Kick it like Beckham: Der Kampf um die Integration

18. Dezember 2018

Wir leben in einer zunehmend globalisierten Welt, in der interkulturelle Unterschiede verschwimmen. Dabei müssen wir uns bemühen, die Besonderheiten, die den Einzelnen ausmachen, als eine Bereicherung zu begreifen, um ein Gleichgewicht und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Kick it like Beckham  gibt ein Beispiel dafür, wie kulturelle Integration erfolgen kann und wie sich die Gesellschaft im Laufe der Zeit verändert.

Kick it like Beckham  ist ein britischer Film, der im Jahre 2002 veröffentlicht wurde. Regie führte Gurinder Chadha, eine britische Regisseurin indischer Abstammung. Gurinder Chadha hat im Laufe ihrer Karriere versucht, die kulturelle Vielfalt Europas in ihren Filmen und Dokumentationen festzuhalten. Inspiriert von ihren eigenen Erfahrungen, versucht sie in ihren Werken, sowohl britisch als auch indisch zu bleiben. So wie in Kick it like Beckham.

Bis vor Kurzem schien es, als ob das Kino ausschließlich das Reich der weißen Männer wäre, und bis heute gibt es nur wenige weibliche Regisseurinnen. Der Film Kick it like Beckham  erzählt deshalb nicht nur eine Geschichte über die Versöhnung der Kulturen, sondern auch über eine Welt, in der Frauen in den Hintergrund gedrängt werden. Nicht die des Films, sondern die des Fußballs.

Kick it like Beckham  ist keine komplizierte Geschichte. Sie ist einfach, unterhaltsam und angenehm anzuschauen. Sie hat die typischen Zutaten einer romantischen Komödie, macht sich über Stereotype lustig und zeichnet ein Porträt einer neuen Generation, die eine Fusion vieler Kulturen genießt.

„Wenn sie im Moment lieber Fußball spielt als Jungs zu jagen, freue ich mich für sie.“

Jules‘ Vater

Kick it like Beckham: Zwei Welten

Kick it like Beckham  spielt in London, in den frühen 2000er Jahren, also in einer Zeit, in der der Fußballspieler David Beckham eine Ikone war. Die Stadt London ist zudem ein Paradebeispiel für Multikulti. Die Stadt bringt unzählige Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Realitäten zusammen. Im Mittelpunkt des Films stehen zwei junge Fußballfans unterschiedlicher Herkunft: Jesminder, Jess genannt, ist ein Mädchen sikhischer Herkunft, und Jules ist ein britisches Mädchen.

  • Jess‘ Familie ist eine traditionelle Sikh-Familie, zu der neben Jess auch deren Eltern und ihre ältere Schwester gehören. Diese Familie ist ihrer Kultur und ihren Werten treu und man wünscht sich, dass die Tochter einen festgelegtem Weg folge, auch wenn Jess das nicht will.
  • Jules‘ Familie ist eine typische westliche Familie mit einem viel individualistischeren Ansatz, die nur aus Jules und ihren Eltern besteht. Trotzdem sehen wir, dass die Werte ihrer Eltern, insbesondere die ihrer Mutter, nicht mit den Werten von Jules Hand in Hand gehen.
Frauen in indischen Kleidern auf dem Fußballplatz

Diese kulturellen Unterschiede führen zu einigen lustigen Situationen, besonders bei Jules‘ Mutter, die sich für eine moderne und offene Frau hält, aber sehr stereotyp ist. Sowohl Jess als auch Jules müssen sich ihrer Umgebung und ihren Familien stellen, um ihren Traum, Profifußballerin zu werden, zu verwirklichen. Der Fußball vereint diese beiden jungen Frauen und bringt ihre Kulturen zusammen.

„Wann wirst du erkennen, dass du eine Tochter mit Brüsten hast, keinen Sohn? Kein Junge wird mit einem Mädchen ausgehen wollen, das mehr Muskeln hat als er.“

Jules‘ Mutter

Jess hat es schwer, mit ihrer Familie zu kommunizieren und ihnr die Wahrheit zu sagen. Alle erwarten, dass sie aufs College geht und eine großartige Anwältin wird. Ihre Familie hat viel Mühe gehabt, ihren Töchtern eine Ausbildung zu ermöglichen, berücksichtigt aber nicht, dass das Jess vielleicht keine Erfüllung bringt. Ihre Eltern haben viele Erwartungen und neigen dazu, jegliche Veränderungen und andere Wege abzulehnen.

