Mit Leichtigkeit – ein Leben ohne Anstrengung

· 21. Oktober 2018

Bis heute haben wir viele Hürden überwunden, um eine gemeinsame Kultur zu schaffen, in der wir uns mit Leichtigkeit bewegen können. Wir Menschen mussten in der Vergangenheit, und müssen auch heute noch, Aufgaben so gestalten, dass sie uns leichter fallen, um unsere Ziele erreichen zu können. Das Rad hat es uns erst ermöglicht, große Gewichte von einem Ort zum anderen zu transportieren. Tatsächlich besteht die Geschichte der Menschheit in der Erleichterung von Prozessen. Das Schlechte daran ist, dass es immer mehr Leute gibt, die keinerlei Anstrengungen mehr unternehmen wollen.

Zuerst gab es die industrielle Revolution und dann die Computerrevolution. Beide Phänomene trugen dazu bei, dass wir heute mit mehr Leichtigkeit leben können. In anderen Worten wurde der Aufwand minimiert, um viele tägliche Aktivitäten ausführen zu können, die zuvor mehr Energie und mehr Zeit erforderten. Schauen wir nur an, wir wir uns heute informieren. Die Mundpropaganda wurde von Nachrichtenagenturen abgelöst, die Zeitungen druckten, während wir heute nahezu in Echtzeit Informationen im Internet finden.

„Konformismus ist die moderne Form des Pessimismus.“

Antonio Escohotado

Es lohnt sich, zu hinterfragen, ob all das das Leben wirklich leichter macht. Vielleicht wäre es richtiger, zu sagen, dass wir jetzt schneller agieren und weniger Einsatz von physischer Energie erforderlich ist. Aber unsere Existenz ist komplexer geworden, sodass bestimmte psychische Erkrankungen immer häufiger auftreten. Gleichzeitig hat die Tatsache, dass wir Leichtigkeit in immer mehr Lebensbereichen implementieren, als Mittel zur Bewältigung dieser Komplexität gedient.

Eine Welt ohne Probleme, ein Leben ohne Anstrengung

Der Zweck der Industrialisierung und Informationstechnologie ist es genau genommen nicht gewesen, uns Menschen das Leben zu erleichtern. Oberstes Ziel war und ist es, die Produktion effektiver zu gestalten. Viele Aufgaben des täglichen Lebens wurden vereinfacht, aber im Grunde ist dies nicht der Plan gewesen. Viele dieser Fortschritte sind auf das Konzept des Geldes zurückzuführen, und nicht auf Wohltätigkeit.

Mit Leichtigkeit: Ein Spielzeugmann parkt sein Spielzeugmotorrad.

Ein falsches Ideal wurde erzeugt – nämlich die Vorstellung, wir könnten sämtliche zu eliminieren. Die Idee, dass es nichts Positives an Problemen gebe, wurde zunehmend populär. Und was noch schlimmer ist, ist die Tatsache, dass viele Menschen wirklich glauben, ein Leben ohne Schwierigkeiten könnte existieren, eine Welt ganz ohne Hindernisse.

Wir glauben daran, bis zu jenem Punkt, an dem wir Frustration empfinden, weil der Tag nicht kommt, an welchem unsere Probleme verschwinden. Das Paradoxon besteht darin, dass wir nie zuvor das Gefühl hatten, so vielen Problemen gegenüberzustehen. Fast alles ist zu einer Schwierigkeit geworden. Iss zu viel oder zu wenig. Habe einen Job oder habe keinen Job. Baue eine Beziehung auf oder tue es nicht. Und so weiter und so fort.

Aus psychologischer Sicht ist die Leichtigkeit ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist sie eine defensive Antwort auf eine Reihe von Problemen, die nicht gelöst werden können. Auf der anderen Seite kann sie auch eine kindliche Haltung sein. In dieser wünschen wir uns, dass wir in einem Zustand verharren könnten, der keine Verpflichtungen, Bemühungen oder Verantwortlichkeit erfordert, so wie es der Fall war, als wir noch ein Kind waren.

Probleme sind nicht unbedingt schlecht

Was diese Meinungen nicht zulassen, ist die Erkenntnis, dass die Realität mit Problemen Hand in Hand geht. Aber wir müssen verstehen, dass es genau die Existenz dieser Schwierigkeiten ist, die es uns beziehungweise der Menschheit an sich erlaubt, zu suchen, zu finden und sich weiterzuentwickeln. Sogar die Erfindung des Feuers war eine Initiative, in der versucht wurde, ein Problem zu lösen. Durch die Lösung des Problems wurden die Grundsteine für den endgültigen Schritt in Richtung Homo sapiens gelegt.

Vermehrte Leichtigkeit hat im Allgemeinen dazu geführt, dass Probleme entstehen und häufiger auftreten. Sie hat uns auch der Fähigkeit beraubt, etwas selbst zu versuchen, uns selbst zu messen und dadurch das Selbstvertrauen in unsere Fähigkeiten zu steigern.

Sie hindert uns zudem daran, eine der vielen Möglichkeiten des Lebens zu genießen – die Würde zu spüren, dafür, wer wir sind, was wir erreicht haben und was wir noch tun können. Natürlich gibt es Schwierigkeiten, die unmöglich zu lösen sind. Es gibt jedoch auch viele andere Probleme, die wir lösen können. Was fehlt, ist das Selbstvertrauen. Oder Selbstliebe. Oder beides.