Jemanden zu hassen hindert dich daran, dich von diesem Menschen zu befreien

Es ist menschlich, Groll gegen jemanden zu hegen, der einen verletzt hat. Aber dieses Gefühl kann dich weitaus mehr beeinträchtigen und gefangen nehmen, als du vielleicht vermutest. In unserem heutigen Artikel erfährst du, wie du dich davon befreien kannst!
Jemanden zu hassen hindert dich daran, dich von diesem Menschen zu befreien

Letzte Aktualisierung: 16. Juni 2021

Die meisten Menschen vertreten die Auffassung, dass Hass das Gegenteil von Liebe ist. Vielleicht denkst du, dass du nichts weiter tun musst, als einen Menschen zu verabscheuen und einen Groll gegen diese Person zu hegen, wenn du ernsthaft verletzt oder betrogen wurdest. Denn was sonst würde dieser Mensch verdienen, oder nicht? Nun, ganz so einfach ist das nicht. Manchmal ist es schwer, der kalten und harten Realität ins Auge zu blicken: Jemanden zu hassen hält dich davon ab, dich von ihm zu befreien. Die einzige Möglichkeit, diesen Menschen loszulassen, besteht darin, ihm oder ihr zu vergeben und dich von dieser Erfahrung als Ganzes zu lösen.

Da jeder Mensch seine eigenen Bewältigungsmechanismen und -strategien hat, reagiert jeder Einzelne auch anders auf Beleidigungen oder Verletzungen. Obwohl es richtig ist, dass Wut zu bestimmten Zeiten funktionaler sein kann als Traurigkeit, da dir erstere den Antrieb und die Kraft geben kann, die du benötigst, um weiterzumachen, solltest du dennoch wachsam sein. Wenn du dieses Gefühl nämlich für einen längeren Zeitraum in dir aufrechterhältst, vergiftet es letztendlich nur deine Seele. Und hält dich weiterhin in dieser schmerzhaften Vergangenheit gefangen.

Warum hassen wir?

Denke einmal an die Menschen, die du hasst oder irgendwann in deinem Leben gehasst hast. Es handelt sich nicht einfach um x-beliebige Menschen, richtig? Stattdessen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie eine wichtige Rolle in deinem Leben spielen oder einmal gespielt haben.

Hass ist eine sehr intensive Emotion, die bei den meisten Menschen nur durch eine ganz bestimmte Art von Reiz ausgelöst wird. Grundsätzlich hassen wir, wenn wir uns angegriffen oder ausgenutzt fühlen oder wenn jemand unsere physische oder psychische Integrität angreift.

Mit anderen Worten, wir hassen nicht einfach “irgendjemanden”, richtig? Denke einmal darüber nach. Wahrscheinlich hast du die Person, für die du heute Hass empfindest, in der Vergangenheit auf ein Podest gestellt, entweder weil du eine große emotionale Bindung zu diesem Menschen hattest oder weil er auf die eine oder andere Weise eine gewisse Autorität oder Macht über dich hatte. Daher glauben viele Menschen, dass es vollkommen in Ordnung ist, diese missbräuchlichen und vernachlässigenden Eltern zu hassen, diesen gemeinen Lehrer, der dein Selbstwertgefühl beeinträchtigt hat, oder die Person, die versprochen hat, sich um dich zu kümmern und das genaue Gegenteil getan hat.

jemanden hassen - verzweifelte Frau

Hass ist nichts anderes als eine Verurteilung. Jemanden zu hassen gibt uns das Gefühl, dass wir “ein Richter” sind und dass wir das Recht haben, den anderen für sein Fehlverhalten zu be- und zu verurteilen. Aber wir glauben nicht nur, dass diese Menschen eine Strafe verdienen, sondern nehmen die Dinge selbst in die Hand und möchten diese Bestrafung selber realisieren. Dies führt dann letztendlich zu Hass.

Jemanden zu hassen hindert dich daran, dich von diesem Menschen zu befreien

Zunächst einmal solltest du wissen, dass es absolut menschlich ist, hasserfüllte Gefühle gegenüber den Menschen zu haben, die dich sehr verletzt haben. Deine Emotionen sind vollkommen valide und du hast absolut das Recht, sie zu empfinden. Darüber hinaus ist es ebenfalls vollkommen verständlich, dass du das Bedürfnis hast, diesen Menschen zu bestrafen. Allerdings solltest du eines nicht außer Acht lassen. In Wahrheit bestrafst du dich nur selbst, wenn du einen anderen Menschen hasst.

