Mit der Zeit habe ich gelernt…

10. Dezember 2015 en Bücher 2 Geteilt

„Mit der Zeit habe ich den subtilen Unterschied kennengelernt, den es zwischen dem ‚die Hand von jemanden nehmen‘ und ’seine Seele anketten‘ gibt; habe ich gelernt, dass Liebe nicht heißt, dass man sich auf jemandem abstützt und dass Gesellschaft nicht unbedingt Sicherheit bedeutet.
Mit der Zeit habe ich angefangen zu verstehen, dass Küsse keine Verträge und Geschenke keine Versprechen sind.

Mit der Zeit habe ich gelernt, dass mit jemandem zusammen zu sein, weil er dir eine gute Zukunft bietet, bedeutet, dass du früher oder später wieder in deine Vergangenheit zurückkehren wollen wirst.
Mit der Zeit wird auch dir bewusst werden, dass eine Hochzeit, die gefeiert wird, weil ‚es eilt‘, eine klare Warnung dafür ist, dass deine Ehe scheitern wird.
Mit der Zeit habe ich verstanden, dass nur der, der in der Lage ist, dich mit deinen Fehlern zu lieben, ohne zu versuchen, dich zu verändern, dir all das Glück geben kann, was du dir wünschst.

Mit der Zeit wird dir bewusst werden, dass das Zusammensein mit einer Person, um Gesellschaft in deiner Einsamkeit zu haben, unvermeidlich darauf hinauslaufen wird, dass du sie nicht mehr sehen möchtest.
Du wirst verstehen, dass die echten Freunde viel mehr wert sind als irgendeine Summe an Geld und dass die wahren Freunde sich an den Fingern deiner Hand abzählen lassen, während derjenige, der nicht um sie kämpft, früher oder später nur von falschen Freundschaften umgeben sein wird.

Mit der Zeit habe ich gelernt, dass Worte, die in Momenten des Zorns gesprochen werden, langfristig, wenn nicht gar das ganze Leben lang, demjenigen schmerzen, den du damit verletzt hast.
Mit der Zeit habe ich gelernt, dass jeder entschuldigen kann, aber dass nur die großen Seelen vergeben.
Mit der Zeit habe ich verstanden, dass Freundschaften v
ermutlich nie wieder sein werden wie zuvor , wenn du einen Freund dauerhaft verletzt hast.

Mit der Zeit wird dir bewusst werden, dass du irgendwann um die Freunde weinen wirst, die du gehen lassen hast, auch wenn du mit deinen Freunden glücklich bist, weil du verstehst, dass keine mit einer bestimmten Person gelebte Erfahrung wiederholbar ist.
Mit der Zeit wird dir bewusst werden, dass der, der einen Menschen demütigt oder geringschätzt, früher oder später die gleichen Demütigungen oder Geringschätzungen in verstärkter Form erleiden wird.

Mit der Zeit habe ich gelernt, all meine Wege heute anzulegen, weil der Boden von morgen zu unsicher ist, um Pläne zu machen.
Mit der Zeit habe ich verstanden, dass das Erzwingen von Dingen dafür sorgen wird, dass sie letztendlich nicht so sein werden, wie du es erhoffst hast.
Mit der Zeit wird dir bewusst werden, dass in Wirklichkeit nicht die Zukunft das Beste ist, sondern der Moment, den du gerade jetzt lebst.

Mit der Zeit wirst du sehen, dass du dich schrecklich nach den Menschen sehnen wirst, mit denen du gestern zusammen warst und die heute schon gegangen sind, auch wenn du glücklich mit den Menschen an deiner Seite bist.

Mit der Zeit habe ich gelernt, dass der Versuch zu Entschuldigung und Vergebung, der Versuch, zu sagen, dass du liebst, dass du vermisst, dass du brauchst, dass du ein Freund sein möchtest vor einem Grab keinen Sinn mehr hat.

Aber das alles lernen wir leider erst mit der Zeit.“

Jorge Luis Borges

So ist die Schule des Lebens; sie ist es, die dir beibringt, dass es nicht die Dunkelheit ist, die du fürchtest, sondern das, was in ihr ist, und dass du keine Angst vor der Höhe hast, sondern davor, zu fallen. Leben hilft dir auch zu verstehen, dass es nicht so ist, dass du den Menschen um dich herum nicht vertraust, sondern dass du Angst hast, zurückgewiesen zu werden.

Dass du keine Angst vor der Liebe hast, sondern davor, nicht geliebt zu werden. Und dass du nicht akzeptieren möchtest, dass eine Person in Wirklichkeit schon gegangen ist, wenn du sie nicht gehen lassen willst. Und all das ist Teil des Lebens, es ist diese Weisheit, die nicht in Büchern zu finden ist, die nicht gelehrt werden kann. Es ist dieser Teil, den wir selbst lernen müssen und der wehtut. Er tut weh, weil du ihn durch Schläge und Enttäuschungen verstehst.

Dieser Schmerz hält dich in der Schwebe, bis er verschwimmt und erst danach gehst du voran und steigst eine weitere Stufe deiner Treppe hinauf. Denn im Grunde weißt du, wer sich weigert, Veränderungen zu akzeptieren, unterschreibt das Todesurteil seines eigenen Inneren.

Liebe deinen Platz in der Welt und liebe das Leben über alles andere. Sei dankbar für die Rückschläge, die du erträgst, weil sie dich menschlich machen. Sei ausdauernd und kämpfe mit aller Kraft gegen die Krankheit der Gewissheit, lebe nicht nur für die Zukunft und verliere niemals deinen Sinn für Humor, was auch passieren mag.

Dies sind die Lehren, die du lernen musst und niemals vergessen darfst, weil sie es sind, die dich definieren und dich von anderen unterscheiden. Und die Zeit sagt dir gar nichts, aber sie lehrt dich alles. Und sie ist so ein guter Lehrmeister, dass sie wiederholt, was du zunächst nicht gelernt hast.

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