Isadora Duncan, Biographie der Begründerin des modernen Tanzes

5. Juli 2019
Das Leben der Isadora Duncan war eine Mischung aus Talent, Rebellion und Tragödie. Sie revolutionierte nicht nur das klassische Ballett, sondern wagte es auch, frei zu denken und sich auszudrücken, egal, was andere über sie sagten.

Isadora Duncan war eine jener Frauen, die auf die Welt kamen, um alte Denkweisen zu durchbrechen. Sie gilt als Begründerin des modernen Tanzes und eine der faszinierendsten und revolutionärsten Persönlichkeiten der Kunstwelt. Darüber hinaus bewegten sich ihr Leben und ihr Tod im Bereich des Ungewöhnlichen.

Isadora Duncans Leben war auch von Schmerz und Tragödie geprägt. Diejenigen, die sie kannten, beschrieben sie als eine großzügige und mütterliche Frau. Für die Öffentlichkeit war sie immer jemand, die durch ihren Körper den Ausdruck von Gefühlen bis an die Grenzen brachte. Sie wurde auch als eine Frau gesehen, die immer sagte, was sie dachte.

„Mein Motto: grenzenlos.“

Isadora Duncan

Isadora Duncans Tanzstil war reines Gefühl. Sie wagte es, mit der Starrheit des klassischen Tanzes zu brechen und authentischere Bewegungen darzubieten.

In ihrer Autobiographie heißt es, dass sie sich in den Tanz verliebte, als sie die Bewegung der Wellen im Meer sah. Aus diesem Grund waren ihre Bewegungen frei und fließend, ausgestattet mit einem maximalen emotionalen Ausdruck, als ob sie sich von den Wellen des Meeres umhüllen ließe.

Isadora Duncan

Isadora Duncan: erste Lebensjahre

Ihr bürgerlicher Name war Dora Angela Duncan; sie wurde am 27. Mai 1877 in San Francisco (USA) geboren. Ihr Vater, Joseph Charles, war ein Bankier und Kreditgeber und ihre Mutter, Dora Gris, eine Musiklehrerin. Sie hatten vier Kinder und Isadora war die jüngste. Als sie noch sehr jung waren, ließ ihr Vater sie alleine.

Die Familie hatte mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. So begann Isadoras Mutter, Klavierunterricht zu geben, um die Kosten zu decken; später gründete sie eine Tanzschule. Die beiden älteren Kinder arbeiteten als Lehrer in der Schule ihrer Mutter. Im Alter von 10 Jahren beschloss Isadora, ihre Schulbildung zu unterbrechen und den jüngeren Schülern mit ihren Geschwistern Unterricht zu geben.

Später zog die Familie nach Chicago. Dort studierte Isadora klassischen Tanz. Aber ein Feuer zerstörte das Familienheim und sie mussten noch einmal umziehen, dieses Mal nach New York. In der Großstadt gelang es der jungen Isadora, einen Platz in einer Theatergruppe zu finden. Im Jahr 1898 starb der noch abwesende Vater bei einem Schiffbruch auf tragische Weise.

Isadora Duncan in Europa

Vielleicht wegen ihrer Bewunderung für die europäischen Klassiker der Musik war Isadora Duncan entschlossen, nach Europa zu reisen. Sie überzeugte ihre Familie, dies zu tun, obwohl die Migrationsbewegung damals in die andere Richtung ging: von Europa in die Vereinigten Staaten. Die Duncans ließen sich in London und später in Paris nieder.

Isadora widmete viel Zeit der Betrachtung der griechischen Kunst in den großen Museen Europas. Sie nahm mehrere der Posen, die sie in den Skulpturen sah, in ihren Tanz auf. Ihre bisherigen Erfahrungen und diese Erkenntnisse prägten ihren Stil, der die Geschichte des Tanzes für immer veränderte.

Isadora Duncan begann barfuß auf der Bühne zu stehen und war nur mit einer Tunika im griechischen Stil bedeckt. Sie trug auch ihr Haar offen und tanzte im Rhythmus von Kompositionen, die nicht zum Tanz bestimmt waren. Sie improvisierte und kreierte mitten auf der Bühne. Vorbei waren Tutus, Tüll und die starren Bewegungen des klassischen Tanzes.

Isadora Duncan: eine Revolutionärin

Wie erwartet, wurde sie in ihren Anfangstagen heftig kritisiert. In kurzer Zeit weckte sie jedoch die Bewunderung von Kennern und Kritikern.

Sie war nicht nur unbekümmert in der Welt des Tanzes, sondern auch in ihrem persönlichen Leben voller Skandale für die damalige Zeit. So beschloss Isadora Duncan, die Zwänge des Moments zu vergessen und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern zu sein.

Sie hatte viele Liebhaber. Einige von ihnen waren sehr berühmt. Es gab auch Gerüchte über ihre angebliche Homosexualität, aber dafür gibt es keine Beweise. Sie war eine für damalige Verhältnisse ungeheuer skandalöse Persönlichkeit. Bei einer Gelegenheit zog sie ihre Tunika aus, entblößte ihre Brust und forderte das Publikum in der Authentizität ihres Tanzes heraus.

In Argentinien tanzte sie die Nationalhymne des Landes in einer Bar. Sie war mit ihren Finanzen überhaupt nicht vorsichtig und musste in der Folge eine Hotelrechnung mit einem Pelzmantel und einigen Juwelen aus ihrem Besitz bezahlen. In den Vereinigten Staaten wurde sie wegen einer Ansprache, die sie vor der Öffentlichkeit gehalten hatte, verächtlich als „kommunistische Füchsin“ bezeichnet.

Isadora Duncan beim Tanz

Ein tragisches Ende

Der schwierigste Moment ihres Lebens ereignete sich zweifellos 1913. Ihre beiden noch kleinen Kinder starben, als das Fahrzeug, in dem sie unterwegs waren, einen Unfall an der Seine in Paris hatte. Es dauerte Jahre, bis sie diese Tragödie überwunden hatte.

Isadora Duncan bewunderte die russische Revolution und wurde von Lenin selbst eingeladen, in Russland zu leben und zu schaffen. Dort traf sie den Dichter Sergej Esenin, der 17 Jahre jünger war als sie, und heiratete ihn. Die Ehe war kurzlebig, wegen Esenins Alkoholismus, wodurch dieser isoliert in einer psychiatrischen Klinik landete und dort Selbstmord beging.

Zwei Jahre später, am 14. September 1927, starb Isadora Duncan. Sie trug einen langen Schal um ihren Hals. So stieg sie in ein Auto und hatte dabei so viel Pech, dass sich der Schal in einem der Reifen verfing. Es heißt, ihre letzten Worte seien „Ich werde lieben“ gewesen, was auf einen privaten Termin hindeutet, zu dem sie gehen wollte.

Unbekümmert, faszinierend und natürlich untypisch ist Isadora Duncan eine dieser unvergesslichen Gestalten, die wegen ihrer Tanzfähigkeit, aber auch wegen des Brechens mit Schablonen in die Annalen der Geschichte eingegangen ist. Soziale Schablonen, in die Frauen gezwungen wurden und Schablonen in der Kunstwelt, insbesondere die Starrheit des Tanzes.

  • Duncan, I. (2003). El arte de la danza y otros escritos (Vol. 19). Ediciones Akal.