Nancy Andreasen: Ihre Biografie und Studien zur Schizophrenie

23. Mai 2019

Nancy Andreasen ist eine US-amerikanische Ärztin, Professorin für Psychiatrie und Direktorin des Neuroimaging Research Centers an der University of Iowa (Iowa, USA). Ebenso arbeitet sie am klinischen Forschungszentrum für psychische Gesundheit am Carver College of Medicine derselben Universität.

Wenn man nicht im Bereich der Medizin oder Psychiatrie tätig ist, sagt einem dieser Name vielleicht nicht viel. Doch ist sie eine unter Psychologen anerkannte Forscherin, deren Arbeit enorm zu unserem Verständnis der Schizophrenie beigetragen hat. Tatsächlich ging ihr akademisches Leben anfänglich nicht in Richtung Medizin; ganz im Gegenteil, sie studierte Literatur.

Sie promovierte in englischer Literatur und spezialisierte sich auf die Schriften der Renaissance. So begann sie, als Lehrerin auf diesem Gebiet zu arbeiten, doch ihr Leben nahm eine unerwartete Wendung. Nach der Entbindung ihrer ersten Tochter geriet Andreasen in einen gesundheitlich ernsten und problematischen Zustand, der sie zur Entscheidung motivierte, Medizin zu studieren. Ihr großer Wissensdurst wurde hier gestillt und sie entschied sich schließlich für den Bereich der Psychiatrie.

Ihre Forschung beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Psychiatrie, sondern dehnte sich in weitere Bereiche aus, hin zur Kreativität und Spiritualität, zu Neuroimaging und Genomik sowie Naturgeschichte. Wir laden dich heute ein, die wichtigen Beiträge dieser interessanten Ärztin zu entdecken.

Der Kopf einer Person, unter einer Lupe betrachtet, der die Mechanismen des Geistes zum Vorschein kommen lässt

Die „Ersten“ von Nancy Andreasen

Was genau wollen wir mit den „Ersten“ sagen? Andreasen war in vielerlei Hinsicht eine Pionierin, eine Frau, die es gewagt hat, mehrfach den ersten Stein zu werfen. Daher ist ihre Karriere besonders von solchen „Ersten“ geprägt:

  • Die erste quantitative Studie über die Schizophrenie unter Verwendung der Magnetresonanz
  • Die Entwicklung der ersten Skalen zur Messung der positiven und negativen Symptome der Schizophrenie
  • Die erste empirische Studie über Kreativität und Kognition, Familien- und Umweltfaktoren im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen
  • Die erste Studie, die die genomischen Techniken mit den Techniken des Neuroimaging kombiniert hat.

In verschiedenen Arbeitsgruppen zur Überarbeitung des Diagnostischen und statistischen Leitfaden psychischer Störungen  hat diese Ärztin vor allem im Bereich der psychiatrischen Diagnostik beigetragen. In der Tat war sie dafür verantwortlich, die Grundlagen für die Erforschung von Störungen, die in Verbindung mit Stress stehen, zu definieren, wofür sie beispielsweise die Definition der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) für die dritte Version dieses Leitfadens verfasste.

Ebenso war Andreasen Präsidentin der American Psychopathology Association und der Psychiatric Research Society. Derzeit ist sie Mitglied des Institute of Medicine der National Academy of Sciences und der American Academy of Arts and Sciences.

Nancy Andreasen und ihre Arbeit in der Schizophrenie

Die Ärztin Nancy Andreasen ist eine der führenden Experten auf dem Gebiet der Schizophrenie. Sie hat zahlreiche Forschungsstudien durchgeführt, die dazu beigetragen haben, die Mechanismen dieser Krankheit zu verstehen und ihre Behandlung zu verbessern.

Die Schizophrenie ist eines der wichtigsten Probleme der öffentlichen Gesundheit. Sie betrifft bis zu 1 % der Weltbevölkerung und liegt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf Platz neun in der Liste der weltweit bedeutendsten Krankheiten. Auf dieser Liste stehen auch Krebs, AIDS, Herzerkrankungen, Diabetes mellitus usw.

