Schlaflosigkeit aufgrund von Stress: Wenn wir unsere Sorgen mit ins Bett nehmen

· 6. Dezember 2018

Schlaflosigkeit aufgrund von Stress ist ein Problem, mit dem viele Menschen zu kämpfen haben. Nur schwer Schlaf zu finden ist auf einen hyperaktiven Verstand zurückzuführen, auf bestimmte kreisende Gedanken, die uns keine Ruhe lassen und uns unseren Schlaf rauben.

Schlaflosigkeit ist keineswegs eine tödliche Krankheit, aber sie verringert unsere Lebensqualität. Außerdem sollten wir an dieser Stelle erwähnen, dass aus einem schlaflosen Gehirn ein Verstand hervorgeht, der nicht dazu in der Lage ist, aufmerksam zu sein, neue Informationen abzuspeichern und mit der gleichen Wirksamkeit auf die einfachsten Reize zu reagieren. Daraus resultiert ein Teufelskreis, in dem der Mangel an Ruhe letztendlich zu noch mehr Stress führt. Aus einer vorübergehenden Schlaflosigkeit wird zudem nach und nach eine chronische Schlafstörung. Ebenso können wir die Tatsache nicht außer Acht lassen, dass eine lang anhaltende Schlaflosigkeit aufgrund von Stress eine soziale, körperliche und kognitive Beeinträchtigung zur Folge hat, was dazu führen kann, dass Betroffene eine Depression entwickeln und Fehler machen, die nicht nur sie selbst beeinflussen.

Tatsächlich haben wir es mit einem schwerwiegenden Problem zu tun, auch wenn uns das nicht so vorkommt. Beispielsweise ist Schlafmangel die Ursache für viele Verkehrsunfälle. Aber auch Katastrophen wurden mit ihm in Zusammenhang gebracht: Es ist bekannt, dass der Reaktorunfall von Tschernobyl (1986) das Ergebnis menschlichen Versagens war, das durch zu wenige Ruhepausen der Betreiber verursacht wurde.

Nachfolgend möchten wir dieses Thema zusammen mit dir vertiefen.

„Schlaflosigkeit ist kein guter Berater. Das Einzige, was wir durch ihn klar sehen können, sind die Folgen von Schlafmangel, und diese offensichtlichen Folgen lähmen Gedanken und Gefühle.“

Carlos Monsiváis

Mann sitzt auf einem Ast neben einer Eule

Gründe für Schlaflosigkeit aufgrund von Stress

In einer in der Zeitschrift Psychosomatic Medicine  veröffentlichten und von den Ärzten Charles M. Morin und Sylvie Rodrigue durchgeführten Studie fand man etwas heraus, das sich die meisten von uns schon denken können: Jeder von uns erlebt im Alltag Stress. Manchmal wachsen uns die Ereignisse einfach über den Kopf. Es gibt zu viel, dem wir nicht gerecht werden können und das eine Nummer zu groß für uns ist.

Wenn das Gehirn mitbekommt, dass es keine Kontrolle mehr über viele dieser sich ereignenden Dinge hat, erlebt es eine Hyperaktivierung. Kleinere Probleme nehmen überproportionale Ausmaße an und alles wird zu einer Bedrohung. Nach und nach geraten wir in einen Zustand, in dem unsere Gedanken auf ungesunde Weise zu schwer wiegen. Genau diese Gedanken sind es, die uns in der Nacht unseres Schlafes berauben, weil sie uns quälen, uns Angst und Druck machen.

Wer über angemessene Fähigkeiten verfügt, um diese Gedanken bewältigen zu können, kann also wesentlich besser mit Stress umgehen. Auf diese Weise kann verhindert werden, dass störende Gedanken uns nachts wach halten.

