Nachtlicht begünstigt Depressionen

Straßenlaternen, Neonlichter, LED-Lampen, Mobiltelefone, Tablets, Computer und Fernseher... Nachtlicht verändert den zirkadianen Rhythmus und beeinflusst unsere Gemütsstimmung.
Nachtlicht begünstigt Depressionen

Letzte Aktualisierung: 04. August 2021

Wir wissen, dass Lichtverschmutzung in Städten oft zu Schlaflosigkeit führt. In den letzten Jahren konnten Wissenschaftler zudem bestätigen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Nachtlicht und Depressionen besteht. LED-Lampen, Bildschirme von Endgeräten und auch das Licht des Fernsehers haben zum Teil ernste Auswirkungen auf die psychische Gesundheit.

Seit der Erfindung der Elektrizität haben sich unsere Lebensgewohnheiten verändert. Nächtliche Unterhaltung oder Nachtschichten bei künstlichem Licht sind seither Teil unseres Alltags. Damit hat sich nicht nur der menschliche biologische Rhythmus verändert, sondern auch der vieler Tiere. Vögel und Insekten sind besonders stark von diesen Veränderungen betroffen.

Zu den direkten Folgen des Fortschritts zählen zunehmende Schlaflosigkeit und Stimmungsschwankungen. Doch wusstest du, dass auch Auswirkungen auf die Biodiversität zu verzeichnen sind?

Wir haben uns zwar in gewisser Weise an das künstliche Nachtlicht angepasst, doch die biologische Umstellung hat nie stattgefunden. Deshalb wirken sich die Veränderungen vielfältig auf unser Leben und unsere Umwelt aus.

Nachtlicht begünstigt Depressionen

Der Zusammenhang zwischen Nachtlicht und Depressionen

Seit mehr als 130 Jahren wird unser Leben in Stadt und Land in allen Bereichen von elektrischem Licht geprägt. Wir richten uns schon lange nicht mehr nach dem natürlichen Zyklus der Sonne. Doch welche Auswirkungen hat das auf Körper und Seele?

Zwar bezeichnen sich manche Menschen als Nachtschwärmer, doch in Wahrheit sind wir Lichtwesen. Der zirkadiane Rhythmus steuert unsere natürliche biologische Uhr den Tageszeiten entsprechend. Bei Dunkelheit erhöht sich die Melatoninkonzentration, die an der Schlafregulierung beteiligt ist. 

Nachtlicht ermöglicht es uns jedoch, auch zu später Stunde zu arbeiten oder Freizeitaktivitäten nachzugehen. Allerdings zahlen wir dafür zum Teil einen hohen Preis. Lies weiter, wir erklären dir, welcher Zusammenhang zwischen Nachtlicht und Depressionen besteht.

Nachtlicht verändert die Gehirnstruktur

Neurowissenschaftler der Ohio State University (USA) konnten in einer Forschung mit Labormäusen sehr interessante Ergebnisse erzielen. Das künstliche Licht reduzierte die Melatoninproduktion und der Mangel an diesem Mehrzweckhormon machte die Tiere lustlos und schwach. 

Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler eine Reduzierung des Hippocampus beobachten, was in direktem Zusammenhang mit depressiven Störungen steht. Doch dies ist noch nicht alles. Die Forscher konnten ebenfalls beobachten, dass sich die Konzentration des Tumornekrosefaktors erhöht, was unter anderem das Risiko für Brustkrebs oder andere Krebsarten erhöhen könnte.

Welche Auswirkungen hat das Blaulicht von Bildschirmgeräten?

Die Benutzung von Bildschirmgeräten tagsüber hat nicht dieselben Auswirkungen wie in der Nacht. Bei Dunkelheit empfiehlt es sich, Blaulicht zu meiden, das heißt Smartphone, Laptop, Tablet… Du könntest so schädliche Auswirkungen des Bildschirmlichtes auf dein Gehirn vermeiden.

Die Netzhaut enthält ein Optopigment namens Melanopsin, das besonders empfindlich auf blaue Lichtwellen reagiert. Diese Überstimulation hat schwerwiegende Auswirkungen auf unseren zirkadianen Rhythmus und verändert auch die Melatoninproduktion, wie eine in der Zeitschrift Nature veröffentlichten Studie erklärt.

Diese Hyperaktivierung von Melanopsin hat auch andere Auswirkungen. Sie aktiviert neuralgische Netzwerke des Thalamus, die schließlich auch Bereiche des präfrontalen Kortex, des Hippocampus und der Amygdala verändern. All dies wirkt sich auf die Gemütsstimmung aus und kann schwere depressive Störungen zur Folge haben.

Nachtlicht begünstigt Depressionen

Was tun, damit sich Nachtlicht nicht negativ auf unsere Gesundheit auswirkt?

Du weißt jetzt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Nachtlicht und Depressionen gibt. Natürlich können wir deshalb unser Leben nicht zur Gänze an das natürliche Sonnenlicht anpassen. Unser modernes Leben macht dies nicht möglich, doch können wir uns trotzdem vor den negativen Folgen des künstlichen Lichts zu später Stunde schützen?

Die richtige Lichtquelle

Viele Städte haben sich bereits für gelbliches oder warmweißes Licht mit geringen Ultraviolett- und Blauanteilen entschieden, das sich weniger Stark auf die Malanopsinproduktion auswirkt.

Je geringer die Blauanteile, desto weniger ziehen die Lampen Insekten an und desto weniger wird der Schlaf des Menschen und anderer Lebewesen beeinträchtigt.

Blaulichtfilter und Bildschirmeinstellungen

Viele Geräte ermöglichen es, die Helligkeit des Bildschirms an die Tageszeit anzupassen. Nachtlichtfilter können in diesem Zusammenhang sehr hilfreich sein. Des Weiteren gibt es spezifische Blauchlichtfilter in Form einer Folie auf dem Bildschirm oder auch Brillen mit spezieller Blauchlichtfilter-Technologie.

Reduziere Nachtlicht im Rahmen des Möglichen

Du solltest Bildschirmgeräte nach Möglichkeit zwei Stunden vor der Nachtruhe abschalten, damit dein Körper Melatonin produzieren kann und dein Gehirn nächtliche Erholung findet. Bereits kleine Veränderungen bestimmter Gewohnheiten können sehr hilfreich sein!

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  • Bedrosian, T., Nelson, R. Influence of the modern light environment on mood. Mol Psychiatry 18, 751–757 (2013). https://doi.org/10.1038/mp.2013.70
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