Leben heißt Knoten lösen, Träume haben, Geschichten weben

· 24. Juli 2018

Leben heißt Träume haben und Knoten der Vergangenheit und Gegenwart lösen, um mit mehr Freiheit voranzuschreiten. Dem Leben einen Sinn geben, das Weben an unseren eigenen Geschichten. Wir sollten Handwerker guter Beziehungen und Spurenleser werden, die bessere Lebensumstände schaffen. Denn in diesen können wir glücklich und unbeeindruckt von dunklen Wolken und kalten Winden wachsen.

Angenommen, diese Ideen wären ohne Wenn und Aber ein guter Weg, um mit den Überraschungen, die das komplexe Leben in petto hat, fertig zu werden. Ein Zitat illustriert diese Annahme sehr gut: „Im Leben geht es nicht darum, wie schnell du rennst oder wie hoch du kletterst, sondern darum, wie sanft du aufprallst.“  Tatsächlich ist es ein subtiler Prozess, ein erfülltes Leben zu gestalten, in dem wir nach wie vor auf schwierige Zeiten reagieren müssen. Wir müssen verstehen, dass Glück kein geradliniger Weg ist, sondern eine Übung in Kreativität, Handeln, Aktion und Überleben.

„Man lebt nur einmal, aber wenn man es richtig anstellt, reicht das aus.“

Mae West

Leben bedeutet mehr als bloßes Existieren. Zwar wissen wir das, aber manchmal vergessen wir es. Wir übersehen oft, dass es zahlreiche Konsequenzen nach sich zieht, wenn wir uns zu Protagonisten aufschwingen. Zunächst ist da die Verantwortung gegenüber uns selbst. Zweitens sind da Leidenschaft, Enthusiasmus, authentisches Verlangen, das Streben nach einem besseren Dasein und mehr Lebensqualität. Außerdem sei erwähnt, dass wir unserem Leben einen Sinn geben können, ganz nach unserem Geschmack.

Dieser letzte Punkt ist wichtig und wir müssen uns immer wieder daran erinnern. In der Disziplin der Positiven Psychologie wird er viel mehr gewichtet als der Begriff „Glück“. Der Grund? Während Glück oft eine zeitlich begrenzte Entität ist, bietet uns die Fähigkeit, unserem Leben einen Sinn zu geben, etwas Bleibendes, einen Grund für unser Sein und unsere Existenz.

Eine Zeichnung einer Frau, die vor einem Haus sitzt

Können wir unser Leben auf unsere eigene Art und Weise leben?

Wir haben alle mindestens einmal darüber nachgedacht. Wir haben alle festgestellt, dass nichts so befriedigend sein kann, wie unser Leben genau so zu leben, wie wir es wollen, auf der Frequenz, auf der alles besser klingt. In dieser speziellen Tonalität, in der alles scheint, als wäre unser Sein ein Gemälde von Monet.

Früher oder später müssen wir jedoch akzeptieren, dass dies nicht immer möglich ist. Der freie Wille ist kaum mehr als eine Illusion, aus den folgenden zwei Gründen: Unser sozialer Kontext als auch unsere genetische Konditionierung schränken uns ein.

In dem interessanten Buch Designing Positive Psychology  (zu Deutsch: Die Gestaltung Positiver Psychologie,  noch nicht auf Deutsch verfügbar), das von mehreren Vertretern der Positiven Psychologie veröffentlicht wurde, erfahren wir,  dass sogar unsere eigene Kultur uns diktiert, wie wir glücklich sein sollen. Unsere Gesellschaft schreibt uns vor, welche wichtigen Ziele wir anstreben sollen und was wir ändern müssen, wollen wir glücklich werden. Obwohl wir oft glauben, dass wir völlig frei in unserer Lebensgestaltung seien, ist das niemals der Fall.

Ein perfektes Beispiel dafür ist die Werbewelt. Sie gaukelt uns vor, dass wir das neueste Telefon kaufen müssten, um zufrieden zu sein. Auch, dass es nur einen Weg gäbe, schön zu sein, den wir alle gehen sollten, damit andere uns attraktiv finden. Und so ganz und gar können wir uns von diesen Idealen kaum lossagen. Und wenn doch, unterliegen wir anderen. Dies macht deutlich, dass unser psychosozialer Kontext uns maßgeblich beeinflusst.

Zeichnung von mehreren bunten Bäumen

Ein anderer Aspekt, der durch unsere Kultur beeinflusst wird, ist die klassische Idee, dass Glück emotionalen Komfort bedeutete. Gefühle wie Traurigkeit, Wut, Frustration, Versagen oder Enttäuschung müssten getarnt oder umgangen werden, wie wir auch kleine Wunden mit einem Pflaster verbergen. Der Grund der Verletzung spielte dabei keine Bedeutung. Es wäre besser, sich darauf zu beschränken, sich in Schweigen zu hüllen, sich abzuwenden, als ob sie nicht gäbe.

Trotzdem existieren diese Gefühle. Negative Emotionen sind aus einem guten Grund Teil des Lebens des Menschen. Diese Gefühle werden im limbischen System verarbeitet, um uns zu helfen, zu überleben.

„Und jetzt, wo du nicht perfekt sein muss, kannst du gut sein.“

John Steinbeck

Die Kunstfertigkeit, ein Leben mit Sinn zu gestalten

Wir wissen nun bereits, dass wir nicht wirklich frei sind, unser Leben ausschließlich nach unseren Regeln zu leben. Es gibt Grenzen, Verpflichtungen und Normen, die wir respektieren müssen. Aber jenseits dieser unausweichlichen Prinzipien, die unser Zusammenleben als soziale Wesen kennzeichnen, müssen wir unsere Augen öffnen und die Knoten lösen, die uns zurückhalten, die unsere Bewegung und persönliche Freiheit behindern.

Viele dieser Knoten entstehen durch unsere Kultur, unsere Familien, unsere sozialen Beziehungen, sogar durch das Gewicht der patriarchalischen Gesellschaft. Wir müssen das erkennen und jene unbequemen Bindungen lösen, die unser persönliches Wachstum einschränken.

Eine Zeichnung einer Frau, die vor einem Baum voller Buchstaben sitzt

Sinn in unseren Taten zu finden, wird uns helfen, ein erfüllteres Dasein zu führen. Dabei ist es besonders wichtig, Geschehen zu reflektieren und zu begreifen. Wir wissen, dass diese Herangehensweise uns dazu veranlasst, im Moment präsent zu sein und das Hier und Jetzt zu schätzen. Wir müssen aber noch einen Schritt weiter gehen und uns Folgendes fragen: Was will ich für morgen? Wo will ich in naher Zukunft stehen?

Die Antwort auf diese Fragen gibt unserem Leben in der Gegenwart eine Bedeutung. Die Antworten werden uns dementsprechend unseren Weg weisen sowie Hoffnung und Motivation geben. Nur dann werden wir ein besserer Geschichtenweber und Schöpfer unserer Träume werden, ganz unseren grundlegenden Zielen entsprechend.