Die Vergangenheit ruhen lassen – eine gute Idee für die Beziehung?

12. März 2018 en Emotionen 98 Geteilt
Die Vergangenheit ruhen lassen und den Neuanfang wagen? - Verlobtes Paar

Sagen wir, du hattest mehrere Auseinandersetzungen mit deinem Lebenspartner. Hast viele Enttäuschungen erlebt. Nun kommt unvermeidlich die Frage auf: Lohnt es sich, die Beziehung fortzuführen? Oder ist es besser, das Buch zu schließen und von vorn anzufangen? Nehmen wir nun an, du entscheidest dich, die Beziehung fortzuführen und möchtest dazu die Vergangenheit ruhen lassen. Ist das eine gute Idee? Kann alles wieder so werden, wie es vorher war?

Um die Antwort zu finden, müssen wir mehrere Faktoren in Betracht ziehen. Dazu zählen der Stand der Beziehung und die Intensität dieser Diskussionen oder Auseinandersetzungen. Ein weiterer Punkt ist die Frage, ob es noch eine Grundlage der einvernehmlichen Liebe und des Respekts gibt oder nicht.

„Schmerz ist unvermeidlich. Leiden ist Entscheidungssache.“

Buddha

Die erste Herausforderung: uns selbst kennen

Wie verhalten wir uns, wenn wir wütend werden? Kämpfen oder flüchten wir? Wie reagieren wir, wenn uns unser Partner verletzt? Bevorzugen wir es, den Partner zu küssen und uns mit ihm zu versöhnen, oder doch allein gelassen zu werden? All diese Belange sind wichtig. Wenn wir uns selbst nicht kennen, wird es uns schwerfallen, aufeinander zuzugehen.

Die meisten Menschen denken, dass sie sich selbst gut kennen. Wenn dies jedoch wahr wäre, würden viele Menschen viel weniger Schmerz erfahren. Wie es aussieht, wählen viele bevorzugt die Optionen, die sie direkt zu einem bedeutungslosen Schmerz führen. Sich selbst kennenzulernen ist tatsächlich ein schwieriges Unterfangen.

Mann, der in einen Spiegel blickt

„Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, muss ich direkt ins Fitnessstudio gehen, um Stress abzubauen“  oder „Fußball ist meine Leidenschaft. Ich muss mir die Spiele meiner Mannschaft ansehen, sonst wache ich am nächsten Tag schlecht gelaunt auf“  sind Ansagen, die bestimmt nicht auf alle Menschen zutreffen, aber in einigen Beziehungen für mehr Verständnis sorgen könnten. Denn wenn wir mit dem aufhören, was uns glücklich macht, leidet die Beziehung. Wenn wir merken, dass wir nicht zufrieden sind, werden wir schnell wütend – und das wird unser Partner wahrscheinlich zu spüren bekommen.

Wenn wir eine kleine Selbstanalyse durchführen, könnte sich die Beziehung deshalb wesentlich verbessern. Wenn sich jeder darüber im Klaren ist, was er will und braucht, können in Diskussionen positive Ergebnisse erzielt werden. Warum sollte man nicht sagen können: „Ich hätte gern, dass du mich nach einer Auseinandersetzung für ein paar Minuten alleine lässt. Sonst kann ich mich nicht beruhigen.“

Wann ist es möglich, von vorn anzufangen?

Zu vergeben und in der Beziehung voranzukommen sind sehr verschiedene Dinge. Du kannst jemandem vergeben und dich trotzdem von ihm trennen. Und es ist ein Fehler, zu denken, ein Neuanfang bedeute, dass alles leicht sein werde. Das wäre so, als glaube man daran, dass eine zerbrochene Vase mit Magie wieder gekittet werden könne. Wir müssen Zeit und Mühe investieren, damit es wieder funktioniert.

Der günstigste Moment, um diese Idee in die Tat umzusetzen, ist der, in dem der Wunsch nach Veränderung und Vorankommen größer ist, als der bisher erfahrene Schmerz. Wenn du nicht bereit bist oder nicht das Gefühl hast, Veränderungen bewirken zu können, ist es besser, zu gehen.

Du kannst in der Beziehung nur Veränderungen einleiten, wenn ihr beide davon ausgeht, dass ihr ein Teil des Problems seid. Es ist wichtig, das Gefühl zu haben, dass ihr euch beide in dieselbe Richtung bewegt und nicht seitwärts.