Es heißt, einen Groll oder Ressentiments zu hegen ist so, als würde man brennende Kohlen in der Hand halten und darauf warten, dass der andere verbrannt wird. Und diese metaphorische Aussage ist vollkommen zutreffend. Denn letztendlich bist du derjenige, der jeden Tag mit dieser Dunkelheit im Inneren leben wird. Du bist derjenige, der den Schmerz und den Verrat, den dieser Mensch verursacht hat, weiterhin durchleben wird. Aber dadurch bleibst du auch weiterhin an die Person gekettet, obwohl du sie so sehr verabscheust. Infolgedessen werden die verletzenden Handlungen dieses Menschen auch weiterhin deine Gegenwart konditionieren und beeinflussen.

Wenn du derartig intensive und negative Gefühle über einen längeren Zeitraum aufrechterhältst, wird dies für dich selber zu einer großen emotionalen Belastung. Wenn du einen Menschen hasst, bleibst du an diese Person gebunden. Das bedeutet, dass du weiterhin Zeit und mentale Energie investierst, um über sie nachzudenken, anstatt dich selber ein für alle Mal zu heilen. Nur wenn du deine Erfahrung akzeptierst, vergibst und ihr eine neue Bedeutung zuschreibst, kannst du die Ketten sprengen, die dich noch immer an diesen Menschen binden.

jemanden hassen - verzweifelter Mann sitzt auf einem Sofa

Habe keine Angst davor, dich zu befreien!

Nicht alle Angriffe und Verletzungen wiegen gleich schwer. Infolgedessen wird auch die Befreiung davon in einigen Fällen komplizierter sein als in anderen. Aber in jedem Fall ist diese Befreiung eine sehr lohnende Anstrengung, die du selber unternehmen musst. Wenn du dich wirklich von diesen Verletzungen und somit auch von diesem Menschen befreien möchtest, besteht der erste und wesentliche Schritt darin, das Geschehene zu akzeptieren. Du musst also aufhören, dich dieser Vorstellung zu widersetzen und damit aufhören, zwanghaft darüber nachzudenken, dass die Situation anders sein müsste. Wenn du erkennst, dass du die Vergangenheit nicht ändern kannst und sie als Teil deiner Geschichte akzeptieren lernst, hast du einen großen Schritt gemeistert und bewältigt.

Anschließend solltest du die Erfahrung neu bewerten. Jeder Mensch hat die Fähigkeit, dasselbe Ereignis auf unterschiedliche Weise zu interpretieren und das solltest du nun tun. Anstatt dich auf den Schmerz und die Ungerechtigkeit zu konzentrieren, die diese Situation verursacht hat, konzentrierst du dich jetzt auf die Lektionen, die dich diese Erfahrung gelehrt hat. Denke daran, dass eine Erfahrung, egal wie schwierig sie auch sein mag, dir auf die eine oder andere Weise immer dabei hilft, zu wachsen und stärker zu werden.

Verzeihen, um dich zu befreien

Und dann solltest du diesem Menschen verzeihen. Allerdings ist dieser Schritt häufig der komplizierteste. Vielleicht glaubst du, dass du diesem Menschen dann alle Verantwortung für diese Situation absprichst, wenn du ihm oder ihr vergibst. Aber Vergeben bedeutet nicht, dass du die Handlungen an sich rechtfertigst. Wenn du dem anderen vergibst, befreist du dich von deiner eigenen Last, diesen Menschen weiterhin zu hassen. Wie du siehst, geht es bei Vergebung also nicht darum, das Vergangene einfach zu vergessen, sondern darum, zu verhindern, dass es dich weiterhin verletzt.

Es könnte dich interessieren ...
Warum sollten wir vergeben und Kapitel abschließen?
Gedankenwelt
Lies auch diesen Artikel bei Gedankenwelt
Warum sollten wir vergeben und Kapitel abschließen?

Warum sollten wir vergeben und mit etwas abschließen? Weil es etwas ist, das wir vor allem für uns tun, und nicht für andere.



  • Capella, C., & Gutiérrez, C. (2014). Psicoterapia con niños/as y adolescentes que han sido víctimas de agresiones sexuales: Sobre la reparación, la resignificación y la superación. Psicoperspectivas13(3), 93-105.
  • Luskin, F. (2008). Perdonar es sanar. Editorial Norma.