„Mutter, nur weil ich einen Trainingsanzug trage und Sport treibe, bedeutet das nicht, dass ich eine Lesbe bin!“

Jules

Kick it like Beckham

Die Themen Ehe und Sexualität sind in beiden Familien wichtig. Jules‘ Mutter tut alles, um ihre Tochter weiblich zu erziehen und nicht zu einem Wildfang werden zu lassen. Trotz ihrer angeblichen Vorstellung von einer „modernen und toleranten Frau“ macht sie sich Sorgen um Jules‘ sexuelle Orientierung. Sie sagt, dass sie Homosexualität akzeptiere und denkt nicht, dass sie falsch sei, aber sie will sie nicht in ihrer Familie wissen.

Jess‘ Familie hingegen möchte, dass ihre Tochter der Tradition folgt und einen jungen Inder heiratet, genau wie ihre Schwester. Wir sehen, dass die Rolle der Frauen und die Idee einer arrangierten Ehe in ihrer Kultur eine andere Bedeutung hat als in der westlichen. Dennoch haben beide Mädchen eine andere Mentalität als ihre Eltern.

„In deinem Alter war ich bereits verheiratet. Aber du willst nicht einmal lernen, wie man kocht.“

Jess‘ Mutter

Fußball als Bindeglied

Der Sport sollte es uns ermöglichen, unsere Unterschiede hinter uns zu lassen und uns als Menschen zu vereinen, aber das ist nicht immer einfach. In Kick it like Beckham  sehen wir, wie der Fußball Jules und Jess verbindet. Aber die Wahrheit ist, dass wir auch eine weniger positive Wirkung des Sports erkennen können.

Fußball ist ein Sport, der in der Lage ist, eine ganze Nation zu lähmen oder sie zu mobilisieren. Dies geschieht jedoch nur, wenn wir über den Männerfußball sprechen. Der Frauenfußball ist der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung leider fast unbekannt. Er erscheint kaum in den Medien. Er ist eine Welt, die wir kaum kennen, und die Unterschiede in den Spielergehältern sind erstaunlich. Wir wissen mehr über die Herrenmannschaften der zweiten Liga als über die Frauenmannschaften der ersten Liga.

Die Protagonisten dieses Films streben nach Respekt in einem von Männern dominierten Sport und müssen sich nebenbei mit ihren Familien auseinandersetzen. Viele der Szenen laden uns ein, über die Rolle von Frauen im Sport nachzudenken, denn es scheint, dass Frauen sich weiterhin nur im Synchronschwimmen oder in der Gymnastik hervorheben könnten.

„Indische Mädchen spielen keinen Fußball.“
„Das ist sehr altmodisch, nicht wahr?“
„Ja, aber es ist keine rein indische Angelegenheit. Wie viele Menschen unterstützen uns?“

Jess und Jules

Keira Knightley und Parminder Nagra

Irgendwann sehen wir, wie die Jungen darüber fantasieren, wie sich die Mädchen wohl in der Umkleide geben würden, und der Film zeigt das auf ganz natürliche Weise. Die Mädchen, wie die Jungs, ziehen sich leise um und sprechen über alle möglichen Dinge, vom Fußball selbst bis hin zur Menstruation. In der Umkleide gibt es keine Tabus. Die Mädchen benehmen sich wie sie selbst.

Zuerst fühlt sich Jess etwas unsicher, weil sie anders ist. Sie fühlt sich so, obwohl sie damit aufgewachsen ist, im Park Fußball zu spielen und wie alle anderen Beckham zu bewundern. Sie glaubt, dass alle Mädchen ihre Entscheidung, Fußball zu spielen, verstehen und unterstützen. Und als sie Jules‘ Realität kennenlernt, versteht sie, dass sie sich gar nicht so sehr unterscheiden.

Kick it like Beckham  ist ein guter Film, den das Publikum genießt. Er zeigt uns die Möglichkeit eines harmonischen Zusammenlebens zwischen verschiedenen Kulturen. Darüber hinaus macht er uns auf den Kampf des Frauenfussballs aufmerksam, der den meisten Bürgern völlig unbekannt ist. Kurz gesagt, es ist ein Film, der uns einlädt, andere Kulturen anzunehmen und zu verstehen, dass unsere Realität nicht mehr die gleiche ist wie vor einigen Jahren.

„Ich will, dass sie kämpft und dass sie gewinnt. Ich glaube nicht, dass jemand das Recht hat, das zu verhindern.“

Jess‘ Vater