Titanic: Eine Liebesgeschichte wird 20

· 14. Oktober 2018

Titanic  ist einer der bekanntesten Filme aller Zeiten. Sein Erfolg war so groß, dass es zu einer regelrechten Epidemie kam: So manch einer konkurrierte mit seinen Freunden darum, wer am häufigsten ins Kino ging.

Titanic  prämierte im November 1997, kam aber erst im Januar 1998 in Deutschland in die Kinos. Der Film wurde 2012 zum Gedenken an den hundertsten Jahrestag des Untergangs des berühmten Schiffes neu aufgelegt – in 3D. Zwanzig Jahre sind seit unserer ersten Begegnung mit Titanic  vergangen. Als Ikone des zeitgenössischen Kinos sind ihre Passagiere jedoch immer noch lebendig.

Geschichte der Titanic

Die Geschichte der Titanic ist faszinierend. Sie war nicht nur das luxuriöseste, sondern auch das größte Schiff ihrer Zeit, das für transatlantische Fahrten eingesetzt wurde. Ihr Dasein war jedoch von kurzer Dauer, weil sie bereits auf ihrer Jungfernfahrt sank. Der Untergang riss mehr als 1500 Menschen in den Tod und war eine wahre Tragödie in den eisigen Gewässern des Nordatlantiks.

Die Geschichte der Titanic wurde in Geheimnisse, Vorahnungen und Kontroversen verpackt. Der Mangel an Booten und das Management der White Star Line wurden stark kritisiert. Außerdem waren die meisten Opfer Passagiere der dritten Klasse – eine tragische Demonstration der sozialen Ungleichheiten dieser Zeit. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass das Unglück zahlreiche Filme inspiriert hat. Der erste Film, Saved from the Titanic,  erschien kurz nach ihrem Untergang im Jahr 1912. Der bekannteste Film über die Titanic ist jedoch zweifellos der von James Cameron.

Camerons Film hinterließ uns, zusätzlich zu Rekordumsätzen, wie wir sie nie zuvor gesehen hatten, aufgrund der Spezialeffekte einige wahrlich berührende und tragische Szenen. Neben der Geschichte von Jack und Rose rettete Cameron auch einige echte Charaktere, die mit der Titanic fuhren, ins späte 20. Jahrhundert. Zu diesen Figuren gehören u. a. Molly Brown, Thomas Andrews, Benjamin Guggenheim und Captain Smith.

Die Tragödie, die Liebesgeschichte, die Spezialeffekte, das Set, die Kostüme und das unverkennbare My Heart Will Go On  brachten dem Film elf Oscars ein. Cameron lud uns zum Träumen ein, zum Er- und Überleben einer Tragödie und einer Zeit voller sozialer Ungleichheit. Er vermittelte seine Faszination für die Titanic.

„Sie nannten die Titanic „das Traumschiff“, und das war es wirklich.“

Rose, Titanic

Unsere Suche nach Liebe

Zweifellos, neben dem Untergang und der damit einhergehenden Tragödie, ist das Bemerkenswerteste an diesem Film die Liebesgeschichte zwischen Jack und Rose. Das sind zwei junge Leute, die aus völlig verschiedenen Welten kommen, sich aber scheinbar perfekt ergänzen. Ihre Geschichte präsentiert uns eine ideale Liebe. Sie beginnt mit einem Flirt, entwickelt sich schnell und endet auf die tragischste Art und Weise.

Liebe hat immer existiert. Sie ist überall und trotzdem ist sie sehr schwer zu definieren. Schon griechische Philosophen schlugen Theorien über die Liebe vor. Die Psychologie spricht die Liebe an und Film und Literatur lieben es, sie zu thematisieren. Liebe entgeht der Rationalität. 

„Ein Frauenherz ist ein tiefer Ozean voller Geheimnisse.“

Rose, Titanic

Zum Beispiel beschreibt Platon im Gastmahl  einen Mythos, der die ständige Suche nach einem Seelenverwandten behandelt. Dem Mythos nach hätten die ersten Lebewesen eine runde Form mit vier Armen, vier Beinen und zwei Gesichtern gehabt. Später wurden sie in zwei Hälften geteilt, wodurch der Mensch entstand. Deshalb gehen wir durchs Leben und suchen ständig nach unserer zweiten Hälfte.

