Können wir von Stressimpfungstraining profitieren?

· 27. Februar 2019

Donald Meichenbaum entwickelte das Stressimpfungstraining als ein kognitiv-verhaltensbasiertes Verfahren, um Stress abzubauen. Genauer gesagt, das Stressimpfungstraining wurde ursprünglich zur Behandlung von Angstzuständen entwickelt. Heutzutage empfehlen viele Mediziner und Psychologen das Stressimpfungstraining für eine Vielzahl von angstbedingten Störungen.

Diese Art des Trainings ist keine spezifische Technik, sondern eher ein Oberbegriff, der sich auf eine bestimmte Art der Behandlung bezieht. Das bedeutet, dass die Behandlung einen Trainingsplan und mehrere konkrete Methoden beinhaltet, und zwar unter anderem die folgenden Elemente: didaktischer Unterricht, sokratische Diskussion, kognitive Umstrukturierung, Problemlösung, Umschulung, Rollenspiele, Selbstregistrierung, Selbstunterricht und Selbstverstärkung.

Jeder von uns kann das Stressimpfungstraining nutzen, um Bewältigungsstrategien für aktuelle Probleme sowie zukünftige Herausforderungen zu entwickeln.

Gestresste Angestellte

Stressimpfungstraining wirkt wie eine Impfung gegen eine Infektionskrankheit

Das Stressimpfunstraining vermitteln uns Strategien, mit denen wir Stresssituationen besser bewältigen können. Daher ist diese Technik in gewisser Weise ein Äquivalent zu Impfungen gegen Infektionskrankheiten, ein Segen, über dessen Verfügbarkeit wir dankbar sein sollten.

Wie die Inokulation von Antigenen versucht die Impfung gegen den Stress, „psychologische Antikörper“ zu erzeugen. Das heißt, während der Therapie entwickeln wir Bewältigungsstrategien, die als psychologische Abwehrkräfte wirken. 

Folglich versucht das Streessimpfungstraining, unseren Widerstand zu stärken, indem wir Reizen ausgesetzt werden, die stark genug sind, um unsere Abwehrmechanismen zu aktivieren. Auf diese Weise entwickeln wir ein Gespür für unsere Ressourcen, die uns bei der Stressbekämpfung nützlich sein können.

In welchen Situationen kann das Stressimpfungstraining nützlich sein?

Nach Meichenbaum (2009) sei diese Art der Verhaltenstherapie nützlich, um die vier von Eliot und Eisdorfer (1982) kategorisierten Stressfaktoren zu bewältigen. Diese sind:

  • Akute, zeitlich begrenzte Stressfaktoren. Dies sind stressige Ereignisse, die einmal auftreten und nicht lange andauern (z. B. die Fahrprüfung oder medizinische Untersuchungen).
  • Stressreiche Ereignissequenzen. Diese beziehen sich auf stressige, konkrete und wichtige Lebensereignisse (d. h. auf sexuellen Missbrauch, den Verlust eines geliebten Menschen oder eines Arbeitsplatzes).
  • Chronisch-intermittierende Stressfaktoren: Stresssituationen können über längere Zeiträume immer wieder auftreten. Zum Beispiele sind regelmäßige medizinische Untersuchungen, Militäreinsätze usw. solche Stressoren.
  • Chronisch-kontinuierliche Stressfaktoren: Dazu gehören die Bewältigung langfristiger medizinischer oder psychischer Erkrankungen.

Besonders geeignet ist das Stressimpfungstraining, um:

  • Patienten beizubringen, wie Stress entsteht und wie man damit umgehen kann.
  • Patienten zu zeigen, wie man Probleme besser bewältigen kann.
  • Patienten darauf aufmerksam zu machen, was falsche Lösungswege sind, damit effektive Bewältigungsstrategien besser in die Praxis umgesetzt werden können.
  • Patienten Strategien an die Hand zu geben, um ihre Gedanken, Emotionen und Gefühle sowie ihr Verhalten zu regulieren. Ziel des Trainings ist es, Situationen auf realistische Weise zu interpretieren.
  • Modelle und Reproduktion von realem Verhalten einzuüben, um emotionale Kontrolle und Bewältigungsstrategien herauszubilden.
  • Patienten dabei zu helfen, ausreichend Wissen zu erwerben, um auch mit unerwarteten und anstrengenden Situationen umgehen zu können.
  • Rollenspiele durchzuführen, um das Vertrauen der Patienten in ihre Bewältigungsstrategien zu stärken.
Frau meditiert auf der Arbeit

