Das umgekehrte oder das positive Aber: Ein Weg, um negative Gedanken auszumerzen

Negative Gedanken sind nur selten hilfreich. Stattdessen erfüllen sie dich mit Zweifeln und Sorgen. In unserem heutigen Artikel erklärt der Psychologe Marcelo Ceberio eine hilfreiche Technik, mit der du dich von negativen Gedankenmustern befreien kannst.
Das umgekehrte oder das positive Aber: Ein Weg, um negative Gedanken auszumerzen

Letzte Aktualisierung: 25. Dezember 2020

Es gibt immer noch keine definitive Antwort auf die Frage, warum wir Menschen zu negativem und katastrophalem Denken über uns selbst und unsere Mitmenschen neigen. Wenn positives Denken besser für uns ist, warum bleiben negative Gedankenmuster dennoch bestehen? In unserem heutigen Artikel wollen wir über dieses Phänomen sprechen und dir eine hilfreiche Technik aufzeigen, mit der du dein Denken verändern kannst. Bist du bereit für das positive Aber?

Denke an all deine Stärken; rufe dir alles ins Gedächtnis, das du an dir selber magst. Alle deine Fähigkeiten, Fertigkeiten und wertvollen Eigenschaften. Jetzt denke einmal über die Tatsache nach, dass du dich häufig viel mehr auf deine Schwächen, charakterlichen Fehler und die Fähigkeiten konzentrierst, die du nicht hast, anstatt deine Stärken und deine positive Seite zu betonen. Die meisten Menschen tun das. Aber dies führt nur dazu, dass du dich wertlos fühlst. Und hier setzt das positive Aber an. Lies einfach weiter, um mehr darüber zu erfahren!

Das kognitive “Wesen”, das wir Gedanken nennen

Die Verhaltensweisen, die sich aufgrund dieser Gefühle entwickeln, werden von Kognitionspsychologen als “kognitive Verzerrungen” bezeichnet. Einige der Verhaltensweisen beziehen sich aufeinander, obwohl es dennoch subtile Unterschiede gibt. Der wichtigste Aspekt hierbei ist der Grad der Negativität und Abwertung, der in der Kognition, den Emotionen und Handlungen vorherrscht.

Viele dieser Ideen schleichen sich in deine Gedanken ein und verbreiten sich dort wie ein Lauffeuer. Sie übernehmen die Kontrolle über deinen Geist.

  • Zum Beispiel Gedanken, die mit Hilflosigkeit verbunden sind, wie “Ich werde das nicht schaffen”, “Ich bin nicht dazu in der Lage” oder “Das ist einfach viel zu viel für mich, das kann ich nicht bewältigen”.
  • Annahmen darüber, was andere Menschen denken, so als könntest du ihre Gedanken lesen. Beispielsweise “Diese Person starrt mich an. Vielleicht gefällt ihr nicht, was ich anhabe” oder “Diese Menschen sprechen über mich”.
  • Außerdem gibt es Menschen, bei denen ein winziges negatives Ereignis oder ein unbedeutender Kommentar all das Gute überlagern kann, was zuvor geschehen ist.
  • Darüber hinaus gibt es jene Menschen, die zwanghaft darüber nachgrübeln, was sie in bereits vergangenen Situationen hätten tun können oder sollen.
  • Gedanken, die eine negative oder katastrophale Zukunft vorhersehen.
  • Menschen, die sich permanent mit anderen vergleichen und jene, die die guten Dinge, die ihnen widerfahren, schlichtweg als gegeben hinnehmen, so als wären sie die Frucht der willkürlichen Natur des Lebens.

Im Wesentlichen führen viele Überzeugungen und Glaubenssätze zu einer Selbstentwertung. Darüber hinaus führen sie häufig dazu, dass du sowohl deine eigenen Fehler und unglücklichen Aspekte siehst als auch die von anderen.

Das eigentliche Problem dieser katastrophenfokussierten Kognition besteht darin, dass sie sich nicht nur auf das Denken beschränkt. Denn schon nach kurzer Zeit überträgt sie sich unvermeidbar auch auf deine Handlungen und die daraus resultierenden Emotionen. Und dies ist der Entstehungszeitpunkt einer unglücklichen sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Aber…

Wenn du dein Leben damit verbringst, zwanghaft darüber nachzudenken, was andere von dir denken und dir vorzustellen, dass jeder gegen dich ist, dann ist all das nicht gesund. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass negative Grübler misstrauisch und manchmal sogar paranoid sind.

Das Wort “aber” ist eines der Schlüsselwörter in ihrem Vokabular. Diese sprachliche Formel verwenden sie bei den meisten Aussagen, die sie treffen. “Aber“, “Es ist eine Schande, dass…“, “Obwohl”. Derartige Konjunktionaladverbien heben Affirmationen auf. Daher sind sie eine echte Falle.