Liebe kann als Energiequelle oder Quelle unerschöpflicher Inspiration gesehen werden. Sie ist in der Lage, unsere Welt und alles, was uns umgibt, zu bewegen. Die Hälfte, die uns fehlt, würde uns das Gleichgewicht bringen. Es ist eine spirituelle und fast göttliche Suche, und in Filmen und Literatur erscheint der Tod häufig, wenn es um die Liebe geht. Beispiele dafür gibt es unzählige – denken wir nur an Romeo und Julia.  In der bekannten Arbeit von Shakespeare müssen sich die junge Liebhaber einer sozialen Barriere stellen, wie es auch in der Titanic  geschieht.

Szene aus "Titanic"

Titanic  – die Geschichte von Jack und Rose

Robert Sternberg ist bekannt für seine Dreieckstheorie der Liebe. In dieser Theorie erklärt er, dass Liebe, um wahr zu sein, drei Dimensionen, nämlich Intimität, Leidenschaft und Bindung, entwickeln müsse. Wir können diese drei Dimensionen in Jack und Rose leicht identifizieren. Von Anfang an können wir sehen, dass die zwei Charaktere sich gegenseitig kennenlernen möchten – auf allen Ebenen. Auch erkennen wir eine starke Leidenschaft zwischen ihnen, als ob eine unkontrollierbare Kraft sie zueinander ziehen würde. Natürlich fehlt es im Film auch nicht an Bindung: „Wenn du springst, springe ich auch.“

Die Liebesgeschichte in Titanic ist magisch und herzzerreißend. Sie führt zu einer unmöglichen Liebe, die viele Zeichen der Idealisierung aufweist. Zu diesen Zeichen gehören der Schwarm, die unbändige Leidenschaft, Hindernisse, soziale Unterschiede und natürlich die Tragödie. Dies ist eine Idealisierung, die unsere Fantasie schon immer gespeist hat. Dennoch ist es nur eine Idealisierung. Diese Art von Liebe ist so göttlich und unerreichbar, dass wir sie nur nach dem Tod erfahren können, wenn die Seele dem Gefängnis des Körpers entkommt, wie wir in Romeo und Julia gesehen haben.

Titanic und soziale Klassen

„Erinnere dich, die Leute lieben Geld. Tu so, als hättest du eine Goldmine und schon bist du willkommen im Club.“

Molly Brown, Titanic

Wie gesagt, Jack und Rose stammen aus zwei verschiedenen Welten. Jack ist ein Passagier der dritten Klasse und er erreicht die Titanic durch pures Glück (oder Unglück). Er gelangt an sein Ticket, indem er ein Pokerspiel gewinnt. Rose dagegen reist mit ihrer Mutter und ihrem Verlobten, Caledon Hockley, in der ersten Klasse. Rose, anders als Jack, ist nicht glücklich. Ihr Leben ist nichts als eine Farce. Ihr Vater hat ihr eine Erbschaft hinterlassen, die von Schulden durchsetzt ist, und um zu vermeiden, dass sie ihren Status verliert, entscheidet Roses Mutter, dass ihre Tochter Hockley heiraten müsse, einen sehr wohlhabender Mann.

Der Film kritisiert Ungleichheiten. Es gibt Bereiche des Schiffes, zu denen Passagiere der dritten Klasse keinen Zugang haben. Selbst im Angesicht des Untergangs werden diese Ungleichheiten nicht aufgehoben: Die meisten Opfer sind Passagiere der dritten Klasse.

„Geld wird dich oder mich nicht retten.“

Offizier Murdoch, Titanic

Szene aus Titanic.

Titanic  und soziale Ungleichheit

Wir sehen Ungleichheiten sogar unter den Fahrgästen der ersten Klasse. Zum Beispiel ist Molly Brown eine wohlhabende Frau. Sie stößt jedoch auf Ablehnung bei den übrigen Passagieren, weil sie „neureich“ ist. Vielleicht aufgrund ihrer bescheidenen Herkunft erweist sich Molly Brown als einer der einfühlsamsten Passagiere, was mit dem Stolz von Roses Mutter kontrastiert.

Trotz all dieser sozialen Unterschiede und der Auswirkungen, die sie auf eine Reihe von Opfern hatten, lädt der Film auch dazu ein, über das Glück nachzudenken. Wir müssen uns nur die Szenen ansehen, in der die dritte Klasse feiert, um zu erkennen, dass diese Menschen auf eine natürliche und spontane Weise handeln. Trotz ihrer Schwierigkeiten können sie sich offensichtlich besser amüsieren als die Obrigkeit. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass, obwohl Geld uns eine Reihe von Möglichkeiten eröffnet, es keine Freude bereitet.

„Ich bin der König der Welt!“

Jack, Titanic