Introvertiertheit: 7 Dinge, die wir daraus lernen können

24. Oktober 2016 en Psychologie 8 Geteilt

Einen Großteil seiner Kindheit wurde Albert Einstein nicht wirklich als ein brillanter Student bezeichnet, sondern als Introvertierter. Im Laufe der Zeit lieferte er uns mit seiner Arbeit ein enormes wissenschaftliches Vermächtnis: Fortschritte im Bereich der theoretischen Physik, die nur durch das Genie erreicht wurde, an das wir uns heute erinnern.

Es gibt viele Biographien, die über sein Leben geschrieben wurden und alle stimmen in einem Punkt überein: Er hatte eine ausgesprochen introvertierte Persönlichkeit. Genau wie Einstein sagt man vielen anderen Menschen, die für ihre Kreativität und ihre Intelligenz bekannt sind, eine introvertierte Persönlichkeit nach, wie zum Beispiel Bill Gates oder Mahatma Ghandi.

„Ich liebe es, allein zu sein. Ich liebe es, draußen zu sein, ich liebe es, einen langen Spaziergang mit meinen Hunden zu machen und die Bäume, die Blumen, den Himmel zu betrachten.“

Audrey Hepburn

Doch Introvertiertheit und Extrovertiertheit schließen sich gegenseitig nicht aus. Sie werden oft vermischt, denn es gibt extrovertierte Menschen, die sich in bestimmten Situationen auch schüchtern verhalten können. Ebenso gibt es introvertierte Menschen, die lebhaft und gesellig sind und auch andere typischen Zeichen von Extrovertiertheit zeigen.

Studien über Introvertiertheit und Extrovertiertheit

Der Erste, der sich mit den verschiedenen Konzepten der Introvertiertheit und der Extrovertiertheit befasste, war Carl Gustav Jung. In seinem Buch Psychologische Typen  spricht er über zwei verschiedene Handlungsweisen, mit denen man jede Person definieren kann: das Verhalten, das auf die Außenwelt, auf andere Menschen fokussiert ist, und das Verhalten, das auf die Privatsphäre orientiert ist. Diese verschiedenen Verhaltensweisen definieren zwei psychologische Typen: Extrovertiertheit und Introvertiertheit.

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Außerdem assoziiert er diese psychologischen Typen mit zwei Archetypen. Jung verbindet die Introvertiertheit mit dem Archetyp von Apollo, der sich durch Selbstbeobachtung, Rationalität und Mäßigung charakterisiert. Extrovertiertheit verbindet Jung mit dem Archetyp von Dionysus, der sich durch Unordnung, der Suche nach Neuem und dem Interesse an Gefühlen auszeichnet.

Später beschäftigte sich auch der deutsche Psychologe Hans Eysenck mit diesem Thema, aber er hielt an der wissenschaftlichen Methode fest. Eysenck fokussierte sich auf die biologischen und genetischen Grundlagen der Menschheit. Das bedeutet, er konzentrierte sich auf das, was wir nicht aufgrund von Erfahrungen tun, sondern was uns mit auf den Weg gegeben wurde, das Ergebnis langfristiger Anpassung an unsere Umgebung.

Aus diesem Grund stellt Eysenck die Beziehung zwischen Introvertiertheit und Extrovertiertheit als eine Dimension des Temperaments dar, das in jedem vorhanden ist und das durch unsere Physiologie, durch das Erregungsniveau oder die Hemmung angesichts äußerer Reize definiert wird.

Was wir von einer introvertierten Person lernen können

An der Harvard Universität (Massachusetts, USA) wurde eine Studie durchgeführt, um typische Muster in den Gehirnen der Menschen zu analysieren, die als introvertiert bezeichnet werden. Bei dieser Untersuchung wurde herausgefunden, dass introvertierte Personen einen größere Anzahl grauer Zellen haben. Außerdem sind diese grauen Zellen in bestimmten Bereichen des präfrontalen Cortex, die im Zusammenhang mit dem abstrakten Denken und dem Treffen von Entscheidungen stehen, größer.

Das könnte der Grund dafür sein, warum Introvertierte mehr Zeit mit dem abstrakten Denken verbringen und als weniger impulsiv beschrieben werden. Außerdem achten sie mehr auf Details und fühlen sich in Situationen, in denen sie auf jeden Fall sozial interagieren müssen oder keine andere Option haben, als in einem Team zu arbeiten, unbehaglicher. Im Folgenden werden wir ein paar der Dinge analysieren, die wir von einer introvertierten Person lernen können.

Lernen, die Einsamkeit zu genießen

Eine introvertierte Person weiß, wie man gut allein sein kann, und nutzt diese Zeit, um zu lesen, ins Kino zu gehen, zu schreiben, einzukaufen, zu reisen, etc. Sie genießt ihre Zeit. Sie braucht niemanden um sich herum. Diese Isolation hat auch ihre Daseinsberechtigung, denn eine introvertierte Person tankt neue Energie, während sie allein ist.

„Warum vermeiden es die Menschen für gewöhnlich, allein zu sein? Weil nicht jeder seine Einsamkeit genießen kann.“

Carlo Dossi

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Gut zuhören können

Wenn eine introvertierte Person etwas sagt, dann tut sie das erst, wenn sie darüber nachgedacht und zugehört hat. Ein Introvertierter zieht es vor, zu schweigen und dem Aufmerksamkeit zu schenken, was andere sagen, um später zu intervenieren. Er verhält sich nicht so, weil er Angst davor hat, in das Gespräch einzugreifen, sondern will vielmehr nicht intervenieren, bevor er sich sicher ist, dass er etwas Nützliches zu der Konversation hinzufügen kann.

Analytisch und reflektierend sein

Introvertierte Menschen treffen Entscheidungen, die auf Erfahrungen, Beobachtungen, Interpretationen und Nachforschungen beruhen. Es macht ihnen Spaß, zu testen, zu analysieren und nachzudenken. Außerdem tendieren sie dazu, eher besonnen und nicht sehr impulsiv zu handeln.

Sorgfältig sein

Eine Studie, die von der Cornell Universität (New York, USA) durchgeführt wurde, kam zu dem Schluss, dass introvertierte Personen eine größere Stimulation des Gehirns aufzeigen, wenn sie visuelle Informationen verarbeiten, was ihnen dabei hilft, die Details zu entdecken, die von anderen Personen nicht bemerkt werden.

Soziale Beziehungen auf andere Weise genießen

Introvertierte Personen genießen auch ihre Beziehungen mit anderen Menschen, aber auf eine andere Art und Weise als extrovertierte Personen. Eine introvertierte Person zieht es vor, sich immer nur mit einer anderen Person zu unterhalten und große Gruppen zu vermeiden. In Gruppen entscheidet sie sich eher für eine Nebenrolle, weil sie von der Menge der Reize überfordert ist.

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Sensibel sein

Introvertierte sind eher sensibel, auch wenn sie oft kalt und distanziert scheinen. In der Tat ist es so, dass einige der tiefgründigsten literarischen Werke, in denen Gefühle auf eine sehr reichhaltige Art und Weise beschrieben werden, von introvertierten Menschen verfasst wurden.

Kreativ sein

Die Reflexion und die Selbstbeobachtung, die Introvertierte auszeichnet, machen sie zu kreativeren Menschen. Sie nutzen ihre Einsamkeit, um zu reflektieren. Auf diese Art und Weise können sie höhere Konzentration erreichen, was ihnen erlaubt, neue Dinge und Lösungen für Probleme zu entdecken.

„Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat.“

Albert Einstein

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