Anzeichen und Auswirkungen von chronischer Schlaflosigkeit

Schlaflosigkeit aufgrund von Stress hat nichts mit einer organischen Krankheit zu tun. Das ist der erste Differentialfaktor, den wir nicht länger in Betracht ziehen dürfen, damit wir den Zusammenhang zwischen Schlaflosigkeit und Stress verstehen können. Daher möchten wir uns anschauen, welche Anzeichen uns einen Hinweis auf diesen Zustand geben können:

  • Schwierigkeiten beim Einschlafen
  • Häufiges Aufwachen, das stundenlang andauern kann und es sogar unmöglich macht, erneut Schlaf zu finden
  • Schwierigkeiten bei der Suche nach einer bequemen Schlafposition
  • Störende Gedanken kommen auf und werden von vorgestellten Bildern begleitet
  • Albträume
  • Verdauungsstörungen, Zittern und nächtliche Kopfschmerzen
Mann sitzt nachdenklich im Dunkeln

Schlaflosigkeit aufgrund von Stress kann allerdings auch vorübergehend sein. Das ist der Fall, wenn die Schlaflosigkeit von zwei Tagen bis hin zu zwei Wochen andauert. Wir sprechen hingegen von chronischer Schlaflosigkeit, wenn sie länger als drei Wochen andauert. Sie geht einher mit:

  • Reizbarkeit
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsproblemen
  • Beeinträchtigungen der Arbeitsleistung
  • Somatischen Beschwerden wie Muskelschmerzen, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen etc.

Ab einem Monat der Schlaflosigkeit kann der Betroffene Dysphorie, Apathie und ein Gefühl von Hilflosigkeit erleben. Wie wir bereits erwähnt haben, und wie Studien, wie die 2008 von der University of North Texas (Texas, USA) durchgeführte zeigen, kann eine chronische Schlaflosigkeit schließlich zu Depressionen führen.

Frau praktiziert Mindfulness am Meer

Was kann man gegen Schlaflosigkeit aufgrund von Stress tun?

Experten auf diesem Gebiet, wie Dr. Daniel J. Taylor von der University of San Antonio (Texas, USA) erinnern uns durch eine interessante Forschungsarbeit, welche in der International Review of Psychiatry  veröffentlicht wurde, daran, dass die meisten Menschen auf Medikamente zurückgreifen, bevor sie ihre Schlaflosigkeit mit einer Psychotherapie behandeln.

Wenn wir den Auslöser, in diesem Fall Stress, nicht bewältigen, besteht ein hohes Risiko, dass wir letztendlich eine psychische Störung entwickeln. Daher ist eine der wirksamsten Therapien zur Behandlung von Schlaflosigkeit aufgrund von Stress zweifellos die kognitive Verhaltenstherapie.

Darüber hinaus können wir einfache Strategien anwenden, die wir in unsere Routinen einbauen sowie in unserem Schlafzimmer anwenden können:

  • Wir sollten sicherstellen, dass das Bett bequem ist und wir eine für uns geeignete Matratze haben.
  • Externe Reize (leise Geräusche und Licht) sollten auf ein Minimum reduziert werden.
  • Wir sollten das Schlafzimmer lüften und gegebenenfalls einen Luftentfeuchter verwenden.
  • Die ideale Schlaftemperatur sollte zwischen 16 und 18 ºC liegen.
  • Wir sollten immer den gleichen Routinen folgen und immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen.
  • Wir sollten unser Handy, den Fernseher und Computer eine Stunde vor dem Schlafengehen ausschalten. Besser ist es, mit einem Buch ins Bett zu gehen.
  • Wir sollten schwere Mahlzeiten beim Abendessen vermeiden.
  • Praktiken wie Minduflness sind ideal, um Schlaflosigkeit aufgrund von Stress den Kampf anzusagen. Mindfulness-Übungen sind wärmstens zu empfehlen, da sie die Achtsamkeit auf die Atmung mit Meditation kombinieren.

Wir sollten uns professionelle Hilfe suchen, wenn unsere Stressschlaflosigkeit schon seit mehr als zwei Wochen andauert. Ein hyperaktivierter Geist, der besorgt ist und von negativnen Gedanken beherrscht wird, raubt uns nicht nur wertvolle Stunden Schlaf. Er beraubt uns darüber hinaus unserer Lebensqualität.