Liebe oder Liebesbedürftigkeit: Was ist der Unterschied?

20 Juni, 2020
Oftmals fällt es uns sehr schwer, zu definieren, was Liebe eigentlich ist. Ist es Liebe oder Liebesbedürftigkeit? In allen Lebensbereichen spielt sie eine Rolle, doch dabei hat sie durchaus verschiedene Bedeutungen. Daher ist es wahrscheinlich einfacher, wenn wir zunächst einmal erklären, was Liebe nicht ist.
 

Wenn du dich mit bestimmten Situationen in deinem Leben auseinandersetzt, dann musst du dir die Frage stellen, ob du tatsächlich den Unterschied zwischen Liebe und dem Bedürfnis nach Liebe kennst. Handelt es sich um Liebe oder Liebesbedürftigkeit? Weißt du wirklich, wie du dies unterscheiden kannst?

Wenn wir über „Liebe“ sprechen, dann ist es gar nicht so einfach, eine eindeutige Definition dafür zu finden. Denn dieses Wort wird inzwischen in zahlreichen Kontexten verwendet, die sich teilweise sehr stark voneinander unterscheiden.

Da Liebe eindeutig mehr als nur ein Wort ist, könnte es eine gute Idee sein, herauszustellen, was Liebe nicht ist, anstatt zu versuchen, sie zu definieren.

Liebe ist NICHT…

  • Das Wort „Liebe“: Wenn du es definierst, dann ist es keine Liebe.
  • Besitz: Was du du besitzt, besitzt dich und kann nicht eingesperrt oder gefangen werden.
  • Denken: Denke nicht, dass du liebst, sondern praktiziere stattdessen Liebe.
  • Eigennutz: Wo es Hintergedanken gibt, gibt es keine Liebe; Liebe ist keine Ware, Liebe ist einfach da.
 
  • Notwendigkeit: Liebe existiert nicht, um die Lücken deines Egos zu füllen.
  • Vorübergehend oder temporär: Liebe ist nicht in dir, du bist in der Liebe, immer im gegenwärtigen Moment.
Liebe oder Liebesbedürftigkeit - Liebespaar, Arm in Arm

Eine Beziehung bedeutet NICHT…

  • Ein Paar zu sein, sondern frei zu sein.
  • Sich gegenseitig Versprechungen zu machen, sondern dass beide das Ruder übernehmen.
  • Allem zuzustimmen. Stattdessen sollten beide Partner ihre individuelle Freiheit innerhalb der Beziehung bekräftigen.

Darüber hinaus:

  • Braucht Liebe keine Liebesbekundungen, sondern sie braucht Kommunikation.
  • Kannst du nicht die „Masken“ und das Bild, das ihr voneinander habt, miteinander vergleichen.
  • Ist Liebe auch nicht „sich ineinander verlieben“, denn das ist reine Neurochemie, die schon bald wieder verblasst.
 

Was Paare und die vielen Manifestationen von Liebe anbelangt, die es gibt, ist das Verwirrendste, sich zu verlieben. Das liegt daran, dass diese vorübergehende Phase mit einer Veränderung einiger Neurotransmitter (Anstieg von Dopamin und Noradrenalin und Abnahme von Serotonin) einhergeht. Die Auswirkungen dieser Veränderungen ähneln denen einer Drogenabhängigkeit.

Daher ist es empfehlenswert, dass du diese Phase der Verliebtheit vorübergehen lassen solltest, damit du anschließend rationale Entscheidungen treffen kannst. Und dann kannst du auch entscheiden, ob es Liebe oder Liebesbedürftigkeit ist, die du empfindest.

Laut dem Psychologen John Bradshaw ist es für eine dauerhafte Beziehung wichtig, dass man die Übergangsphasen des Verliebtseins durchläuft und in einen Zustand der „Kameradschaft“ gelangt.

Es gibt eine viel zitierte Studie darüber, welche Erinnerungen Paare diesbezüglich haben und wie ihre Gedanken sich verändern. Holmberg und Holmes (1994) befragten 400 verheiratete Paare, die angaben, dass sie glücklich seien und sich lieben würden.

 

Zwei Jahre später wurden diese Paare erneut befragt. Die Paare, die sich zwischenzeitlich getrennt hatten oder deren Beziehung in einer schwierigen Situation war, sagten aus, dass ihre Beziehung schon von Anfang an nicht gut gelaufen ist. Hieran lässt sich erkennen, wie einfach wir Erinnerungen erschaffen, die nichts mit der Realität gemein haben und die wir zur Rechtfertigung unserer Entscheidungen heranziehen.

Liebe oder Liebesbedürftigkeit: Was eine Beziehung dir ermöglichen sollte

  • Du solltest dich in jeder Beziehung ausdrücken und verwirklichen können.
  • Völlige Freiheit (ansonsten ist es keine Beziehung).
  • Es gibt keine Regeln, denn wenn es Liebe ist, gibt es keine.
  • Fantasie, Überraschung und bedingungslose Unterstützung.
  • Respekt für dich selbst und für deinen Partner.
  • Durch die „Schlaglöcher“ und Widrigkeiten des Lebens fahren und dabei auch die „Reifen“ des anderen im Auge behalten.
  • Keine Verpflichtung, sondern Befreiung.

