Warum demonstrieren wir Frauen am 8. März?

6. Mai 2019

Warum demonstrieren wir Frauen am 8. März? Viele Menschen stellen sich diese Frage, Frauen wie Männer. Einige sagen, dass es im 21. Jahrhundert in unserem Land keine Diskriminierung von Frauen mehr gäbe oder sie nur anekdotisch auftreten würde. Sie argumentieren auch, dass feministische Ansprüche den Eindruck erwecken, dass Frauen schwach seien und mehr Schutz bräuchten, obwohl wenn wir in einer Zeit leben, in der es Frauen besser nicht gehen könnte.

Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die die Demonstrationen im März verteidigen, die darauf hinweisen, dass in der Frage der tatsächlichen Gleichstellung von Männern und Frauen noch viel zu tun bleibt. Letztere sprechen vom Pay Gap, der gläsernen Decke, der Angst, die wir Frauen haben, wenn wir nachts allein auf der Straße gehen, der Unsichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft und vielen anderen Themen.

Alle diese Meinungen sind gültig, aber sie sind nur Meinungen, die oft ohne Daten, die sie unterstützen würden, angebracht werden. Deshalb wollen wir in diesem Artikel versuchen, die Realität zu betrachten und mit Daten zu untermauern, um zu sehen, ob Frauen am 8. März wirklich Gründe haben, auf die Straße zu gehen.

Feministinnen verschiedener Herkunft

Der Gender Pay Gap in Daten

Es gibt zwei Gründe für das Gefälle zwischen dem Lohn von Männern und Frauen, die im gleichen Job tätig sind:

  • Obwohl sie derselben Berufsgruppe angehören und daher vereinbarungsgemäß das gleiche Gehalt erhalten müssten, erhalten Männer unterschiedliche Gehaltszulagen, die ihren Lohn indirekt erhöhen.
  • Frauen reduzieren ihre Arbeitszeiten häufiger als Männer, weil sie sich für die Betreuung der Familie zuständig fühlen. Diese Betreuung kann für Eltern, Kinder oder andere abhängige Familienmitglieder erfolgen, was bedeutet, dass ihr Gehalt und ihre beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten geringer sind als bei Männern.

“ Im Durchschnitt verdienen Frauen in Europa nach noch immer 16,3 % weniger als Männer. Das Lohngefälle hat in den letzten Jahren nicht abgenommen, was großenteils darauf zurückzuführen ist, dass Frauen in der Regel weniger arbeiten, in schlechter bezahlten Branchen tätig sind, weniger Beförderungen erhalten, häufiger ihre berufliche Laufbahn unterbrechen und mehr unbezahlte Arbeit leisten.“

Bericht der Europäischen Kommission vom 20. November 2017

Frauen in der Wissenschaft

Wenn wir von Frauen in der Wissenschaft sprechen, beziehen wir uns auf Frauen als lehrende und bildende Referenzen für unsere Kinder. Nehmen wir uns dazu etwas Zeit, um in Büchern über die Geschichte von  Naturwissenschaften wie Chemie und Physik, Mathematik oder Literatur nach weiblichen Referenzen zu suchen.

Das Ergebnis dieser Analyse ist alarmierend: Hier erscheinen Frauen nur als bloße Begleitung männlicher Figuren. Sie scheinen nichts anderes als ein Anhang zu sein, eine Unterstützung der Männer mit all ihren hervorragenden Leistungen.

Eine andere Möglichkeit, dieses Phänomen zu beobachten, besteht darin, zu versuchen, sich mit dem Namen von Frauen an die Gesellschaft zu wenden. Es gibt viele, die Nelson Mandela kennen, aber wer kennt Rosa Parks? Wir kennen Thomas Edison, aber nur wenige von uns kennen Beulah Louise Henry, die man gar als „Lady Edison“ bezeichnete.

Die Bestrafung der Mutterschaft in der Arbeitswelt und die gläserne Decke

Laut einer Studie mit dem Titel „Haben Frauen weniger Chancen auf eine Anstellung?“, die von Forschern der Universität Pompeu Fabra (Spanien) durchgeführt wurde, haben Frauen eine um 30 % geringere Chance, unter gleichen Bedingungen wie Männer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und eingestellt zu werden. Das heißt, bei ähnlichem Lebenslauf waren diejenigen, die zu Interviews vorstellig wurden und denen ein Job angeboten wurde, in der Mehrzahl Männer.

Diese Kluft wird bei Anwesenheit von Kindern verstärkt, da nach dieser Studie eine Frau mit Nachkommen noch geringere Chancen auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch hat als ein Mann mit den gleichen Eigenschaften.  Genau gesagt ist ihr Chance um um 35,9 % geringer. Denn Frauen sind in der Regel diejenigen, die sich den Kindern widmen, und der Mann, der einfach nur „hilft“, scheint letztendlich nicht für sie verantwortlich gemacht zu werden.

Gruppe von Frauen

Geschlechtsspezifische Gewalt

Last but not least ist da das Thema der Gewalt. Geschlechtsspezifische Gewalt erhält diesen Namen, weil die Opfer in aller Regel Frauen sind, und sie sind Opfer, weil sie Frauen sind. In Deutschland sind allein im Jahr 364 Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet wurden.

Und man weiß, dass Gewalt gegen Frauen eine Strategie zur Aufrechterhaltung der patriarchalischen Macht und damit ein Versuch ist, Frauen daran zu hindern, sich von dem Ort der Ungleichheit zu entfernen, an den man sie traditionell setzt. So ist sie vergleichsweise stärker legitimiert als andere Formen der Gewalt, und diese Legitimität drückt sich in Rechts- und Strafrechtsordnungen aus, die eine Kristallisation der Werte der Gesellschaft darstellen, in der sie formuliert sind.

Nachdem du all das gelesen hast, glaubst du nun, dass wir genug Motive haben, um uns für den Feminismus zu engagieren? Was ist deine Meinung dazu?