Ziele des Stressimpfungstranings

Die Ziele des Trainings konzentrieren sich auf drei Hauptbereiche:

  • Förderung der Selbstregulierung. Es geht darum, die Intensität von Selbstverbalisierungen, Bildern oder störenden Emotionen zu reduzieren oder zu unterdrücken. Ebenso versucht das Stressimpfungstraining, ausgeglichenes Verhalten zu stärken und fördern.
  • Außerdem soll eine Veränderung von unangepasstem Verhalten und eine Steigerung oder Neuetablierung angepassten Verhaltens erreicht werden.
  • Zusätzlich sollen kognitive Strukturen modifiziert werden, die eine negative Sicht des Betroffenen auf seine Welt fördern.

Phasen des Stressimpfungstrainings

Das Stressimpfungstraining kann in drei verschiedene Phasen unterteilt werden: 1) Informationsphase, 2) Übungsphase und 3) Anwendungsphase.

Informationsphase

Ziel dieser Phase ist es, das primäre Problem des Patienten zu identifizieren und zu definieren. Außerdem soll Betroffenen geholfen werden, die Natur ihres Problems und seine Auswirkungen auf ihre Emotionen und ihr Verhalten zu verstehen. Daher bietet sich diese Phase auch an, um Therapieziele festzulegen.

Infolgedessen ist diese Phase sehr wichtig. Anders ausgedrückt können wir diese Phase als eine Art Erkenntnisphase begreifen, weil Betroffene hier ihre Probleme verstehen lernen und so besser konfrontieren können.

Übungsphase

In dieser zweiten Phase überprüfen und lernen die Patienten – mithilfe des Therapeuten – verschiedene Bewältigungsstrategien. Zudem lernen Betroffene auch, diese Strategien anzuwenden. Denn diese Strategien ermöglichen es ihnen, mit den stressigen Situationen umzugehen, die sie in der Informationsphase klar benannt haben.

Das heißt auch, dass Patienten in dieser Phase lernen, soziale Unterstützung effektiver zu finden, zu nutzen und kontinuierlicher zu gebrauchen. Aus diesem Grund werden in der Therapie auch Rollenspiele angewandt, um die Anwendung der eben erlernten Strategien zu üben. Weiterhin umfasst diese Phase, dass Betroffene ihrem Therapeuten Feedback dazu geben, wie sie mit ihren neuen Strategien umgehen.

Therapeutin mit Patientin

Anwendungsphase

Diese Phase zeichnet sich durch verschiedene Ziele aus. Eines davon ist, die neuen Strategien in die Praxis umzusetzen. Der Patient sollte die Nützlichkeit seiner neuen Fähigkeiten testen und Probleme beheben, die während der Übungsphase auftreten. Diese Phase ist mit der vorherigen Phase verbunden. Um nämlich eine Fähigkeit zu erwerben, müssen wir diese zuerst in Therapiesitzungen mit einem Therapeuten erarbeiten und dann in realen Situationen anwenden.

Wie wir sehen können, ist das Stressimpfungstraining eine Technik, die sehr komplex ist. Aber es gibt uns eine Reihe von Bewältigungsstrategien an die Hand, um mit Stress fertig zu werden. Dieses Training besteht aus drei Phasen und kann sich positiv auf unsere Fähigkeit zur Stressbewältigung auswirken.

  • Meichenbaum, D. H., & Deffenbacher, J. L. (1988). Stress Inoculation Training. The Counseling Psychologist. https://doi.org/10.1177/0011000088161005
  • Meichenbaum, D. (2017). Stress inoculation training: A preventative and treatment approach. In The Evolution of Cognitive Behavior Therapy: A Personal and Professional Journey with Don Meichenbaum. https://doi.org/10.4324/9781315748931
  • Meichenbaum, D. (1996). Stress Inoculation Training for Coping with Stressors. The Clinical Psychologist.
  • Meichenbaum, D., & Novaco, R. (1985). Stress inoculation: A preventative approach. Issues in Mental Health Nursing. https://doi.org/http://dx.doi.org/10.3109/01612848509009464