Die Anzeichen und Symptome der Schizophrenie können sehr vielfältig sein: Sie umfassen Störungen in der Wahrnehmung wie Halluzinationen, differenzierte Gedankengänge und andere Arten von Wahnvorstellungen; ein Verhalten, das nicht länger auf Ziele (Avolition) und den emotionalen Ausdruck (affektive Abgestumpftheit) ausgerichtet ist; und viele weitere mehr, die die Lebensqualität mindern. Keines der verschiedenen Anzeichen und Symptome kann jedoch als pathognomonisch oder definierend angesehen werden. So tritt bei manchen Patienten jedes dieser Symptome auf, während bei niemandem alle bestehen.

Die Symptome und Anzeichen einer Schizophrenie sind sehr unterschiedlich und komplex. Deshalb hat man in letzter Zeit versucht, das Verständnis dieser Krankheit durch die Unterteilung in natürliche Kategorien zu erleichtern.

Die Rekonzeptualisierung der Schizophrenie nach Nancy Andreasen

Die von Nancy Andreasen entwickelte Rekonzeptualisierung der Schizophrenie unterteilt die Symptome in „positiv“ und „negativ“. Andreasen definiert die positiven Symptome als Übertreibung der normalen Funktionen (das Vorhandensein von etwas, das eigentlich fehlen sollte) und die negativen Symptome andererseits als Verlust normaler Funktionen (das Fehlen von etwas, das eigentlich vorhanden sein sollte).

  • Zu den positiven Symptomen gehören: Wahnvorstellungen, Halluzinationen, abnormes Sprachverhalten und generell unorganisiertes Verhalten
  • Als negative Symptome werden betrachtet: Alogie, Avolition, Anhedonie und affektives Abstumpfen

Für die Neurowissenschaften ist die Schizophrenie eine Erkrankung, die sich auf verteilte neurale Schaltkreise und nicht nur auf einzelne Regionen auswirkt. Solche Störungen werden manchmal als Syndrome der falschen Verbindungen bezeichnet. Die meisten Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, haben das subjektive Gefühl, dass ihre Fähigkeit zu denken und zu fühlen umorganisiert oder auf irgendeine Art und Weise moduliert worden sei.

Mithilfe der Techniken des Neuroimagings konnte untersucht werden, wie die Gehirne von Menschen mit Schizophrenie funktionieren. Diese Studien haben gezeigt, dass die subjektive Erfahrung der „Modulation“ oder der „Desorganisation“ ein Problem in der Funktion verschiedener Gehirnregionen widerspiegelt, genaue und effiziente Rückmeldungen zu senden.

Aus diesem Grund ist die der Namens dieser Krankheit mehr als angemessen: Wörtlich bedeutet er nämlich „fragmentierter Geist“. Genauso beschreiben auch die Techniken des Neuroimagings, was im Kopf eines schizophrenen Menschen passiert.

Foto von Nancy Andreasen

Zur Zeit setzt Andreasen ihre Forschungsarbeiten fort, indem sie Studien durchführt, die zu unserem Wissen über die Schizophrenie beitragen und folglich auch ihre Behandlung verbessern. Dazu gehören auch strukturelle und funktionelle Studien unter Verwendung des Neuroimaging, Untersuchungen zum Verlauf und zu genetischen und genomischen Risikofaktoren für Schizophrenie, die dann integriert werden.

Kurz gesagt, stehen wir hier einer der wichtigsten Persönlichkeiten in der Psychiatrie und insbesondere der Schizophrenie gegenüber, einer Ärztin, die sich unermüdlich der Forschung widmet und der wir enorme Fortschritte auf diesem Gebiet verdanken.

  • Andreasen, N. C., Berrios, G. E., Bogerts, B., Brenner, H. D., Carpenter, W. T., Crow, T. J., … & Lewine, R. R. J. (2012). Negative versus positive schizophrenia. Springer Science & Business Media.
  • Arndt, S., Alliger, R. J., & Andreasen, N. C. (1991). “The distinction of positive and negative symptoms: The failure of a two-dimensional model”. The British Journal of Psychiatry, 158(3), 317-322.
  • Meet Dr. Nancy Andreasen. Retrieved from http://www.nancyandreasen.com/