Lob betäubt, Kritik lehrt

Wenn nur negative Punkte hervorgehoben werden, führt dies zu Frustration, doch auch übermäßiges Lob ist nicht produktiv. Wir werden jedoch trotzdem lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet.
Lob betäubt, Kritik lehrt
Fátima Servián Franco

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Fátima Servián Franco.

Letzte Aktualisierung: 13. Dezember 2022

Es ist oft genauso schwierig, Kritik anzunehmen, wie Lob zu erhalten. In der Tat gibt es Menschen, die sich sehr unwohl fühlen, wenn man ihnen etwas Nettes sagt. Viele von uns sind zu einem hohen Anspruchsdenken erzogen worden, deshalb glauben wir oft, die Anerkennung nicht verdient zu haben.

Lob und Kritik haben eine große Macht über unser Selbstwertgefühl, und dies ist gefährlich, wenn es davon abhängt. Wenn wir gelobt werden, kann die Botschaft der Bewunderung so verwirrend sein und so viel Selbstliebe anregen, dass wir einen Gefühlsrausch erleben. Erhalten wir hingegen destruktive Kritik, passiert das Gegenteil: Wir fühlen uns verletzt, beleidigt und diskreditiert.

Denke daran, dass du bei jeder Aufgabe gewinnen oder verlieren kannst, es geht jedoch um Fairness und Akzeptanz, um die Würde, mit der du deine Ziele verfolgst.  Konstruktive Kritik aus deinem Umfeld hilft dir, dich besser auf verschiedene Situationen einzustellen, während Lob dich schwächen kann, da du dich vielleicht weniger bemühst.

Lob betäubt, Kritik lehrt
Kritik ist Teil unseres täglichen Lebens. Denke daran, dass dir niemand ein schlechtes Gewissen machen kann, wenn du das nicht zulässt.

Kritik ist unvermeidlich

Wir alle bewerten Gedanken, Meinungen, Gefühle und Handlungen. Wir sind es gewohnt, dem Negativen mehr Aufmerksamkeit zu schenken als positiven Ereignissen: Fehler und Probleme fallen uns sofort ins Auge, während wir Chancen und Vorzüge nicht immer erkennen.

Jeder Mensch reagiert anders auf Kritik, was natürlich auch davon abhängt, ob die Beanstandung konstruktiv oder destruktiv ist. Die emotionale Reaktion ist jedoch individuell immer sehr verschieden. Sie hängt auch von der Art und Weise und von der Person ab, die sie ausspricht.

Mann verträgt keine Kritik

“Kritik soll zur rechten Zeit erfolgen. Man darf sich nicht angewöhnen, erst dann zu kritisieren, wenn das Unheil passiert ist.”

Mao Tse Tung

Wie macht man das Beste aus Lob?

Damit Lob nicht in der Falle der Eitelkeit endet, ist es wichtig, die konkrete Tätigkeit oder das Verhalten zu loben, nicht die Person. Die Art und Weise, wie wir sie loben, kann sich auf ihre Denkweise auswirken und damit auch auf ihre Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen, durchzuhalten und akademisch erfolgreich zu sein. Es gibt zwei: “Growth Mindset“, eine Einstellung, die an die Lernfähigkeit glaubt, und “Fixed Mindset”, eine Denkweise, die keine Entwicklung zulässt.

Lob hat eine positive Komponente, da es gute Leistung anerkennt und dir bestätigt, dass du auf dem richtigen Weg bist. Manche leben jedoch nur, um anerkannt zu werden und dadurch ihren Stolz zu fördern, der im Übermaß die Realität der Umwelt und den Wert des eigenen Handelns verzerrt.

Um jemanden mit Lob zu bestärken, formulierst du es am besten anhand konkreter Fakten oder Ergebnisse . Allgemeine Aussagen wie “du bist super” oder “wie klug du bist” sind wenig hilfreich. Besser sind Kommentare wie: “Mir hat gefallen, wie du dieses Problem gelöst hast” oder “Deine Bemühungen haben sich gelohnt, auch wenn du die Aufgabe nicht mochtest”.

Mann erhält viel Lob

Wenn nur negative Punkte hervorgehoben werden, führt dies zu Frustration, doch auch übermäßiges Lob ist nicht produktiv. Wir werden jedoch trotzdem lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet.

“Die Eigenliebe lässt uns sowohl unsre Tugenden als unsre Fehler viel bedeutender, als sie sind, erscheinen.”

J. W. von Goethe

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