heißt, sie verfügen über effektivere biologische Abwehrmechanismen, was für weniger Gesundheitsprobleme sorgt.
  • Emotionaler Mechanismus: Die Beziehung zwischen Optimismus und Gesundheit ist zudem indirekt, durch emotionale Zustände, gegeben. Negativität ist mit einer schlechteren Funktion des Herz-Kreislauf- und Immunsystems verbunden.
  • Verhaltensmechanismus: Optimisten zeigen gesundheitsförderndes Verhalten in einem größeren Ausmaß als Pessimisten. Dieses Verhalten umfasst zum Beispiel Sport, Alkohol nur in Maßen konsumieren, eine ausgewogene Ernährung und die Vermeidung von Fehlverhalten.

Schlüssige Selbstberichte

Viele Studien kommen zu dem Schluss, dass optimistische Menschen sich tendenziell besser von Krankheiten erholen als pessimistische Menschen. Hier findest du einige Daten, die diese Idee unterstützen:

  • Schwangerschaft und Geburt: Optimistische Frauen erleben während der Schwangerschaft und nach der Geburt weniger depressive Symptome. Sie fühlen sich auch weniger ängstlich, was ihnen nach einer Fehlgeburt auf psychologischer Ebene wesentlich hilft.
  • Operationen: In einer Langzeitstudie, die mit Patienten durchgeführt wurde, die sich einer Operation unterzogen hatten, stellte sich heraus, dass Optimisten vor dem Eingriff ein geringeres Maß an negativen Emotionen, Feindseligkeit und Depressionen zeigten.
  • Krebs: Frauen, die sich während der Aufarbeitung von Brustkrebsdiagnosen positiv zeigten, zeigten vor und nach der Therapie ein geringeres Unbehagen.
  • HIV-Patienten: Einige Studien weisen darauf hin, dass HIV-positive Menschen, die optimistisch sind, geringere negative Emotionen und Sorgen haben, die mit der Entwicklung der Krankheit in Zusammenhang stehen.
Eine optimistische Frau genießt das Leben.

Wenn du den Optimismus und seine Konsequenzen eingehend studiert hast, liegt es ganz an dir, ob du eine positive Einstellung annehmen und beibehalten möchtest, um deine Ziele zu erreichen. Eines ist jedoch sicher: Eine positive Einstellung verbessert Gesundheit, Stimmung und allgemeines Wohlbefinden.