Morgendliche Traurigkeit: Woher kommt sie?

Morgendliche Traurigkeit kann eine Folge ungesunder Gewohnheiten oder unzureichender Erholung sein. Allerdings kann sie auch das Anzeichen für eine Stimmungsstörung sein. Wie kannst du den Unterschied erkennen?
Morgendliche Traurigkeit: Woher kommt sie?

Letzte Aktualisierung: 03. Mai 2021

Viele Menschen sagen, dass sie morgens nach dem Aufwachen zuerst ein Gefühl der Traurigkeit erleben, welches intensiver ist als zu jeder anderen Tageszeit. In einigen Fällen ist dieses Gefühl besonders intensiv und kann sogar ein Anzeichen für eine schwere Depression sein. Im Laufe des Tages fühlt sich der Betroffene dann häufig wieder besser. Außerdem kann es vorkommen, dass diese morgendliche Traurigkeit am Abend überhaupt nicht mehr vorhanden ist.

Diese morgendliche Traurigkeit wird auch als “morgendliche Depression” oder “tägliche Stimmungsschwankung” oder als “Morgentief” bezeichnet. Da dieses Gefühl sehr spezifisch ist, unterscheidet es sich von anderen Arten von Depressionen. Ein wesentliches Hauptmerkmal ist, dass es nur in den ersten Stunden des Tages auftritt.

Dennoch hängt diese morgendliche Traurigkeit in einigen Fällen nicht direkt mit Depressionen zusammen, sondern kann auch eine Folge anderer Ursachen sein. In anderen Fällen wiederum handelt es sich nicht nur um ein vorübergehendes Gefühl, sondern ist Teil einer schwereren Störung.

Morgendliche Traurigkeit - Frau sitzt auf dem Bett

Warum tritt morgendliche Traurigkeit auf?

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die morgendliche Traurigkeit im Wesentlichen auf mindestens einen von drei Faktoren zurückzuführen: Depressionen, Schlafstörungen oder den Konsum alkoholischer Getränke.

Bei der morgendlichen Depression treten die depressiven Symptome zu Beginn des Tages auf, unmittelbar nach dem Aufwachen. Der Betroffene fühlt sich möglicherweise desinteressiert, unmotiviert und emotional leer, und diese Gefühle verschwinden nicht. Obwohl die Symptome nicht unbedingt vollständig verschwinden müssen, kann die Intensität dieser Symptome im Laufe des Tages abnehmen.

Schlechter Schlaf könnte ein weiterer Grund sein, warum du morgens traurig bist. Vielleicht hast du ein wenig geschlafen, aber dieser Schlaf war nicht ausreichend, um dich vom Vortag zu erholen. Möglicherweise ist dein Schlafzimmer nicht ideal für eine gute Nachtruhe. Oder es liegt ein gesundheitliches Problem vor, das dich nicht richtig schlafen lässt. Unabhängig von der spezifischen Ursache, ist es sehr wahrscheinlich, dass du dich am Morgen schrecklich und nicht ausgeruht fühlst.

Darüber hinaus kann dieses Gefühl der Traurigkeit auch auftreten, wenn du am Abend zuvor vor dem Schlafengehen Alkohol getrunken hast. Obwohl der Alkohol zunächst beruhigend auf dich wirkt, beeinträchtigt er später deinen Schlafzyklus und führt zu nächtlichen Schlafunterbrechungen. Außerdem wirkt sich Alkohol auch negativ auf das Nervensystem aus. Diese Auswirkungen wirst du dann erst am nächsten Morgen spüren.

Morgendliche Traurigkeit

Unter all den verschiedenen Ursachen für morgendliche Traurigkeit sind Depressionen die komplexeste. Es handelt sich um eine Erkrankung, die professionelle Behandlung erfordert, da sie in der Regel ein Anzeichen für eine Störung oder den Beginn einer solchen sein könnte. Die Hauptsymptome einer morgendlichen Depression sind folgende:

  • Schwierigkeiten beim Atmen oder beim Aufstehen. Deine Augenlider fühlen sich möglicherweise schwer an und du scheinst deinen Körper nicht richtig bewegen zu können.
  • Probleme beim Einschlafen am Abend oder mehrmaliges Aufwachen während der Nacht. Dies kann ein Anzeichen dafür sein, dass dein Körper nachts mehr Cortisol produziert. Infolgedessen verstärken sich nächtliche Angstzustände, was wiederum zu einer beeinträchtigten Erholung führt.
  • Hypersomnie. Manche Menschen haben scheinbar ohne ersichtlichen Grund das Bedürfnis, mehr als normal schlafen zu müssen. Obwohl dies nicht immer der Fall sein muss, kann auch dies ein Symptom für eine Depression sein.
  • Unregelmäßige Ernährungsgewohnheiten. Zu viel oder zu wenig zu essen, besonders nächtliches Essen, kann ein Zeichen dafür sein, dass deine Stimmung nicht so ist, wie sie sein sollte.
  • Konzentrationsstörungen. Möglicherweise fällt es dir schwer, dich auf deine täglichen Aufgaben zu konzentrieren. Du versuchst, zu viele Dinge gleichzeitig zu erledigen, oder du hast Probleme damit, das zu beenden, was du begonnen hast, selbst wenn es sich um einfache Aufgaben handelt.
  • Reizbarkeit oder Frustration. Diese Gefühle sind morgens intensiver, können aber den ganzen Tag anhalten, obwohl sie wahrscheinlich tagsüber weniger intensiv sind.
  • Interessensverlust an den Dingen, die du normalerweise gerne tust, und ein Gefühl der Leere.
Morgendliche Traurigkeit - Frau mit Armen vor dem Gesicht

Was kannst du gegen ein morgendliches Tief tun?

Wenn dieses Gefühl der morgendlichen Traurigkeit sehr intensiv oder häufig ist, kann es sich lohnen, einen Arzt aufzusuchen. Jeder fünfte Mensch, der an Depressionen leidet, leidet auch an einer Art der Schlafstörung. Möglicherweise erfährst du auch etwas über einen anderen Gesundheitszustand, der sich nachteilig auf deinen Schlaf und deine Erholung auswirkt.

Nachts zu arbeiten, besonders wenn dies mit viel Stress verbunden ist, kann ebenfalls morgendliche Traurigkeit verursachen. Unter diesen Umständen kann es passieren, dass du deinen Körper und deinen Geist überforderst. Infolgedessen entsteht ein Ungleichgewicht, das sich in Form morgendlicher Traurigkeit manifestieren kann.

Wenn dich etwas beunruhigt oder wenn du ständig Gefühle von Desinteresse und Hoffnungslosigkeit verspürst, benötigst du möglicherweise psychologische Hilfe. Je früher du dir Hilfe suchst, desto besser. Darüber hinaus ist es grundsätzlich empfehlenswert, gute Schlafgewohnheiten zu pflegen, zum Beispiel jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzuwachen. Diese guten Gewohnheiten können dir ebenfalls dabei helfen, ausreichend Erholung zu bekommen.

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  • Salguero Noguera, J. M., & Iruarrizaga Díez, I. (2006). Relaciones entre inteligencia emocional percibida y emocionalidad negativa: ansiedad, ira y tristeza/depresión. Ansiedad estrés, 207-221.