Klimakummer: Was ist das?

Wir leben in schwierigen Zeiten und machen uns Sorgen um die Zukunft. Deshalb leiden immer mehr Menschen an Klimakummer. Erfahre heute mehr über dieses Thema.
Klimakummer: Was ist das?

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 22. Juni 2022

Trauer ist eine emotionale, kognitive und physiologische Reaktion, die Menschen angesichts eines großen Verlustes erleben: Wir trauern um eine Person, ein Tier, ein Objekt, eine Situation, die Natur… Es kann sich um einen bereits erlebten oder um einen zukünftigen Verlust handeln. Die Wut und Hoffnungslosigkeit aufgrund der fortschreitenden Zerstörung unseres Planeten und die daraus resultierenden klimatischen Veränderungen können Klimakummer verursachen. Es handelt sich um ein überwältigendes Gefühl des Verlustes.

Klimakummer: Was ist das?

Was ist Klimakummer?

Wir sprechen von einer Reaktion auf den Verlust von Arten, Ökosystemen und Landschaft, der durch den Klimawandel verursacht wird. Diese Situation kann Traurigkeit und das Gefühl des Verlustes der natürlichen Umwelt auslösen. Angst und Sorgen um die Zukunft führen zu Hoffnungslosigkeit und fehlender Motivation.

Es geht nicht nur um den direkten Verlust von Natur, sondern auch um unvorhersehbare Veränderungen der Lebensweise. Cunsolo und Ellis (2018) identifizieren drei Auslöser, die zu Klimakummer führen können:

  • Ökologische Verluste und damit Veränderungen der Lebensform und Kultur.
  • Störungen im Wissenssystem der Umwelt und das daraus resultierende Gefühl des Identitätsverlusts.
  • Die zukünftigen Verluste von Orten, Ländern, Pflanzen- und Tierarten sowie Kulturen.

Der Klimakummer kann also direkt aus dem Verlust der Umwelt resultieren, aber auch durch den Verlust von Wissen, Kultur und Identität in Bezug auf einen bestimmten Ort oder den Zustand des Planeten als Ganzes entstehen.

Der Klimakummer und seine Symptome

Die Symptome sind ähnlich wie die der normalen Trauer. Sie äußern sich durch körperliche Empfindungen, Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen, die es der Person ermöglichen, die Trauer zu verarbeiten, die sie erlebt.

  • Bei den körperlichen Empfindungen können wir Symptome wie Leere im Magen, Druck in der Brust und im Hals, Überempfindlichkeit gegenüber Lärm, Depersonalisierung, Kurzatmigkeit, Muskelschwäche, Energiemangel und Mundtrockenheit feststellen.
  • Emotionen sind die Protagonisten eines jeden Trauerfalls. Dazu gehören Depression, Wut, Angst, Einsamkeit, Erleichterung, Nostalgie, Schuld, Hilflosigkeit, Eifersucht und Ohnmacht.
  • Auch die Gedanken spielen eine zentrale Rolle, da sie die Intensität der Gefühle verstärken können. Hier finden wir zwanghafte Gedanken, Albträume und die aktive Suche nach Strategien, um zu vermeiden, an das Geschehene zu denken.
  • Auf der Verhaltensebene schließlich finden wir die folgenden Erscheinungsformen: Seufzen, Weinen, Schlaf- oder Essstörungen, Hyper- oder Hypoaktivität, soziale Isolation und abgelenktes Verhalten.

Die 5 klassischen Phasen der Trauer

Elisabeth Kübler-Ross hat fünf Phasen der Trauer vorgeschlagen, die die meisten Menschen durchlaufen. Wir schauen uns diese Phasen im Bezug auf den Klimakummer etwas genauer an:

1. Leugnen

Die leidende Person weigert sich, wissenschaftliche Beweise für den Klimakollaps zu akzeptieren, da sie die Folgen fürchtet. Manche leugnen, dass die globale Erwärmung ein Problem ist und ignorieren die möglichen Folgen solcher Veränderungen.