“Aber” ist ein rigides Wort, das einen positiven Satz durchbricht. Schauen wir uns einige Beispiele dafür an. “Sie ist wirklich ein guter Mensch und kann Dinge gut annehmen, aber wenn sie wütend wird, dann wird sie schrecklich” oder “Wir hatten ein großartiges Wochenende, wir haben noch nicht einmal gestritten. Aber sie einen schlechten Charakter und ist ziemlich unhöflich”.

Das “Aber” negiert vollkommen alle positiven Aspekte, die im ersten Teil des Satzes genannt wurden.

Negative und auf Katastrophen fokussierte Menschen tun sich in der Regel sehr schwer damit, die Dinge in einem positiven Licht zu sehen. Wenn sie versuchen, etwas Positives zu sagen, machen sie diese Aussage normalerweise am Ende des Satzes wieder rückgängig. Infolgedessen wertet dieser Nachsatz all das ab, was sie zuvor gesagt haben.

Es ist nicht ganz einfach, diese Angewohnheit zu verändern

Darüber hinaus solltest du dir bewusst machen, dass sich dieses “Aber” auch gegen dich selber richten kann. Zum Beispiel “Ich bin froh, dass ich die Hausarbeit schnell erledigt habe, aber ich mache sie stets auf den letzten Drücker” oder “Ich übe wirklich viel, aber ich kann die Sprache immer noch nicht fließend sprechen, das ist wirklich eine Schande”.

Es ist schwer, die Gewohnheit zu durchbrechen, das Wort “aber” auf diese Weise zu benutzen, weil es deine Gedanken immer auf die negativen Aspekte richtet. Es ist wie eine Maschine, die du nicht stoppen kannst. Und diese Maschine führt dazu, dass sich alles stets wiederholt. Sie perpetuiert die negativen Punkte. Negatives Denken ist sehr träge und schwerfällig. Daher ist eine Hundertachtzig-Grad-Kehrtwende sehr schwierig. Dennoch ist sie nicht unmöglich.

Das positive Aber

Eine der effektivsten Möglichkeiten, dies zu tun, besteht darin, dies Schritt für Schritt umzusetzen. Darüber hinaus solltest du die Technik “das positive Aber” verwenden. Obwohl sich das vielleicht ein wenig merkwürdig anhören mag, kann diese Technik sehr hilfreich sein. Das Geheimnis besteht darin, dass du deine negativen Gedanken nicht unterdrücken musst. Im Gegenteil, du kannst sie einfach fließen lassen, sie loswerden und laut aussprechen. Der Unterschied besteht darin, dass du das Wort “aber” benutzt, sobald du deine negativen Gedanken ausgesprochen hast. Dies führt dann dazu, dass deine ursprünglich negativen Gedanken in eine positive Richtung gelenkt werden.

Dieser Mechanismus ähnelt dem, was du bisher getan hast. Allerdings verwandelt er deine Negativität in etwas Positives. Wir wollen dies an einigen Beispielen veranschaulichen, damit du besser verstehst, was genau damit gemeint ist:

  • “Meine Bronchitis war wirklich sehr schlimm und ich konnte für einige Tage nicht arbeiten, ABER ich konnte mich gut erholen. Es war wie ein Kurzurlaub, den ich dringend nötig hatte.”
  • “Ich hätte merken müssen, dass sie ein schlechter Mensch ist. Ich bin auf ihren Betrug hereingefallen und habe etwas Geld verloren. ABER es ist gut, dass ich nicht mehr Geld  investiert habe. Außerdem habe ich dadurch gelernt, in Zukunft etwas vorsichtiger zu sein.”
  • “Jeder starrt mich an, weil ich dieses bunte Blumenshirt trage. Vermutlich sagen sie alle, ich sähe lächerlich aus. ABER ich fühle mich wohl darin und mir gefällt es sehr gut. Ich bin frei. Sollen sie doch schauen, das interessiert mich gar nicht. Anstatt mir Gedanken darüber zu machen, was andere denken könnten, konzentriere ich mich lieber auf mich selbst.”

Das positive Aber: Wie kann dir diese Technik nützlich sein?

Bei der Technik “das positive Aber” geht es darum, eine Lektion in jeder Situation zu finden. Daher solltest du dich jedes Mal fragen “Was will mich diese Idee lehren?”, “Welche Botschaft will mir diese Situation vermitteln?” oder “Was kann ich aus diesem Szenario lernen?”

Diese einfache Technik löst eine Art Verhandlung zwischen der Unterbewertung deiner selbst und der Stärkung deines Selbstwertgefühls aus. Es ist schwierig, eine Gewohnheit abzulegen, die du schon für lange Zeit gepflegt hast. Daher ist “das positive Aber” ein erster Schritt, den du gehen kannst, um zu erkennen, dass nicht alles im Leben eine Katastrophe ist. Mithilfe dieser Technik wirst du lernen, dass nicht alles inhärent negativ ist. Stattdessen geht es darum, wie du die Dinge wahrnimmst.

Jetzt liegt es an dir! Versuche es mit drei “positiven Abers” und beobachte, wie du dich dabei fühlst!

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