Die Schwierigkeit, sich selbst zu kennen

5, Mai 2017 en Psychologie 157 Geteilt

Um frei zu leben, ist es nötig, sich selbst zu kennen. Und hier meine ich nicht nur Namen, was man gern zum Frühstück isst, usw. Ich meine genau die Kenntnisse unserer selbst, die für uns am schwersten anzuschauen sind und die uns wehtun, wenn uns andere auf sie aufmerksam machen.

Jeder kennt Gefühle wie Neid, Arroganz und Feigheit. Beobachte und frage dich selbst: Was macht mich wütend? Lasse ich meine Gefühle frei heraus und nutze deren Kraft sogar aus, um das zu bekommen, was ich will? Oder verstecke ich sie stattdessen unter einer Maske von Steifheit, rationalisiere die Situation auf einem oberflächlichen Level und ignoriere dabei all die Emotionen, die die Wand einreißen könnte, die wir über die Jahre mit so viel Schmerz errichtet haben? Könnte ich mich selbst lieben, obwohl ich negative Emotionen verspüre und ausdrücke? Oder würde mich das mit Schuld, Scham und Angst erfüllen? Was würde mir durch den Kopf gehen, wenn mich andere in diesem Zustand sehen würden? 

Wir fahren mit der Wut fort: Stell dir für einen Moment vor, dass du dich in einer dieser Situationen befindest, in denen sich dein ganzer Körper mit Wut füllt, wenn du auch nur an sie denkst. Halte jetzt für eine Weile an dieser Empfindung fest, ohne über sie zu urteilen oder dich in einen inneren Streit zu verwickeln. Schau dir genau an, wie du dich verhältst, welche Gedanken dir kommen und was genau hinter dieser Wut, diesem Zorn, steckt.

Vielleicht wirst du antworten: „Was für eine unverantwortliche Person das ist. Bla bla bla…“  Allerdings interessiert es momentan nicht wirklich, was die andere Person getan hat. Die Informationen, die wir besitzen, sind das Resultat unserer Interpretation der Taten anderer, und diese bringt uns dazu, zu denken, dass uns dieser Mensch Schaden zufügen wollte.

Verspüren wir oft das Gefühl, dass andere uns schaden wollen, oder fühlen wir, dass andere zu viel verlangen? Oder vielleicht fühlen wir uns ungerecht behandelt, ersticken in unseren Verantwortungen, haben das Gefühl, machtlos zu sein. Wie gestaltet sich unser innerer Dialog unter solchen Umständen? Je tiefer du gehen kannst, desto mehr Klarheit und Antworten wirst du erreichen.

Während dieser explorativen Phase können wir entdecken, wie tief verwurzelt unsere Verhaltensweisen und angenommenen Gewohnheiten sind. Oft haben wir schon in unserer Kindheit gelernt, wie wir auf Reize reagieren. Denn als die Kinder, die wir waren, fehlten uns bestimmte Fähigkeiten, um unsere Sehnsüchte zu stillen, und deshalb nahmen wir alternative Wege. Wenn wir einmal unsere Art, zu reagieren, verstanden haben – und auch die Angst und das fundamentale Verlangen, was immer hinter der Wut steckt – ist es leichter, aus ihrer Falle zu entkommen. Wir sind keine Kinder mehr, wir können die Zügel in die Hand nehmen, uns um unsere Bedürfnisse kümmern, ohne auf jemand anderen zu warten, der das tut.

Kurz gesagt: Genau so gewinnen wir Stück für Stück unsere Freiheit zurück, verstehen den Sinn unserer Emotionen, können ihnen zuhören, unsere automatischen Reaktionen durch bewusste Entscheidungen ersetzen, die vom ultimativen Wissen über das, was uns tatsächlich widerfährt, inspiriert sind. Um frei zu leben, müssen wir wissen, wer wir sind, und dem Weg, der von unserem Wesen inspiriert ist, folgen. Sich selbst zu kennen ist essenziell, um glücklich zu sein.

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