Innerpsychische Konflikte: Was wir an anderen kritisieren, sagt viel über uns selbst aus

2. Dezember 2016 en Psychologie 1145 Geteilt

Wenn uns unsere innerpsychischen Konflikte nicht erlauben, gerecht über andere zu urteilen, kommt die sogenannte negative Projektion zum Vorschein. Darunter versteht man eine Reihe von Abwehrmechanismen, durch die wir bei anderen kritisieren, was in Wahrheit unsere eigenen Schwächen sind und sogar unsere eigene innere Leere ist. In innerpsychischen Konfliktsituationen projizieren wir auf andere unsere eigenen Gefühle oder Gedanken, die für uns inakzeptabel sind.

Die negative Projektion zeigt sich in Situationen, in denen wir einen emotionalen Konflikt mit unserem Inneren austragen und somit schreiben wir anderen eigene Gefühle oder Gedanken zu, die für uns inakzeptabel sind. Wir projizieren Gefühle oder Gedanken auf andere, die wir nicht als eigene ansehen wollen, weil sie uns Angst machen. So passiert es, dass wir sie auf jemand anderen übertragen und das in dem Maß, dass wir davon überzeugt sind, dass sie zu jemand anderem gehören.

Wenn wir uns persönlich weiterentwickeln wollen, besteht ein Großteil unserer Arbeit darin, uns von diesen Projektionen zu befreien und unsere innerpsychischen Konflikte zu lösen, indem wir eine klare Grenze zwischen der Beschreibung, die wir einem Ereignis geben und dem, was wirklich geschieht, ziehen. Auf diese Weise vermeiden wir eine Verfälschung der Ereignisse und innerpsychische Konflikte gehören der Vergangenheit an.

„Wir sehen die anderen nicht als das an, was sie sind, sondern als das, was wir sind.“

Emmanuel Kant

Der Abwehrmechanismus in Bezug auf unsere persönlichen Schwächen

Die Projektion der persönlichen Schwächen, die uns Angst machen, wird dazu benutzt, um mit sich selbst im Reinen zu bleiben. Das Selbstwertgefühl und die Abwehrmechanismen spielen bei der Verteidigung des Ichs eine große Rolle. Die sogenannten Abwehrmechanismen sind von uns unterbewusst verwendete Strategien, deren Funktion darin besteht, unser Selbstbild und unsere Selbstwahrnehmung aufrechtzuerhalten.

Unser Gehirn scheint verschiedene Arten entwickelt zu haben, um unseren Organismus vor jenem zu beschützen, was uns zu schmerzhaft oder inakzeptabel erscheint. Wir benutzen die Abwehrmechanismen, um unserem Unwohlsein durch innerpsychische Konflikte, entstanden durch gewisse Erlebnisse und damit verbundenen Gefühle, auszubremsen. Diese Mechanismen schützen uns, wenn wir irgendeinen Aspekt unserer selbst, der uns missfällt oder das von uns erschaffene Selbstbild zerstört, nicht anerkennen wollen.

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Problematisch wird es, wenn sich diese Mechanismen verselbstständigen und immer wieder angewandt werden. Somit wird es irgendwann schwierig, diese Gewohnheit zu unterlassen, trotz der Tatsache, dass sich im Gegensatz dazu Ungleichgewichte in gewissen Aspekten unseres Reifeprozesses breitmachen. Diese Abwehrmechanismen ab und an zu gebrauchen, ist normal, aber wir müssen sie zu erkennen und gegen sie anzukämpfen wissen, um zu verhindern, dass unser Ego und dadurch resultierende innerpsychische Konflikte die Realität verzerren.

Andererseits beeinträchtigen uns diese Abwehrmechanismen und unsere Wahrnehmung wird gestört. Außerdem wird es immer komplizierter, sie zu erkennen, weil sie sich hinter unseren realistischen Vorstellungen verstecken.

Unser Abwehrmechanismus möchte uns glauben lassen, dass wir stark sind, wenn wir schwach sind, und schwach, wenn wir stark sind.

Was wir in anderen sehen, sagt viel über uns selbst aus

Wir sehen uns selbst in anderen. Wir sehen in dieser Art Spiegel unterschiedliche Eigenschaften oder Aspekte unseres Seins. Wenn wir etwas entdecken, das uns an jemandem nicht gefällt, missfällt uns das und wir stehen dem ablehnend gegenüber. Das kann bedeuten, dass das auf eine gewisse Weise einer unserer innerpsychischen Konflikte ist. Die psychische Projektion lässt uns denken, dass diese Schwäche nur außen, also bei dieser anderen Person, existiert.

Die psychische Projektion ist ein psychischer Abwehrmechanismus, durch welchen ein Mensch in anderen eigene Gefühle, Gedanken oder Impulse sieht, die er verneint oder die für ihn inakzeptabel erscheinen. Wenn unser Verstand bemerkt, dass eine Bedrohung für unsere mentale Gesundheit existiert, schreibt er inakzeptable Eigenschaften unserer selbst einer außen stehenden Person zu.

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Auf diese Weise gelingt es unserem Verstand scheinbar, sich selbst zu täuschen, indem er diese bedrohlichen Aspekte von uns weist. Diese Projektionen sind sowohl bei negativen Gefühlen wie Hass, Groll, Neid, als auch bei positiven Gefühlen wie Bewunderung, Idealisierung, Zuneigung anwendbar. Aus diesem Grund kann es sein, dass wir durch innerpsychische Konflikte im Grunde genommen uns selbst kritisieren, wenn wir andere zu sehr in die Kritik nehmen.

„Alles, was dich an anderen Wesen stört, ist nur eine Projektion dessen, was du mit dir selbst nicht gelöst hast.“

Buddha

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