Ich sage dir ganz genau, wie Benzodiazepine wirken

· 23. November 2018

Es ist 22:30 Uhr und ich habe gerade eine 0,5-mg-Tablette Alprazolam genommen. Das ist keine hohe Dosis, aber ich bin nicht an solche Medikamente gewöhnt und die Wirkung ist deshalb intensiver. Alprazolam ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Benzodiazepine und wird zur Behandlung von Panik- und Angststörungen verschrieben.

Es ist absolut nicht verwunderlich, dass ich gerade eine solche Tablette eingenommen habe, wenn man bedenkt, dass die moderne Gesellschaft geradezu „überdosiert“ ist. Aber ich möchte die Wirkungsweisen sogleich aufzeichnen, die dieses Medikament auf mentaler, emotionaler Ebene und Verhaltensebene hat. Die Wirkung von Benzodiazepinen ist vielfältig und bei jedem Patienten etwas anders.

Benzodiazepine reduzieren die anormale Erregung des Gehirns. Ich habe jene Tablette eingenommen, da ich zur Zeit ein wenig aufgewühlt bin. Ich werde nach und nach alles aufschreiben, was ich fühle, sobald ich den Eindruck bekomme, dass das Medikament beginnt zu wirken. Ich habe das Medikament sublingual eingenommen, d. h. ich habe es unter meine Zunge gelegt und die Tablette langsam zergehen lassen. Aber am Ende musste ich einen Schluck Wasser trinken, weil es so bitter geschmeckt hat.

Die Wirkung von Benzodiazepinen hängt von der Dosis, dem Konsumverhalten und den Eigenschaften eines jeden Einzelnen ab.

Wirkungsweise von Benzodiazepinen auf mentaler und emotionaler Ebene

Es ist 22:50 Uhr. Das Alprazolam beginnt, sich bemerkbar zu machen. Ich bin etwas ruhiger geworden. Ich empfinde eine Ruhe, aus der allmählich Schläfrigkeit wird. Jetzt könnte ich mich ins Bett legen und einschlafen. Ich könnte auch hinaus und laufen gehen, aber mir würden sicherlich die Reflexe fehlen, um einen Sturz zu vermeiden, und ein Fahrzeug zu bedienen wäre mir gerade unmöglich. Ich könnte auch nicht zur Arbeit gehen, oder es würde mir zumindest sehr schwerfallen. Ich fühle mich, als wäre ich in einem Film. Ich beobachte, was in meiner Umgebung passiert, aber ich habe den Eindruck, dass ich damit gerade nicht mithalten kann.

Geräusche stören mich. Ich musste den Fernseher ausschalten und meiner Familie sagen, dass sie bitte leiser sprechen soll. Im Allgemeinen bin ich empfindlicher gegenüber äußeren Reizen geworden. Obwohl ich entspannter bin, reagiere ich sehr empfindlich auf Reize aus meiner Umgebung, auf laute Geräusche, grelle Lichter etc.

Meine mentalen Prozesse haben sich verlangsamt. Ich wäre nicht dazu in der Lage, mich auf komplexe Aufgaben zu konzentrieren oder Gespräche zu führen, die ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erfordern. Ich kann mich trotzdem noch mit einer gewissen Normalität zurechtfinden.

Mann mit einer Tablette und einem Glas Wasser in der Hand

Wirkungsweise von Benzodiazepinen auf Verhaltensebene

Ich stehe auf, um auf die Toilette zu gehen. Ich gehe langsam. Schließlich wasche ich meine Hände. Auch hier sind meine Bewegungen langsam. Ich beobachte sie sehr aufmerksam, gehe dann zurück ins Wohnzimmer und setze mich auf die Couch. Ich starre wahlweise auf den schwarzen Bildschirm und einen beliebigen Punkt um mich herum. Wenn man mit mir redet, muss ich mich besonders bemühen, aufmerksam zu sein. Ich nehme mein Telefon zur Hand. Ich drücke die Tasten mit normaler Geschwindigkeit, aber ich mache mehr Fehler.

Im Allgemeinen hat sich meine psychomotorische Koordination erheblich verlangsamt und ich könnte keine körperlichen Aufgaben ausführen, die eine gewisse physische oder geistige Anstrengung erfordern. Wie ich bereits erwähnt habe, könnte ich kein Auto fahren. Ich könnte auch nichts Komplexes lernen oder auch nur lesen.

Wie wirken Benzodiazepine?

Laut den Neurowissenschaften erlebe ich eine Verringerung der Übertragung von Nervenimpulsen und damit eine verringerte Erregung meines Gehirns. Das Alprazolam hat eine deprimierende Wirkung auf mein Nervensystem. Hypnotische Effekte bringen mich auch in den Schlaf und reduzieren mein nächtliches Erwachen.

Nach aktuellen Untersuchungen verstärkt das gerade eingenommene Benzodiazepam die Wirkung des Neurotransmitters GABA und hemmt damit jene Neuronen, mit denen es in Kontakt kommt, wodurch ein Zustand der Ruhe erreicht wird.

Ich habe nur eine Tablette eingenommen, ein einziges Mal. Aber was die Einnahmedauer dieses Medikaments betrifft, so bestätigt der Pharmakologieprofessor der Universität Alcalá (Spanien), Cecilio Álamo González, dass „es sich um gut verträgliche und sichere Medikamente handelt, wenn sie in kurzen Zeiträumen von zwei bis vier Wochen bei ihrer Indikation als Hypnotika oder von zwei bis drei Monaten bei Einnahme als Anxiolytika eingenommen werden, aber bei längerer Einnahmedauer können sie Probleme verursachen.“

Mann schaut besorgt aus dem Fenster

Schlussfolgerungen

Meine Sorgen sind noch immer da. Sie sind nicht verschwunden. Meine geistige Aktivität hat sich verringert, doch die Probleme sind nicht verschwunden. Und wenn die Wirkung nachlässt, muss ich mich wieder meinen Dämonen stellen. Ich denke immer wieder darüber nach, was mich beunruhigt, was mich wachhält. Sobald ich schläfrig bin, reagiere ich emotional nicht mehr so intensiv, aber meine Konflikte sind trotzdem nicht verschwunden.

Konflikte in unserem Inneren nur mithilfe von Medikamenten lösen zu wollen, ist eine halbherzige Lösung. Die Wirkung von Benzodiazepinen kann uns im ersten Moment helfen, unsere zerebrale Erregung zu dämpfen. Auch helfen sie uns dabei, einen ruhigeren Alltag zu haben oder starke Angst zu verringern. Aber erst wenn wir unsere mentalen Konflikte lösen, werden wir den inneren Frieden finden, nachdem wir so sehnlichst suchen.