  • Hört auf, den jeweils anderen zu kritisieren. Diskutiert über notwendige Veränderungen, ohne einander Vorwürfe zu machen. Feindseligkeit, Wut und Verdrängung machen die Situation nur noch schlimmer. Das Eingestehen von Fehlern hilft dabei, Konflikte zu lösen. Jede Person muss ihren Teil der Verantwortung übernehmen.
  • Die Probleme zu leugnen und weiterhin so zu tun, als sei alles in Ordnung, schmälert die Bemühungen. Wir können nur ändern, wessen wir uns bewusst sind.
  • Schlagt Lösungen vor. Jede Person sollte ihre Perspektive auf das Problem und eine mögliche Lösung beschreiben. Seid initiativ und kreativ. Egal, wie verrückt eure Ideen auch sein mögen, sie könnten der richtige Weg sein. Oder sie könnten euch in einer ernsten Situation zumindest zum Lachen bringen.
  • Hebt die positiven Aspekte der Beziehung und eurer selbst hervor. Seht, wie weit ihr es gemeinsam gebracht habt, was ihr aufgebaut habt, was ihr noch erreichen wollt. Findet die geteilte Stärke, die ihr besitzt.

Seid vorsichtig! In dieser Situation sind Ansprüche und Erwartungshaltungen fehl am Platz, weil sie Barrieren aufbauen. Nicht alles kann mit ja beantwortet werden. Ihr müsst Grenzen setzen und lernen, nein zu sagen. In diesem Sinne ist das Durchsetzungsvermögen für das Kräftegleichgewicht in der Beziehung grundlegend.

Paar auf dem Feld

Wenn du ein anderes Ergebnis möchtest, tu etwas anderes

Manche Entscheidungen, die wir treffen, lassen auf einen Widerwillen gegen einen Neuanfang schließen. Der häufigste Fehler ist es, nichts an der Beziehung zu verändern, sich von der Trägheit tragen zu lassen und in der Komfortzone zu verweilen – und darauf zu hoffen, dass alles wie von Geisterhand besser wird.

Rachegefühle sind gefährlich und Gift für diejenigen, die nach Vergeltung gieren. Antworte nicht auf Verletzungen, indem du versuchst, deinen Partner im Gegenzug gleichermaßen zu verletzen. Dem anderen das Leben unmöglich zu machen ist weder Liebe, Respekt noch Zuneigung. Ebenso ist es kein guter Weg, um Mitgefühl zu entwickeln, das für das Vorankommen wichtig ist.

Eine weitere gefährliche Situation entsteht, wenn nur eine Person die Beziehung in Einklang bringen will. Eine Beziehung bedeutet Teamwork, auch in schweren Zeiten. Beide müssen etwas zum gemeinsamen Ziel beitragen. Niemand sollte die Arbeit allein durchführen müssen. Und kann es auch nicht.

Sich Zugeständnisse „der Kinder halber“ zu machen oder „weil das immer so war“, ist ungesund. Die einfache Tatsache ist, dass unter einem Dach zu wohnen kein Synonym dafür ist, eine glückliche Familie zu sein. Wenn es den Eltern gut geht, geht es den Kindern gut, und nicht umgekehrt.

Zu guter Letzt, wenn du mit deinem Partner zusammenbleibst, aus Angst, weil du dich allein fühlst oder emotional abhängig bist, verurteilst du dich selbst. Dein Glück befindet sich in dir, nicht in anderen. Zumindest trifft das auf das dauerhafte Glück zu. Es ist gut, einen Weg gemeinsam zu gehen, jedoch nicht, dabei aneinander gebunden zu sein. Andernfalls zehren die innerlichen Spannungen an uns und erlauben uns nicht, die Schönheit des Lebens zu genießen.

In jedem Fall muss die Entscheidung, die du triffst, dich glücklich machen. Sie muss als Aufschwung dienen, damit sich die Beziehung verbessern kann. Und wenn ihr euch diesbezüglich einig seid, dann könnt ihr tatsächlich die Vergangenheit ruhen lassen und einen Neuanfang wagen. Nichts kann so werden, wie es vorher war. Aber es kann besser werden.

Auch interessant