Lerne, tief durchzuatmen, wenn dich deine Gefühle übermannen

20. Juli 2017 en Psychologie 571 Geteilt

Unsere Gefühle sind wie ein Kompass, der uns leitet und uns in den meisten Fällen zum Handeln bewegt (nicht in allen, Angst beispielsweise kann uns paralysieren). Was passiert also, wenn wir zulassen, dass uns unsere Gefühle mit all ihrer Kraft übermannen und wir keinerlei Kontrolle mehr über sie haben? Am wahrscheinlichsten ist es, dass wir intensiv reagieren, impulsiv handeln, was unser Selbstwertgefühl und vor allem unsere Selbstsicherheit schmälern kann.

Um emotional ausgeglichen zu sein, müssen wir einen Prozess aus Übung und Training durchlaufen. Stelle dir vor, du müsstest jeden Tag in eine Achterbahn der Gefühle einsteigen. Auch wenn die Intensität der Fahrt attraktiv erscheint, kann es sein, dass dich so ein emotionales Hoch und Tief erschöpft. Höchstwahrscheinlich bist du nach einigen Fahrten mehr als desorientiert und hinterfragst all deine Ziele.

„Kontrolliere deine Gefühle zu jeder Zeit und lenke deine alltäglichen Erfahrungen ganz bewusst und wohlüberlegt.“

Anthony Robbins

Wieso übermannen uns unsere Gefühle?

Musst du deine Gefühle intensiv zum Ausdruck bringen, damit du dich lebendig fühlst? Wenn uns unsere Gefühle übermannen, dramatisieren oder übertreiben wir gern. Aber das muss nicht immer so sein. Vielleicht musst du deine Gefühle nur spüren und sie sehr intensiv ausdrücken, weil das deine Art ist, zu zeigen, was du fühlst.

Intensive Gefühl werden auch hochsensiblen Menschen zugeschrieben, die sehr mitfühlend sind und sich in andere hineinversetzen können. Wer sich alles sehr zu Herzen nimmt, kann Schuldgefühle oder zu hohe Erwartungen an sich selbst erschaffen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass es schwerfällt, mit den eigenen Emotionen umzugehen, was einem wiederum das Gefühl gibt, von seinen Gefühlen übermannt zu werden.

Gefühle sind wie Wellen: Sie kommen und gehen

Für unsere Entwicklung hat jedes Gefühl einen Wert und ist schlichtweg notwendig. Jedes Gefühl erfüllt eine Funktion. Es gibt keine guten oder schlechten Emotionen, und genauso wenig gibt es bessere oder schlechtere Arten, ein Gefühl zu verspüren. Es ist wichtig, dass du dir erlaubst, jegliche Emotion zu fühlen, und eine Möglichkeit findest, sie erträglicher zu gestalten.

Jedes Gefühl, so intensiv es auch sein mag, flaut irgendwann wieder ab, wenn du es zulässt. Gefühle sind wie Wellen, sie kommen und gehen, aber du musst daran denken, dass du dich nicht von ihnen davontragen lassen darfst. Lasse nicht zu, dass sie deine Welt überfluten und suche deshalb nach dem gesündesten Weg, sie auszudrücken.

„Die Fähigkeit, innezuhalten und impulsives Handeln zu vermeiden, ist eine der wichtigsten für das alltägliche Leben.“

Daniel Goleman

Die Atmung ist entscheidend, wenn wir unsere Gefühle lenken wollen

Die Atmung ist der Grundpfeiler, der all unsere Gefühle stützt. Je nachdem, wie wir atmen, verspüren wir ein Gefühl mehr oder weniger intensiv. Die Atmung kann sogar die Art des Gefühls verändern, das uns übermannt. Wenn du zum Beispiel angespannter und schneller atmest, ist es gut möglich, dass du Gefühle wie Furcht, Angst oder Wut empfindest. Wenn du hingegen ruhig atmest und dich darauf konzentrierst, länger durch den Mund auszuatmen als du durch deine Nase einatmest, wirst du dich mit großer Sicherheit beruhigen können.

Umgekehrt können Emotionen wie Furcht, Angst und Stress können dazu führen, dass dir kaum Luft zum Atmen bleibt oder zu schnell und oberflächlich atmest. Wenn du in einer solchen Situation langsamer atmest, hilft das deinem Körper dabei, in einen entspannteren Zustand zu finden.

Wende die richtige Atemtechnik an, wenn dich deine Gefühle übermannen

Um zu lernen, deine Gefühle durch eine angemessene Atemtechnik zu kontrollieren, wenn sie dich übermannen, solltest du Folgendes tun:

  • Konzentriere dich auf physische Begleiterscheinungen: Achte darauf, ob du einen Kloß in deinem Hals, ein Ziehen in deinem Magen, ein Kribbeln im Rücken, usw. fühlst.
  • Versuche, herauszufinden, welches Grundgefühl sich hinter der physischen Komponente verbirgt: Es gibt 4 Grundgefühle, die sich hinter Gefühlen verbergen können. Deinem Gefühl einen Namen zu geben, kann dir dabei helfen, deiner Erfahrung einen Sinn zu geben.
  • Spüre das Gefühl und bringe es zum Ausdruck: Gib deinem Gefühl mit all seiner Intensität einen Raum und versuche nicht, es zu kontrollieren, zu unterdrücken. Wenn du das Gefühl während entspannter Atmung empfindest, gehst du schon auf eine angemessene Art und Weise mit ihm um.
  • Falls du Wut empfindest, dann lass dieses Gefühl erst abkühlen. Schüttle es von dir ab, ohne dass es dir schadet. Anstatt Wut anzuhäufen und sie später auszudrücken, in Form einer Explosion, die unsere Mitmenschen ertauben lässt, kannst etwas abwarten, damit das Gefühl abkühlt, und dann nach einer angemesseneren Weise suchen, deine Emotion zum Ausdruck zu bringen. Suche nach einer Möglichkeit deine Wut zu kanalisieren, ohne dass sie dir schadet. Du kannst zum Beispiel ein Kissen oder Handtuch winden, oder eine Plastikflasche zerdrücken, während du über das nachdenkst, was dich wütend macht, und vieles mehr. Es geht dabei darum, dich von der Energie zu befreien, die dieses Gefühl mit sich bringt.

Eine praktische Übung, um mit deiner Atmung an deinen Gefühlen zu arbeiten

Sehr langsam auszuatmen hilft dabei, sich zu entspannen. Das Einatmen hingegen wird eher mit Stress oder Angst in Verbindung gebracht. Eine ruhige Atmung ist etwas, das wir jeden Tag trainieren sollten. Wir können eine entsprechende Übung in fünf Schritten ausführen:

  • Atme ganz normal durch die Nase ein. Der Mund ist geschlossen.
  • Atme die Luft langsam durch die Nase aus. Der Mund ist weiterhin geschlossen.
  • Beim langsamen Ausatmen solltest du dir in Gedanken immer wieder „ruhig“ oder „entspannt“ oder irgendein anderes Wort vorsagen, das auf dich entspannend wirkt.
  • Zähle langsam bis vier und atme wieder ein.
  • Wiederhole diese Übung mehrere Male am Tag und atme jeweils 10 bis 15 Mal ein und aus.

Je mehr du an deiner Atemtechnik arbeitest, desto besser wirst du mit deinen Gefühlen umgehen können und verhindern, dass sie dich übermannen oder überfluten. Unser emotionales Gleichgewicht steht in direktem Zusammenhang mit dem Lernprozess, die eigenen Emotionen darauf zu verwenden, um mit sich selbst und anderen auf eine gesunde Art und Weise zu kommunizieren.

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