Mala und Edek, eine tragische Liebesgeschichte

Die Liebesgeschichte von Mala und Edek wurde erst viele Jahrzehnte später öffentlich bekannt. Beide waren Gefangene im Konzentrationslager Auschwitz. Obwohl sie entkommen konnten, erwartete sie ein tragisches Schicksal.
Mala und Edek, eine tragische Liebesgeschichte

Letzte Aktualisierung: 18. Dezember 2020

Die Tragödie von Mala und Edek ist eine Liebesgeschichte, die sich an einem der grauenvollsten Plätze der Welt entwickelte und verewigte: im Konzentrationslager Auschwitz. Das Leben dieser beiden war praktisch in Vergessenheit geraten, bis sich die Journalistin Francesca Paci dazu entschied, ihre Geschichte öffentlich zu machen. So entstand ihr Buch Eine Liebe in Auschwitz.

Mala und Edek waren noch sehr jung, als sie beide unabhängig voneinander in ein Konzentrationslager deportiert wurden. In diesem grausamen Umfeld mussten sie schnell erwachsen werden.

Dennoch konnten sie nicht gemeinsam alt werden, wie sie sich das eigentlich erträumt hatten. Aber sie wurden zu einem Beispiel dafür, dass Liebe stärker ist als jede Gräueltat und dieses Gefühl allem einen Wert verleiht.

Jemand, der die beiden im Konzentrationslager kennengelernt hatte, hat ihre Geschichte erzählt. Ihre tiefe Liebe inspirierte Männer und Frauen gleichermaßen, trotz der fürchterlichen Umstände, in denen sie sich alle befanden. Wie du siehst, wahre Liebe kann auch das Leben der Menschen im Umfeld der Liebenden verändern.

Mala und Edek - zwei miteinander verwobene Herzen

Mala und Edek, zwei Gefangene

Die Protagonisten dieser Geschichte sind Mala Zimetbaum und Edward Galiński, kurz “Edek” genannt. Er wurde im Alter von gerade einmal 16 Jahren ins KZ Auschwitz gebracht, zwei Jahre vor Mala. Edek war ein junger Pole, der noch in der Schule war. Er wurde von den Nazis während einer Razzia verhaftet und in das Gefängnis von Tarnów überführt.

Einige Monate später, im Juni 1940, wurde er schließlich ins KZ Auschwitz deportiert. Edek kam mit der ersten Gruppe Gefangener dort an und lernte schon bald, sich anzupassen. Sein Mantra war: “Wen und was du vermeiden musst und was du tun musst, um zu überleben“.

Nachdem er bereits zwei Jahre im KZ verbracht hatte, konnte er die Aufseher dazu überreden, eine Schlosserwerkstatt eröffnen zu dürfen.

Seine Initiative und Dynamik bei diesem Projekt brachte ihm eine gewisse Sympathie bei den Verantwortlichen ein. Daher hatte er auch eine privilegierte Stellung. Diese nutzte er, um die schwächsten Gefangenen in die Werkstatt zu holen, insbesondere jene, die keine extremen körperlichen Anstrengungen aushalten konnten.

Mala und Edek verlieben sich in Auschwitz

Mala Zimetbaum kam aus Polen, zog aber in jungen Jahren nach Belgien. Sie war eine herausragende Schülerin, insbesondere in Sprachen und Mathematik.

Die Nazis verhafteten sie im Jahr 1942 in Antwerpen und deportierten sie nach Auschwitz-Birkenau. Dort wurde sie von Anfang an als Dolmetscherin und Bürokraft eingesetzt, da sie fünf Sprachen fließend sprach.  

Mala hatte wie Edek eine privilegierte Position und auch sie nutzte sie, um Menschen zu helfen, die dies benötigten. Während Malek mit einer Gruppe von Installateuren einen Auftrag im Areal von Birkenau erledigte, begegneten sich die beiden schließlich.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Wann immer sich die Gelegenheit bot, trafen sie sich heimlich; jeder im Lager sprach von ihnen als “Romeo und Julia“.

Diese Liebe erweckte in ihnen auch eine große Sehnsucht nach der Freiheit. Die beiden wussten auch, dass die restliche Welt nicht wusste, was in den Konzentrationslagern vor sich ging. Daher schmiedeten sie gemeinsam einen Plan zur Flucht, um von den schrecklichen Zuständen zu berichten.

Natürlich wollten sie auch für immer zusammen sein. So begannen sie, an einem Plan zu arbeiten, der verrückt schien, und vielleicht genau deshalb auch funktionierte.

Mala und Edek - im Konzentrationslager

Die gemeinsame Flucht

Der Fluchtplan sah vor, dass Edek eine SS-Offiziersuniform trug. Anschließend sollte er an den Rand des Lagers gehen, wo er Mala in seiner Verkleidung treffen würde.

Mala sollte sich als Mann verkleiden und ihren Kopf bedecken, um so ihre Haare zu verbergen. Der Plan war es, vorzutäuschen, dass ein Offizier einen Insassen begleitete, der ein Waschbecken installieren sollte.

Sobald sie am Haupttor des Lagers angekommen waren, zeigten beide die Ausgangspässe, die sie hatten. Obwohl dies nur schwer vorstellbar ist, haben sie genau das am 24. Juni 1944 getan. Sie waren tatsächlich in Freiheit und erreichten beinahe auch die polnische Grenze. Doch dann ging Mala in ein Geschäft und versuchte, einen Ring gegen ein paar Lebensmittel einzutauschen. Daraufhin wurden die Angestellten misstrauisch und verständigten die Polizei.

Die Polizei nahm Mala fest, was Edek aus der Entfernung beobachten konnte. Weil sich die zwei versprochen hatten, für immer zusammenzubleiben, stellte er sich freiwillig.

Ein tragisches Ende

Die Beamten führten die beiden in den Block 11, den Todesblock von Auschwitz, in dem sich auch das Lagergefängnis befand. Mala und Edek wurden in getrennte Zellen gebracht. Dennoch gelang es den beiden, sich auf Papierfetzen gegenseitig Nachrichten zu senden. Und Edek sang in seiner Zelle italienische Arien.

Er wurde zum Tod durch Hängen verurteilt. Edek versuchte, sich selber zu erhängen, was ihm allerdings nicht gelang. Bevor er starb, rief er “Lang lebe Polen!”

Mala schnitt sich vor ihrer Hinrichtung die Pulsadern auf. Auch sie war zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Nachdem sie sich heftig gegen einen Offizier gewehrt hatte, erging der Befehl, sie lebendig im Krematorium zu verbrennen. Die Wachen hatten Mitleid mit ihr und ließen sie auf dem Weg in das Krematorium verbluten. Mala und Edek starben am selber Tag im Abstand von nur einer Stunde.

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  • Paci, F. (2017). Un amor en Auschwitz: una historia real. Aguilar.