Muskelentspannung als Therapie bei Schlafparalyse

6. September 2019
Die Muskelentspannung ist eine sehr gut geeignete Therapieform, wenn du unter Schlafparalyse leidest. Dieser Zustand kann aufgrund der intensiven Gefühle und des Kontrollverlustes, den du erlebst, sehr beängstigend für dich sein.

Die Muskelentspannung kann dir dabei helfen, deine Schlafparalyse zu behandeln. Die Schlafparalyse ist eine Schlafstörung, bei der du die Lähmung deiner Skelettmuskulatur während des Schlafes bewusst wahrnimmst. Du kannst sie entweder kurz vor dem Einschlafen oder direkt nach dem Aufwachen erleben. Sie wird durch eine Störung der Mechanismen in deinem Gehirn verursacht, die den REM-Schlaf- und Wachzyklus regulieren.

Im Zustand der Schlafparalyse bist du wach und hast auch Gefühle, allerdings kannst du deinen Körper nicht bewegen. Daher wirst du diesen Lähmungszustand vermutlich als sehr beängstigend erleben. Außerdem können während dieser Phase hypnagogische und hypnopompische Halluzinationen auftreten.

Die Schlafparalyse fällt in die Kategorie der primären Schlafstörungen und wird nicht durch eine psychische Erkrankung, Drogenmissbrauch oder andere gesundheitliche Probleme verursacht. Das Diagnostische und statistische Manual psychischer Störungen (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, DSM-IV, 1994) bezeichnet sie als eine Form der Parasomnie. Das bedeutet, dass sie Auswirkungen auf deine Schlafqualität und deine Schlafdauer hat.

Die Schlafparalyse tritt immer zwischen der REM-Schlafphase und dem Aufwachen auf. Die Internationale Klassifikation der Schlafstörungen (International Classification of Sleep Disorders, ICSD) unterscheidet zwischen chronischer und ein- oder zweimalig auftretender Schlaflähmung. Das bedeutet, dass sie sich aufgrund verschiedener Faktoren in deinem Umfeld ausbilden kann.

In unserem heutigen Artikel nennen wir dir die Hauptmerkmale der Schlafparalyse und erklären dir, wie du sie mit Muskelentspannung therapieren kannst.

Muskelentspannung - Schlafparalyse

Die Hauptmerkmale einer Schlafparalyse

Dein Gehirn ist während der REM-Phase fast genauso aktiv wie im Wachzustand. In dieser Schlafphase hast du deine komplexesten und emotionalsten Träume. Evolutionsbedingt sind in dieser Phase einige deiner Muskeln gelähmt. Allerdings können Veränderungen deiner Schlafgewohnheiten zu einer Störung der Prozesse führen, die deine Muskulatur lähmen und wieder aktivieren.

Welche physiologischen Prozesse sind daran beteiligt?

Dein Körper setzt GABA-Neurotransmitter und Glycine frei, um deine Muskulatur zu entspannen. Dadurch werden die Motoneuronen in deinem Rückenmark blockiert.

Jede Störung während des Aufwachens kann dazu führen, dass du erwachst, bevor du dich wieder bewegen und normal reagieren kannst. Dein limbisches (emotionales) System verarbeitet und interpretiert die Situation dann genau so, wie du sie erlebst.

Die Flucht-Reaktion

Aufgrund deiner Angstgefühle wird deine Amygdala aktiviert und bewirkt die Ausschüttung von Stresshormonen. Da du im Dunklen bist und dich außerdem nicht bewegen kannst, vermutet dein Gehirn, dass du dich in großer Gefahr befindest.

Es ist ganz normal, dass du in dieser Situation sehr große Angst oder Panik empfindest. Durch diese extremen Emotionen verändert sich dann auch deine Wahrnehmung. Daher erlebst du in diesen Situationen manchmal auch visuelle, taktile und auditive Halluzinationen.

Das Gefühl, dass noch etwas im Raum ist

Außerdem kommt es bei einer Schlafparalyse sehr häufig vor, dass du das Gefühl hast, dich würde irgendetwas beobachten. Durch deine Bewegungsunfähigkeit, deine Angst und auch dadurch, dass deine Vorstellungskraft durch den Schlaf sehr aktiviert ist, kannst du das Gefühl bekommen, dass noch irgendetwas im Raum ist.

Dein Gehirn befindet sich in höchster Alarmbereitschaft und versucht, jede mögliche Bedrohung wahrzunehmen. Das bedeutet aber nicht, dass es tatsächlich eine solche geben muss. Daher haben viele Menschen, die unter Schlafparalyse leiden, das Gefühl, jemand oder etwas wäre sehr nahe bei ihnen.

Muskelentspannung als Therapie bei Schlafparalyse

Es gibt nur wenige Wissenschaftler, die nach einer gezielten Behandlung forschen. Einer von ihnen ist Baland Jalal, der an der psychologischen Fakultät der Universität Cambridge tätig ist. Im Jahr 2016 empfahl er die Muskelentspannung als geeignete Therapieform bei Schlafparalyse.

