Mut zur Auseinandersetzung: Du kannst Konfliktfähigkeit lernen!

Anstatt diese Herausforderungen zu vermeiden, kannst du Konfliktfähigkeit entwickeln und dich durchsetzungsstark zeigen.
Mut zur Auseinandersetzung: Du kannst Konfliktfähigkeit lernen!
Elena Sanz

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz.

Letzte Aktualisierung: 18. November 2022

Das respektvolle und friedliche Miteinander ist eine der wichtigsten Grundlagen für das psychische Wohlbefinden. Zwar kannst du Konflikte nicht immer verhindern, doch die richtige Einstellung und Mut zur einfühlsamen und rücksichtsvollen Auseinandersetzung helfen dir, mit schwierigen Situationen besser umzugehen. Anstatt diese Herausforderungen zu vermeiden, kannst du Konfliktfähigkeit entwickeln und dich durchsetzungsstark zeigen.

Mut zur Auseinandersetzung: Du kannst Konfliktfähigkeit lernen!
Vor Konflikten wegzulaufen, schadet dem Selbstwertgefühl und den Beziehungen zu anderen.

Warum hast du keinen Mut zur Auseinandersetzung?

Viele sind sich nicht darüber bewusst, dass sie Konflikte systematisch vermeiden. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass diese Einstellung im Allgemeinen geschätzt wird, denn damit giltst du als großzügig und unkompliziert. Du bist auf diese Eigenschaften vielleicht stolz und betrachtest sie als positiv. Konfliktfähigkeit ist jedoch eine grundlegende Kompetenz für ein harmonisches Miteinander!

Beantworte deshalb zunächst folgende Fragen:

  • Versuchst du anderen zu gefallen und machst ihre Bedürfnisse zur Priorität?
  • Schweigst du lieber, anstatt deine Meinungen, Emotionen und Kommentare zu äußern, wenn sie nicht der allgemeinen Meinung entsprechen?
  • Fällt es dir schwer, Grenzen zu setzen, Forderungen zu stellen und Beschwerden oder Kritik zu äußern? Unterdrückst du deine Gefühle, um andere nicht in Verlegenheit zu bringen?
  • Schaust du bei Problemen am liebsten weg? Oder gibst du nach, um Diskussionen zu vermeiden?
  • Nimmst du ungern an Debatten teil und fällt es dir schwer, deine Position zu verteidigen?

In den meisten Fällen entwickeln sich diese Verhaltensmuster bereits in der Kindheit. Sie sind typisch für ein autoritäres Umfeld, in dem die Bezugspersonen nicht auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Wenn die Eltern nicht auf die Gefühlsäußerungen ihrer Kinder eingehen, diese ablehnen oder bestrafen, sind die Kinder nicht in der Lage, ein gesundes Gefühlsmanagement zu entwickeln.

Betroffene lernen also bereits in frühem Alter, dass sie den Erwartungen anderer entsprechen müssen, um geliebt und akzeptiert zu werden. Dies wirkt sich negativ auf ihre Kommunikationsfähigkeiten und ihr Selbstwertgefühl aus, was ihr Verhalten auch im Erwachsenenalter prägt.

Die Folgen der mangelnden Konfliktfähigkeit

In der Kindheit war diese Haltung vielleicht nützlich (und notwendig), um die Gunst der Bezugspersonen zu gewinnen. Auch im Erwachsenenalter kann die Vermeidung von Konfrontationen hilfreich erscheinen. Doch in Wahrheit sind die Folgen alles andere als wünschenswert:

  • Du stellst deine eigenen Bedürfnisse zurück und opferst dich für andere auf. Das ist ein Mangel an Selbstachtung, der deinem Selbstwertgefühl und deiner Beziehung zu dir selbst schadet. Du zeigst dir mit jeder Handlung, dass du dir nicht zutraust, für dich selbst zu sorgen und deine Prioritäten zu setzen.
  • Du tolerierst Respektlosigkeit von anderen und erlaubst anderen, deine Grenzen zu überschreiten. Das führt zu missbräuchlichen und unausgewogenen Beziehungen, die großen emotionalen Stress und Leid verursachen.
  • Du erlaubst dir nicht, deine Gefühle auszudrücken und indem du sie unterdrückst, kannst du deinen Gesundheitszustand beeinträchtigen. Denke daran, dass jede Emotion eine Funktion oder einen Zweck hat, den wir nicht einfach ignorieren können.
  • Du lässt Probleme ungelöst und das führt dazu, dass sie sich wiederholen und fortbestehen. Wenn sich jemand falsch verhält und du deine Ablehnung nicht zum Ausdruck bringst, wird diese Person so weitermachen. Und du ärgerst dich und sammelst deine Wut an, worunter auch andere leiden.
  • Du beeinträchtigst deine persönlichen Beziehungen durch mangelnde Kommunikation. Wenn du Konflikten aus dem Weg gehst, nachgibst und zustimmst, baust du immer eine Mauer auf. Diese verhindert, dass die andere Person erfährt, was du wirklich denkst und brauchst. Das behindert und trübt auf lange Sicht die Bindung.
Weinende Frau mit mangelnder Konfliktfähigkeit
Vermeidest du Konflikte, kann das schmerzhafte Folgen haben.

So kannst du Konfliktfähigkeit lernen

Wenn es dir an Mut zur Auseinandersetzung mangelt, musst du zunächst deine Einstellung ändern. Werde dir darüber bewusst, dass Konflikte nicht negativ sind: Betrachte sie als Chance, um Meinungen zu klären, Ideen zu finden und Lösungen zu entwickeln.

Nutze die Innenschau, um darüber nachzudenken, was du selbst willst oder brauchst, da du dich in der Regel auf die Wünsche deiner Mitmenschen konzentrierst. Du bist vielleicht nicht in der Lage, deine Gefühle auszudrücken, solltest diese Fähigkeit jedoch entwickeln.

Beginne damit, Grenzen zu setzen und deine Meinung in Situationen zu äußern, in denen du dich sicher fühlst. Mit etwas Übung wird dir das immer leichter fallen und du kannst auch komplexe Szenarien meistern.

Verliere die Angst, andere zu enttäuschen – du kannst nicht immer verhindern, dass andere wütend werden. All diese Schritte sind nicht einfach, deshalb ist es vorteilhaft, psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen. Du bekommst so wertvolle Strategien mit auf den Weg, die dir helfen, Selbstvertrauen zu gewinnen und Mut zur Auseinandersetzung zu entwickeln.

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  • Patel, J., & Patel, P. (2019). Consequences of repression of emotion: Physical health, mental health and general well being. International Journal of Psychotherapy Practice and Research1(3), 16.

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