Manipulation ist keine Liebe

24. Mai 2017 en Psychologie 1214 Geteilt

Wenn wir Dinge sagen wie: „Wenn man nicht eifersüchtig ist, dann ist es keine echte Liebe“, „wenn er mich wirklich liebt, dann muss er keine Zeit mit irgendwem anderes verbringen“,  und, „Liebe bedeutet, zu erraten, was der andere will und braucht“,  finden wir uns schließlich in demütigenden Situationen wieder, um eine romantische Bindung aufrechtzuerhalten, die meist nicht aufrichtig ist.

Liebe ist eines der stärksten Gefühle der Welt und jeder Mensch fügt ihr seine eigene, persönliche Note und manchmal auch Vorstellungen, die nicht notwendigerweise der Realität entsprechen, hinzu. Lieben will dennoch, wie fast alles andere im Leben, gelernt sein. Und manchmal erlernen wir es auf die falsche Art. Die romantische und unrealistische Vorstellung von der Liebe, die heutzutage verbreitet ist, hilft uns wenig in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Werte, die gesunde Beziehungen prägen, sind das genaue Gegenteil von leidenschaftlicher Alles-oder-Nichts-Liebe.

Der Großteil von Beziehungsproblemen beruht auf unrealistischen Erwartungen an die Beziehung und an den Partner. Diese falschen Vorstellungen von leidenschaftlicher Liebe können einer Beziehung auch dann schaden, wenn die Partner eigentlich gut zueinanderpassen.

Aufwühlende Emotionen und toxische Beziehungen wurden als Risikofaktoren für Erkrankungen identifiziert.

Daniel Goleman

Merkmale von Manipulation

Manipulation tritt dann auf, wenn eine Person das Verhalten der anderen Person kontrolliert.  Um dies zu tun, nutzt sie Strategien, welche der Person ihr Urteilsvermögen rauben oder es konditionieren. Mentale Manipulation könnte man als eine spezielle Form der Selbstsucht bezeichnen.

Manipulierer nutzen ihre Partner mit dem narzisstischen Ziel, mehr Macht zu erlangen, oder zu erreichen, was sie wollen, häufig schamlos aus. Um ihre Opfer zu destabilisieren, greifen sie außerdem auf Lügen zurück, Verführung und durch Drohungen und Gewalt ausgeübten Zwang. Manipulative Personen konstruieren Situationen, die das Verhalten einer anderen Person zu ihrem eigenen Vorteil lenken. Wenn sie richtig gut im Manipulieren sind, wird das Opfer sich nicht einmal bewusst machen, dass mit ihm gespielt wird.

Am häufigsten sind es Personen mit einem geringen Selbstwertgefühl, Schuldgefühlen und Minderwertigkeitskomplexen, die der Manipulation durch ihren Partner zum Opfer fallen. Zu den externen Faktoren, die beeinflussen, wie erfolgreich jemand manipuliert werden kann, gehören der Verlust einer geliebten Person, eine Trennung, Scheidung oder der Verlust einer Arbeitsstelle.

Liebe manipuliert nicht.

Wie man eine manipulative Person erkennt

Zu wissen, wie man einen Manipulierer erkennt, wird dir im Alltag viel Ärger ersparen. Wenn dein Partner kein Nein als Antwort ertragen kann oder wenn dir auffällt, dass er sich anders verhält als sonst oder sogar komplett die Kontrolle verliert, wenn du seinen Überzeugungsversuchen nicht nachgibst, ist das ein Anzeichen dafür, dass er es nicht toleriert, wenn sein Einfluss auf dich gemindert wird.

Menschen, die ihre Partner manipulieren, zeigen zu gern ihr Können und ihre Stärke und es ist unwahrscheinlich, dass sie schüchtern sind. Sie geben gern anderen die Schuld, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen. Es ist ihnen egal, was sie selbst zu bieten haben oder ob sie anderen Menschen helfen können. Stattdessen konzentrieren sie sich immer nur auf sich selbst und scheinen das Wort Gegenseitigkeit nicht zu kennen.

Sie sprechen immer von sich selbst und wenn sie einmal fragen sollten, wie es dir geht oder ob du irgendetwas brauchst, ist das kein echtes Interesse. Du wirst außerdem feststellen, dass sie sich nicht bedanken, sondern nur immer mehr und mehr verlangen werden, wenn du ihre Wünsche erfüllst. Diese Menschen sind ihrer selbst meist enorm unsicher, versuchen sich aber als genau gegenteilig darzustellen und eignen sich selbstsüchtige und dominante Verhaltensweisen an, um ihre Ängste zu verbergen.

Der erste Schritt, um eine manipulative Situation zu berichtigen, ist es, sich darüber bewusst zu werden, dass man manipuliert wird. Festzustellen, dass man von einer geliebten Person manipuliert wird oder sogar eine Marionette für sie darstellt, kann emotional sehr aufwühlend sein.

Es gibt dann verschiedene Möglichkeiten, dieses Problem anzugehen. Eine davon ist es, deinen Partner zu verlassen, falls keine Chance besteht, dass er sein Verhalten ändert. Eine andere Möglichkeit ist es, ihm beizubringen, direkt um Dinge zu bitten, anstatt zu versuchen, dich indirekt dazu zu bewegen, seinen Standpunkt einzunehmen, ohne tatsächlich etwas von sich preiszugeben oder seine wahren Gefühle auszudrücken. Interessanterweise können sich Menschen, die auf Kontrolle über andere Menschen aus sind, selbst nicht kontrollieren.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Catrin Welz-Stein

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