Im Laufe der Jahre scheint die Freiheit zu verschwinden und Bewertungen, Stolz und Ego nehmen zu. Dazu kommen noch die Probleme durch die neuen Technologien, aufgrund derer oberflächliche Kommunikation häufig dem zwischenmenschlichen Kontakt vorgezogen wird.

 

Die Besessenheit, großartige Geschenke zu machen und Aufmerksamkeit zu bekommen, nimmt ebenso zu wie die Dekadenz. Darüber hinaus sind immer mehr Menschen vom physischen Exhibitionismus in sozialen und mobilen Netzwerken fasziniert. Daher gibt es inzwischen viele Menschen, die aufgrund dieses Problems behandelt werden oder in Therapie sind.

Liebe oder Liebesbedürftigkeit: Institutionalisierung ist ein Hindernis für die Liebe

Institutionalisierung

Liebe sollte nicht in Tempeln, Sekten, Religionen, Modeerscheinugen, Ritualen oder Philosophien eingeschlossen werden. Glaubst du wirklich, dass du Freiheit kennzeichnen oder klassifizieren kannst? Daher hat Liebe keine Heiligtümer, denn du findest sie dort, wo du nicht nach ihr suchst. Außerdem erscheint sie dann, wenn du Hindernisse beseitigst.

Genauso wie du die Vorhänge öffnen musst, um Licht in einen Raum zu lassen, musst du erkennen, dass du in der Dunkelheit lebst, um Freiheit und Liebe zu suchen.

Ergebnisse

 

Eine Nachtigall singt nicht, um Applaus von den Menschen zu bekommen. Es ist ihre Natürlichkeit, die die Schönheit ihrer Melodien ausmacht. Manchmal könntest du glauben, dass Liebe das Ergebnis deiner harten Arbeit ist. Allerdings sprechen wir hier darüber, dass du Hindernisse beseitigen musst und nicht über die Anstrengungen, die du deiner Meinung nach unternehmen musst.

Das Gleiche passiert auch mit Hobbys und Einstellungen. Wir werden nicht dazu erzogen, einfach das zu lieben, was wir tun. Stattdessen sollen wir stolz auf die Ergebnisse sein und nach Anerkennung streben. Daher solltest du lernen, die Schönheit in den natürlichen Leidenschaften zu entdecken, die aus der Harmonie deiner Umgebung entstehen und bei denen es keine bestimmten Ziele gibt, die du erreichen musst.

Konditionierung

Außerdem solltest du mit jedem Zustand brechen und ihn in Frage stellen, der deine in dir wohnende Fähigkeit zu lieben, behindert oder begrenzt. Tust du nur das, was andere Menschen von dir erwarten oder tust du die Dinge, die du wirklich für dich selber tun willst?

 

Einige Menschen sind so davon besessen, sich mit einer Flagge, einem Symbol oder einer Ideologie zu identifizieren, dass sie diese mehr lieben als andere Menschen. Sie glauben, dass sie sich mit diesen Dingen identifizieren müssten, um sich besonders zu fühlen.

Allerdings entstehen Defizite und Leere, wenn ein Mensch Angst davor hat zu lieben. Viele Menschen entscheiden sich dafür, weil wahre Liebe alles hinwegfegt, das du für sicher hieltst.

Liebesbedürftigkeit und Abhängigkeit

Daher verwechseln sehr viele Menschen Liebe mit Liebesbedürftigkeit. Viele Teenager beginnen eine Beziehung, weil ihre Freunde auch einen Freund oder eine Freundin haben. Sie glauben, dass es besser ist, einen Partner zu haben, als sich mit Einsamkeit, Angst oder Vermeidung auseinanderzusetzen. Dies zeigt uns, wie Bindungen uns mental von jemandem abhängig machen können.

Aber Liebe bedeutet Freiheit. Abhängigkeit ist ein Hindernis für die Liebe. Daher solltest du wissen, wie du damit umgehen kannst. Wenn du mit deinem Partner die Freiheit teilst, wird euch das stark machen, aber die Abhängigkeit von unserem Partner wird uns von der Liebe entfernen.

 
Liebe oder Liebesbedürftigkeit - tanzendes Paar

Liebe oder Liebesbedürftigkeit: Dein Ego lässt die Liebe verschwinden

Kurz gesagt, Liebe manifestiert sich, wenn dein Ego und sein permanentes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit in den Hintergrund tritt und verschwindet.

Im Laufe deines Lebens wirst du unzählige Menschen treffen. Allerdings sind nicht alle Menschen auch wirklich gut für dich. Viele Menschen werden dich dafür kritisieren, welche Vorstellungen du vom Leben hast. Daher solltest du dich in einer Partnerschaft für den Menschen entscheiden, der für dich am besten ist.

Allerdings solltest du auch daran denken, dass du dich erst von den anderen lösen solltest, bevor du deinem Leben dann eine neue Richtung geben kannst.

 
  • Willi J. (2002) La pareja humana, relación y conflicto. Ediciones Morata.
  • Riso, W. (2008) Amar o depender. Barcelona. Editorial Planeta.
  • Fromm, E (1997) El arte de amar. Barcelona. Editorial Paidos Ibérica.