Nutze die Zeit, damit sie langsamer vergeht

15, Mai 2017 en Kuriositäten 112 Geteilt

Wenn Du in die Augen eines geliebten Menschen schaust und seine Lippen sich den deinen nähern, dann bleibt die Zeit für einen Augenblick stehen. Du hast das Gefühl, dass die Zeit langsamer vergeht, als würdest Du träumen, müsstest nie mehr aufwachen – und später, wenn Du Dich erinnerst, kommt Dir der Moment doch so flüchtig vor.

Aber wenn Du eines Tages schlechte Nachrichten erhältst, zum Beispiel, dass jemand gestorben ist, scheinen sich die Sekunden zu einer Ewigkeit auszudehnen und die Zeit verstreicht nur langsam und zäh in Deinen Augen.

Die Wahrnehmung der Zeit

Es gibt die reale Zeit und die subjektive, die davon abhängt, was dir der Augenblick vermittelt. Der Umstand, dass wir die Zeit subjektiv wahrnehmen, deutet darauf hin, dass wir eine Vorstellung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft haben, und wir sie nutzen, um die Dauer von Ereignissen und Situationen in einer bestimmten Phase zu verstehen. Schon der Psychologe John Weardon behauptete, dass die Wahrnehmung der Zeit mit Erinnerungen und Gedanken zusammenhänge.

„Schlafe nicht, um zu ruhen, schlafe, um zu träumen, weil Träume erfüllt werden wollen.“

Walt Disney

Im Jahr 1920 beobachtete der Psychologe Hudson Hoagland eine Beziehung zwischen der Wahrnehmung von Zeit und der Körpertemperatur. Einst hatte Hoaglands Frau Fieber und er ging für eine Minute hinaus, wobei es sich für seine Frau wie eine Ewigkeit anfühlte, bis er zurückkehrte. Also ließ Hoagland sie jeden Tag bis 60 zählen und sie erkannte, dass sie umso schneller zählte, je höher das Fieber war. In anderen Worten, wenn Ihre Temperatur stieg, lief ihre innere Uhr schneller.

Das Zeitempfinden kann auch die geistige Leistung beeinflussen, wie die Suche nach der Ursache eines Problems, das Treffen einer Entscheidung oder die Zukunftsplanung. Wenn du das Gefühl hast, dass die Zeit langsam vergeht, fallen dir mehr Dinge auf und du erinnerst dich besser an diese.

Neue Erfahrungen aktivieren Neuronen

Der Neurowissenschaftler David M. Eagleman ist auf das Studium von Phänomenen, die im Zusammenhang mit der Zeitwahrnehmung durch den Menschen zusammenhängen, spezialisiert. Er führte MRT-basierte Studien durch und kam zu dem Schluss, dass, wenn eine Erfahrung neu oder überraschen ist, die neuronale Aktivität im Zusammenhang mit der Registrierung des Ereignisses ansteigt.

Dieses Phänomen tritt auf, weil man neuen Ereignissen mehr Aufmerksamkeit widmet und mehr Details im Gehirn abspeichert. Wenn du dich an eine neue Erfahrung erinnerst, hast du meist das Gefühl, dass diese recht lange gedauert hat. An wiederkehrende Abläufe kannst du dich dagegen nur schwer erinnern, du durchläufst sie beinahe automatisch.

Halte die Zeit an, damit Du träumen kannst

„Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die Du immer tun wolltest. Diese Zeit ist jetzt. Tu sie jetzt.“

Paulo Coelho

Du kannst die Zeit nicht anhalten, aber du kannst jede Sekunde nutzen, dir jeden Augenblick bewusst machen und dich lebendig fühlen. Alles, was um dich herum geschieht, ob gut oder schlecht, lehrt dich etwas und wenn du einen Moment innehältst, kannst du etwas dazulernen und dich daran erinnern.

Sekunden, Stunden, Tage, Wochen, Monate und Jahre vergehen unablässig und du kannst sie nicht aufhalten. Was du tun kannst, ist, deinem Gehirn dabei zu helfen, die Zeit langsamer verstreichen zu lassen und dir erlauben, zu träumen. Hier sind einige Möglichkeiten, um dies zu erreichen:

  • Höre nie auf, zu lernen. Die Neugier eines Kindes, die Welt zu entdecken, Fragen zu stellen und zu lesen, erlaubt ihm, sein Gehirn und Gedächtnis zu aktivieren. Tu es ihm nach und du wirst spüren, wie die Zeit langsamer vergeht.
  • Entdecke neue Orte. Neue Plätze zu besuchen, die Routine zu brechen, zu reisen und die Welt kennenzulernen wird deinen Geist öffnen und dein Gehirn auf Trab bringen. Dein Gehirn speichert alle Eindrücke der Reise und es scheint, als würde die Zeit dann langsamer vergehen.
  • Lerne neue Leute kennen. Wir bewegen uns immer in denselben sozialen Kreisen und schaffen uns hier eine Routine. Freunde, Familie, Bekannte und Kollegen sind immer die gleichen. Gehe aus und sprich mit neuen Leuten, lerne sie kennen und lass sie dich kennenlernen.
  • Folge deinem Herzen und deiner Intuition. Oft halten wir inne und denken zu viel über die Entscheidungen nach, die wir treffen, und erkennen nicht, dass wir, je mehr Optionen wir haben, umso verwirrter werden. Folge deinem Herzen und deiner Intuition, lerne, spontan zu sein, träume und genieße jeden Moment.
  • Du kannst ein ganzes Leben in einer Minute träumen und du kannst diese Minute in tausende Momente verlängern. Es ist möglich, sich an einen Augenblick zu erinnern, ihn in deinem Gedächtnis zu speichern und sich daran zu erinnern, wie es gerochen hat, wie schnell dein Herz geschlagen hat und wer bei dir war.

„Bei dir zu sein oder nicht bei dir zu sein, so messe ich meine Zeit.“

Jorge Luis Borges

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