Er begründet diese Empfehlung damit, dass durch deine Ängste und den dadurch verursachten Stress eine Feedback-Schleife entsteht, die die Paralysephasen und auch die Halluzinationen noch zusätzlich verstärkt. Daher hat er ein Therapiemodell entwickelt, das sich folgendermaßen zusammensetzt.

  • Zunächst wird eine Neubewertung der Bedeutung dieser Schlafparalyse-Erfahrung vorgenommen. Dadurch sollst du erkennen, dass diese Phasen harmlos und temporär sind. Du wirst dadurch weder sterben, noch wirst du dauerhaft gelähmt bleiben. Außerdem wirst du erfahren, dass die Halluzinationen, die du erlebst, nur deshalb auftreten, weil du kurz zuvor noch im REM-Schlaf warst. Wenn du all dies besser verstehst, dann wird dir dieses Wissen dabei helfen, während der nächsten Schlafparalyse ruhiger zu bleiben.
  • Außerdem ist es notwendig, dass du eine psychische und emotionale Distanz dazugewinnst, denn deine Ängste und deine Panik verstärken diesen Zustand ansonsten noch weiter. Daher solltest du auch erkennen, dass es keine übersinnliche Erfahrung ist, die du machst, sondern lediglich eine körperliche Reaktion.
  • Wesentlich für die Therapie ist regelmäßige Meditation und die Fokussierung deiner Aufmerksamkeit auf dein Inneres. Regelmäßige Meditation ist für den Behandlungserfolg von entscheidender Bedeutung. Die Techniken, die du während einer Meditation anwendest, werden dir dabei helfen, deine Aufmerksamkeit zu kontrollieren. Dadurch wird es dir gelingen, deine Halluzinationen zu ignorieren.
  • Muskelentspannung. Die körperlichen Symptome wie die Lähmung und die Unfähigkeit, bewusst zu atmen, kannst du leichter bewältigen, wenn du sie ignorierst. Andernfalls werden sie dich ablenken, wenn du versuchst, dich auf dein Inneres zu konzentrieren. Von entscheidender Bedeutung ist es, dass du versuchst, möglichst ruhig und entspannt zu bleiben.
Muskelentspannung - Mann

Muskelentspannung musst du regelmäßig üben

Du musst regelmäßig üben, wenn du deine Schlafparalyse mit Muskelentspannung erfolgreich behandeln willst. Zuerst musst du dich in die Position legen, in der du deine Schlafparalyse erlebt hast. Ausgehend von dieser Position kannst du dann jeden einzelnen Schritt durchlaufen.

Da dieses Erlebnis sehr überwältigend und belastend ist, kannst du durch regelmäßige Übung erreichen, dass du die einzelnen Techniken immer besser anwenden kannst, während du dich in einem entspannten Zustand befindest.

Das Ziel ist es, dass du dich darauf vorbereitest, ruhig und passiv zu reagieren und positive Gedanken zu haben, wenn die beängstigende Schlafparalyse das nächste Mal bei dir auftreten wird.

Muskelentspannung

Spezialisten, wie beispielsweise Dr. Ramachandran, erklären, dass durch die fehlende Synchronisation deiner Gliedmaßen mit deiner Motorik deine sensorische Wahrnehmung verändert wird. Daher passiert es, dass du weglaufen willst und dein Gehirn diesen Befehl auch an die Muskulatur weitergibt, aber dein Körper nicht darauf reagiert. Dadurch verändert sich dein Gefühl der Selbstwahrnehmung komplett.

Das ist auch die Ursache dafür, dass du meinst, du würdest schweben, hättest außer-körperliche Erfahrungen und würdest beängstigende Dinge sehen. Wenn du in dieser Situation versuchst, dich zu entspannen, anstatt davonlaufen zu wollen, dann kannst du durch diese Entspannung derartige Wahrnehmungsveränderungen verhindern.

Behandlung

Grundsätzlich ist diese Behandlung eine kognitive Verhaltenstherapie. Ihr Ziel ist es, dein Verhalten zu verändern und dich so davor zu bewahren, in eine negative Feedback-Schleife zu geraten. Allerdings ist der Erfolg dieser Behandlung auch sehr stark von deiner Einstellung abhängig.

Außerdem hängt die Wirksamkeit der Therapie entscheidend davon ab, wie gut du deine Aufmerksamkeit fokussieren und kontrollieren kannst. Je besser du dich konzentrieren und deine Empfindungen deuten und verstehen kannst, desto größer wird der Erfolg sein. Du wirst lernen, deinen Fokus komplett zu verändern. Du lenkst deine Aufmerksamkeit weg von den negativen äußeren Reizen hin zu einem neutralen oder positiven Blick in dein Inneres. Dann wirst du dich entspannen können.

Abschließend möchten wir dich noch darauf hinweisen, dass diese Erfahrung zwar sehr ungewöhnlich und beängstigend, aber letztendlich völlig harmlos ist. Die Schlafparalyse selber ist nicht gefährlich, es sind vielmehr die psychischen Folgen, die dir Schaden zufügen können. Wenn du an chronischer Schlafparalyse leidest, dann solltest du unbedingt einen professionellen Therapeuten aufsuchen. Er wird dir helfen, die großen Ängste und Belastungen, die du erlebst, zu verarbeiten und mit dir eine geeignete Behandlung besprechen.