2. Wut

Aufgrund der Untätigkeit der Regierung, das mangelnde Interesse oder die Verantwortungslosigkeit der Verantwortlichen entsteht Wut. Sie ist normal, natürlich und gesund. Es handelt sich um eine angemessene Antwort auf viele besorgniserregende und beunruhigende Situationen.

3. Feilschen und Verhandeln

In dieser Phase versucht die Person, die Auswirkungen des Klimawandels zu verringern, und führt einen umweltfreundlichen Lebensstil. Sie versucht, sich dadurch besser zu fühlen, um den Verlust durch Wunschdenken und symbolische Bemühungen zu vermeiden.

4. Depressionen

Wenn der Klimakummer unerträglich wird, kann sich eine Depression entwickeln. In diesem Stadium erkennt die Person die Realität und ihre beängstigenden Folgen. Sie fühlt sich hilflos und hoffnungslos, denn sie sieht keine Lösungsmöglichkeiten.

5. Akzeptanz

In dieser Phase akzeptiert die Person die Unvermeidbarkeit des Klimawandels, die Schwere der Auswirkungen, und ist bereit, nach Lösungen zu suchen. Akzeptanz bedeutet, sich der Wahrheit zu stellen, die komplexen Gefühle zu akzeptieren und gleichzeitig funktional und mit der Welt in Kontakt zu bleiben.

Frau hat Klimakummer

Klimakummer bewältigen

Worden (2004) beschreibt vier Aufgaben, die in jedem Trauerprozess hilfreich sind. Wir wenden diese auf die klimabedingte Traurigkeit an:

  • Die Realität des Klimaschadens akzeptieren: Es geht darum, die Realität der Umweltkrise anzuerkennen. Ein Teil dieser Aufgabe besteht darin, die Tatsache zu akzeptieren und sich damit abzufinden, dass die Auswirkungen des Verlustes unvermeidlich sind.
  • Den Schmerz verarbeiten: Der drohende Verlust von Ökosystemen, Arten und Landschaften ist schmerzhaft und löst verschiedene Emotionen (Wut, Traurigkeit, Schuldgefühle, Verzweiflung usw.) aus. Ziel dieser Aufgabe ist es, Raum für diese Gefühle zu schaffen, anstatt sie zu verdrängen oder zu vermeiden.
  • Anpassung an die neue klimatische Realität: Die Anpassung an die Umwelt umfasst sowohl externe als auch interne Aufgaben. Das heißt, Anpassungen daran, wie der Verlust der Umwelt das Selbstbild, die Werte und persönlichen Überzeugungen beeinflusst. Äußere Anpassungen beziehen sich auf die Aufgaben des täglichen Lebens inmitten von Krisen und Umweltverlusten.
  • Den mentalen Raum neu organisieren und Orte finden, an denen wir uns wohlfühlen: Das Ziel ist, sich neu zu orientieren. Es geht in diesem Fall um die Beziehung zum Ökosystem, die neu interpretiert werden muss, um einen Weg zu finden, trotz der Ereignisse, Gefühle und Verluste.

Wie bei allen Arten der Trauer erlebt jeder den Klimakummer auf seine eigene Weise: Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg. Wenn dieser Zustand das tägliche, berufliche, soziale und zwischenmenschliche Leben erheblich beeinträchtigt, solltest du unbedingt psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen.

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  • Cunsolo, A., & Ellis, N. R. (2018). Ecological grief as a mental health response to climate change-related loss. Nature Climate Change, 8(4), 275.
  • Mejía, M. P., & Fernández Fuente, S. (2012). La culpa en el duelo. https://revistas.ucatolicaluisamigo.edu.co/index.php/poiesis/article/view/331
  • Worden, J. W., Aparicio, Á., & Barberán, G. S. (2013). El tratamiento del duelo: asesoramiento psicológico y terapia. Barcelona: Paidós.