Die Dreieckstheorie der Liebe – wer Liebe gibt, dem wird Liebe widerfahren

· 16. Juni 2016

Wenn wir Liebe geben, wird uns sehr wahrscheinlich auch Liebe widerfahren. Wir Menschen funktionieren für gewöhnlich wie eine Art Spiegel, wenn es um den Austausch von Gesten und sogar von Emotionen geht. Außerdem folgen wir auch dem Prinzip der Gegenseitigkeit, woraus Aussagen wie „wie du mir so ich dir“  und „ich schulde dir was“  entstehen. Wir sind unseren Mitmenschen nicht nur Geld schuldig, sondern auf gewisse Weise auch Taten und Gefühle.

Um etwas mehr über die Liebe und das Geben und Nehmen zu erfahren, würde ich mich gern auf den Psychologen Robert Sternberg beziehen, dessen Dreieckstheorie der Liebe, basierend auf zwischenmenschlichen Beziehungen, drei wichtige Komponenten vereint: Leidenschaft, Intimität und Bindung. Diese Komponenten sind geometrisch gesehen die Scheitelpunkte des Dreiecks.

Wer ist Robert Sternberg?

Robert Sternberg ist ein 1949 geborener nordamerikanischer Psychologe, der in der berühmten University of Yale (Connecticut, USA) Vorlesungen gehalten hat und Vorsitzender der American Psychology Association  war, in der einige der besten Psychologen auf ihrem Gebiet vertreten sind.

Sternberg stützte seine Studien und Forschungen auf die menschliche Intelligenz, die Weisheit, den Hass und natürlich die Liebe. In diesem Artikel möchten wir uns heute mit diesem Konzept befassen und dadurch etwas tiefer in diese Materie eintauchen.

Fueße eines Paares am Strand

Die Dreieckstheorie der Liebe

Schauen wir uns die Dreieckstheorie der Liebe, die auf den Forschungen von Robert Sternberg bezüglich des Gefühls der Liebe basiert, einmal etwas genauer an. Wie zuvor bereits erwähnt, betrachtet Sternberg drei Komponenten der Liebe in Beziehungen als Intimität, Leidenschaft und Bindung, und das tut er wie folgt:

  • Die Intimität als eine Vielzahl an Gefühlen, die dazu in der Lage sind, Nähe, eine Verbindung und Zuneigung hinsichtlich einer anderen Person zu erzeugen. Das heißt, dass diese im Zusammenhang mit dem Wunsch nach Geben und Teilen steht.
  • Die Leidenschaft ist ein Zustand des starken Verlangens nach der Vereinigung mit einer geliebten Person. Sie steht für das Bedürfnis nach Romantik, Sexualität und sogar nach Erregung.
  • Die Bindung ist der intime Entschluss beider Partner in einer Beziehung, die Liebe am Leben zu erhalten, egal ob die Gegebenheiten positiv oder negativ sind.

Die Arten der Liebe nach Meinung von Sternberg

Wenn wir Liebe geben, widerfährt uns Liebe? In der Dreieckstheorie der Liebe unterscheidet Robert Sternberg zwischen verschiedenen Arten der Liebe, die auch als Phasen angesehen werden könnten. Trotzdem können auch Kombinationen aus zwei oder mehreren Phasen existieren, weshalb es nicht nur die eine oder die andere gibt:

  • Fehlende Liebe heißt gleichzeitig, dass weder Bindung noch Intimität existieren.
  • Liebe schafft Verbindungen und Nähe, bedeutet aber nicht gleichzeitig Leidenschaft oder Bindung.
  • Die sogenannte Halsstarrigkeit ist eine Liebe auf den ersten Blick, die nicht aus Komponenten wie Bindung oder Intimität besteht.
  • Eine leere Liebe bezieht sich auf eine Bindung in der Vereinigung, doch es fehlen Leidenschaft und Intimität.
  • Die romantische Liebe ist eine emotionale Vereinigung, die Leidenschaft beinhaltet, aber nicht unbedingt eine Bindung.
  • Sobald es keine Leidenschaft mehr gibt, aber noch eine Bindung und Liebe, redet man von einer geselligen Liebe.
  • Wenn die Bindung durch Leidenschaft entsteht, bezieht sich Sternberg auf eine verrückte Liebe ohne Intimität.
  • Eine konsumierte Liebe ist eine Art der vollständigen, idealen Liebe, in der alle Komponenten (Intimität, Leidenschaft und Bindung) existieren.

„Ich liebe dich, um dich zu lieben und nicht um geliebt zu werden. Denn nichts macht mich so glücklich, wie dich glücklich zu sehen.“

George Sand

Liebe

Wenn du Liebe gibst

Wenn du Liebe gibst, ist es vielleicht eine gute Idee, dir dieselben Fragen zu stellen, die Sternberg den an seiner Studie teilnehmenden Paaren auch stellte. Im Folgenden sind diese Fragen noch einmal zusammengefasst, denn sie sind sicherlich auch für dich sehr interessant, um deine eigene Beziehung etwas besser kennen zu lernen:

  • Frage dich, wie du dich fühlst, aber du solltest nicht vergessen, dich zu fragen, wie sich deiner Meinung nach der andere Mensch fühlt, dem du Liebe gibst.
  • Wenn du dir die Frage beantwortet hast, wie du dich fühlst, stelle dir eine andere Frage: Wie würdest du dich gern fühlen?
  • Eine weitere wichtige Frage, die man niemals vergessen sollte, bezieht sich auf die Gefühlswelt des Partners; darauf, wie du ihn gern fühlen lassen möchtest.
  • Letztendlich gab es noch eine Frage von Sternberg zu beantworten, die auch du dir nun selbst beantworten kannst: Wie würdest du dich gern fühlen und wie soll sich dein Partner fühlen?

Sternberg befragte sowohl Männer als auch Frauen während seiner Studie über die Dreieckstheorie der Liebe. Die Resultate sind nicht gerade verwunderlich, sie sind sehr eindeutig, was die Gefühlswelt beider Partner innerhalb einer Beziehung angeht.

„Das Anzeichen dafür, das wir jemanden nicht lieben, ist, dass wir ihm nicht das Beste von uns geben.“

Paul Claudel

Die Ergebnisse der Dreieckstheorie der Liebe

Nachdem den an der Studie teilgenommenen Männern und Frauen verschiedener Paare die zuvor veranschaulichten Fragen gestellt wurden, waren die Ergebnisse in Hinsicht auf das Geschlecht bezüglich Leidenschaft, Bindung und Intimität sehr ähnlich. Trotzdem gab es kleine Abweichungen:

  • Die Frauen wünschten sich in ihrer Beziehung zu ihrem Partner mehr Leidenschaft.
  • Obwohl alle Frauen sich für mehr Intimität, Leidenschaft und Bindung aussprachen, waren es interessanterweise sie selbst, die ihre Bindungsfähigkeit steigern wollten, um die genannten Komponenten zu verbessern.

Besagt die Dreieckstheorie der Liebe also, dass uns Liebe widerfährt, wenn wir Liebe geben? Vielleicht bestätigt sie das nicht vollkommen, aber es ist offensichtlich, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass beide Partner in einer Beziehung glücklich bleiben, wenn sie Liebe geben und ihre Partnerschaft durch eine ausreichende Bindung, Intimität und Leidenschaft bereichern.