Kurt Lewins Theorie der zwischenmenschlichen Beziehungen

· 31. Januar 2019

Kurt Lewin war einer der einflussreichsten Psychologen aller Zeiten. Wir betrachten ihn als den Vater der Sozialpsychologie und der Organisationspsychologie. Seine Ansätze und seine Theorie sind in vielen Bereichen auch heute noch von großer Bedeutung, insbesondere in der Geschäftswelt.

Kurt Lewin wurde 1890 in einer preußischen Kleinstadt namens Mogilno (heute Polen) geboren. Als er noch klein war, zog seine Familie nach Berlin. Schon in jungen Jahren interessierte er sich für Psychologie und Philosophie, zwei Wissenschaften, die er 1911 formell zu studieren begann.

„Wenn du etwas wirklich verstehen willst, versuche, es zu ändern.“

Kurt Lewin

Er interessierte sich auch für Politik, besonders für den Sozialismus. Tatsächlich war er überzeugt, wir könnten die Psychologie nutzen, um mehr Gerechtigkeit und Gleichheit in der Welt zu erreichen. Im Ersten Weltkrieg diente er als Artillerist in der Armee. Er wurde jedoch schwer verwundet und kehrte daraufhin in sein normales Leben zurück, lehrte in Berlin und kam dort mit weiteren Vertretern der Gestaltpsychologie in Kontakt.

Kurt Lewin war jüdischer Abstammung. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, wurde Lewin klar, dass er keine andere Wahl haben würde, als Deutschland zu verlassen. Zunächst versuchte er, in Jerusalem Zuflucht zu suchen, war jedoch erfolglos. Mit Hilfe einiger Freunde und Kollegen konnte er schließlich in die USA ausreisen.

Kurt Lewin

Dank eines seiner deutschen Freunde bekam Lewin eine Stelle als Professor an der Cornell University (New York, USA). Später wurde er Professor an der University of Iowa (Iowa, USA) und einige Jahre später Direktor des Forschungszentrums für Gruppendynamik am Massachusetts Institute of Technology (Massachusetts, USA).

Hier konzentrierte sich Lewin auf soziale Phänomene. Er untersuchte eingehend die sozialen Interaktionen sowie die Auswirkungen des sozialen Drucks auf das Verhalten und die Dynamiken in Organisationen. Lewin legte damit den Grundstein für die Sozialpsychologie.

Eine neue Vision der Psychologie

Als Lewin in den Vereinigten Staaten ankam, war der vorherrschende psychologische Trend der Behaviorismus. Dem Behaviorismus zufolge sei der Mensch eine Blackbox und wir würden als leeres Blatt Papier geboren werden. Die Theorie besagt auch, dass der Einfluss anderer Personen unsere Persönlichkeit präge und uns zu dem mache, was wir seien. Lewin dagegen verstand das Individuum weniger passiv und war überzeugt, dass es seine Interaktionen mit seiner Umgebung selbst gestalten könne.

Menschen interagieren miteinander.

Lewin entwickelte neue Ideen, um das menschliche Verhalten zu beschreiben. Unter anderem hat er das Konzept des „Feldes“ von der Physik übernommen. In dieser Disziplin bezieht sich der Begriff „Feld“ auf einen Bereich des Raumes, der Eigenschaften oder Faktoren aufweist, die ihm eine bestimmte Konfiguration verleihen.

Ebenso verstand Kurt Lewin das menschliche Verhalten als das Ergebnis der Wirkung eines Feldes. Diese zeigt sich in einer Reihe paralleler Ereignisse, über die eine Änderung in einem Teil des Feldes eine Änderung des Ganzen hervorruft. Das Subjekt nimmt diese Ereignisse und ihre Dynamiken auf eine bestimmte Weise wahr. All diese Faktoren machen das aus, was Lewin als „Lebensraum“ bezeichnete.

In diesem dynamischen Feld gibt es drei grundlegende Variablen: Spannung, Kraft und Notwendigkeit. Dank letzterer dient das Verhalten einen bestimmten Zweck.

Große Beiträge zur Sozialpsychologie

Kurt Lewins wesentlichste Erkenntnis war, dass das Individuum und sein Umfeld niemals als zwei getrennte Einheiten betrachtet werden können. In der Praxis handelt es sich dabei um zwei Dimensionen, die ständig miteinander interagieren. Sie modifizieren sich gegenseitig in Echtzeit. Lewins Theorie fordert, das Individuum im Hinblick auf diese Dynamik zu untersuchen.

Er wies auch darauf hin, dass wir, wenn wir das menschliche Verhalten verstehen wollen, alle Variablen berücksichtigen müssen, welche die Umgebung beeinflussen können. Dies beinhaltet zum Beispiel auch die Sozialisationsmuster, die in Gruppen existieren.

Ein Kreis aus Pappmenschen

Basierend auf all dem stellte Lewin fest, dass es absolut richtig ist, Änderungen in der Umgebung vorzunehmen, um die Reaktionen der Menschen, die in ihr und mit ihr leben, zu untersuchen. Zu dieser Zeit war dies eine völlig neue Perspektive. Heute gibt Hunderte von Studien auf der ganzen Welt, die sie einnehmen, und bis heute verwenden Forscher diese als „research-action“ bezeichnete Technik in ihren wissenschaftlichen Arbeiten.