Intermittierende Verstärkung: Was ist das und wie beeinflusst sie uns?

Wir alle genießen Belohnungen, doch unregelmäßige Verstärkungen sind oft effizienter.
Intermittierende Verstärkung: Was ist das und wie beeinflusst sie uns?
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 26. August 2022

Auch wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind, wird unser Verhalten durch die Umweltbedingungen beeinflusst. Verhaltensweisen, die belohnt oder in gewisser Weise gefördert werden, wiederholen wir oft, diejenigen, die bestraft oder als negativ betrachtet werden, vermeiden wir. Diese positiven oder negativen Einflüsse sind manchmal subtil und bleiben unbemerkt, aber sie prägen uns. In diesem Zusammenhang sprechen wir heute über die intermittierende Verstärkung.

Es handelt sich um eine Dynamik, die Süchte (z. B. Glücksspiel), aber auch unsere persönlichen Beziehungen, unsere Arbeitsleistung oder unsere Konsumgewohnheiten stark beeinflusst. Auch Marketingexperten sind sich der Auswirkungen bewusst, welche die nicht regelmäßige Bekräftigung eines Verhaltens auf das Gehirn hat. Wir laden dich ein, mehr über dieses spannende Thema zu erfahren.

Frau experimentiert am Spielautomat intermittierende Verstärkung
Die intermittierende Verstärkung begünstigt die Wiederholung bestimmter Verhaltensweisen und verankert diese langfristig.

Verstärkung und Bestrafung zur Verhaltensänderung

Um die intermittierende Verstärkung zu verstehen, beziehen wir uns auf die Arbeit von B. F. Skinner zum Behaviorismus. Diese Strömung geht davon aus, dass das Verhalten durch Umweltkontingenzen gesteuert wird und dass es daher möglich ist, das Verhalten durch Verstärkung oder Bestrafung zu ändern.

Verstärkungen sind solche, die eine positive Konsequenz für die Person darstellen und daher dazu führen, dass diese ein bestimmtes Verhalten wiederholt und verinnerlicht. Man unterscheidet zwei Arten:

  • Positive Verstärkung: Für das gezeigte Verhalten gibt es einen Preis oder eine Belohnung – zum Beispiel, wenn wir für eine gut gemachte Arbeit Lob oder Dank erhalten.
  • Negative Verstärkung: Ein aversiver oder unangenehmer Reiz wird abgelehnt – zum Beispiel, wenn in einem Unternehmen nur Mitarbeiter, die bessere Umsätze erzielen, am Freitagnachmittag von der Arbeit freigestellt werden.

Bei der Bestrafung geht es darum, ein bestimmtes Verhalten zu reduzieren oder abzustellen. Positive Bestrafung kann erfolgen, wenn wir einen unangenehmen Reiz setzen (z. B. wenn ein Kind bei Fehlverhalten Tadel erntet). Eine negative Bestrafung erfolgt durch den Entzug eines angenehmen Reizes (z. B. durch den Abzug von Punkten bei einem Verkehrsverstoß).

Intermittierende Verstärkung

Die Verstärkung kann auf unterschiedliche Weise und nach unterschiedlichen Zeitplänen zum Einsatz kommen. Die kontinuierliche Verstärkung belohnt die Person immer, wenn diese sich wie gewünscht verhält. Intermittierende Verstärkung hingegen sieht nur gelegentliche Belohnungen vor. 

Auf den ersten Blick könnte es so aussehen, als würde diese Dynamik dazu führen, dass wir das Interesse verlieren. Denn wenn wir sehen, dass wir die Belohnung nicht erhalten, könnten wir aufhören, etwas zu versuchen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Wir können verstärkt versuchen, die Belohnung trotzdem zu erhalten. Tatsächlich ist die intermittierende Verstärkung eine der effektivsten Methoden, um bestimmte Verhaltensmuster langfristig zu verinnerlichen.

Wie wirkt sich intermittierende Verstärkung im Alltag aus?

Kurz gesagt: Die intermittierende Verstärkung erfolgt unregelmäßig und genau das führt zu Suchtverhalten. Die kontinuierliche Verstärkung kann hingegen zur Sättigung und folglich zum Interessenverlust führen. 

Wenn du jeden Tag bei der Arbeit gelobt wirst, klingen die betreffenden Worte hohl und wirken nicht mehr verstärkend. Dies passiert auch, wenn ein Kind zur Belohnung nach dem Aufräumen seines Zimmers immer Schokolade erhält. Es wird mit der Zeit keine Schokolade mehr mögen und du kannst damit keine Wirkung mehr erzielen.

Wenn die Verstärkung hingegen in Abständen erfolgt, erzeugt sie Erwartungen, Wünsche und ein gewisses Maß an Angst. Dies bringt dich dazu, dich mehr anzustrengen und wachsam zu sein, damit du die ersehnte Belohnung eines Tages erhältst. Es handelt sich um Verstärkungsprogramme, die in vielen Situationen zum Einsatz kommen. Einige Beispiele:

  • Leistungsprämien und Verkaufsanreize für die Arbeitskräfte in einem Unternehmen;
  • Spielautomaten, die gelegentlich einen Gewinn abwerfen, aber meistens zu Verlusten führen;
  • Soziale Netzwerke wie TikTok, die maßgeschneiderte, auffällige und unterhaltsame Videos zeigen, jedoch auch andere, die dem Nutzer nicht unbedingt gefallen;
  • In persönlichen Beziehungen und in der Erziehung kommen diese Verstärkungen ebenfalls häufig zur Anwendung, unter anderem wenn wir Anerkennung aussprechen oder uns bedanken.
intermittierende Verstärkung in der Beziehung
Es gibt Beziehungen, in denen ein Partner die intermittierende Verstärkung einsetzt, um den anderen zu kontrollieren.

Die intermittierende Verstärkung kann sehr nützlich sein, wenn sie auf eine gesunde und bewusste Weise eingesetzt wird. Sie kann zum Beispiel dabei helfen, Arbeitskräfte zu motivieren, Kindern gute Gewohnheiten beizubringen und anderen das Gefühl zu geben, wertvoll zu sein. Aber sie kann auch Suchtverhalten und emotionale Abhängigkeit verursachen. 

Wenn du in einer Beziehung manchmal den Mond und die Sterne erhältst, in anderen Augenblicken jedoch nur Kälte und Gleichgültigkeit, führt dies oft in eine Abhängigkeit, da du ständig auf die Verstärkung wartest. 

Daher ist es wichtig und praktisch zu verstehen, welche Dynamik dich antreibt und warum. Auf diese Weise kannst du etwas Abstand gewinnen und entscheiden, was das Beste für dich ist.

Das könnte dich ebenfalls interessieren...
Verhaltenshemmung und Angststörungen
Gedankenwelt
Lies auch diesen Artikel bei Gedankenwelt
Verhaltenshemmung und Angststörungen

Die Verhaltenshemmung ist eine Temperamenteigenschaft, die sich durch Ängstlichkeit, Vermeidung und sozialen Rückzug äußert.



  • KendallS. B. (1974Preference for intermittent reinforcementJournal of the Experimental Analysis of Behavior 21:463–73.
  • Skinner, B. F. (2019). The behavior of organisms: An experimental analysis. BF Skinner Foundation.